Ministerin will Werte und Normen testen

Ethik-Unterricht auch schon für Grundschüler in Niedersachsen

Test angekündigt: Das Kultusministerium will das Fach „Werte und Normen“ in Grundschulen testen. Hier ein Foto vom Unterricht in der Grundschule in Amelgatzen bei Hameln. Foto: dpa

Hannover. Der Religionsunterricht bekommt an niedersächsischen Grundschulen eine Alternative. In einem Test soll das konfessionslose Fach Werte und Normen laufen.

Hannover. Der klassische Religionsunterricht bekommt nun auch an niedersächsischen Grundschulen eine Alternative. Ab dem nächsten Schuljahr führt das Kultusministerium probeweise das konfessionslose Fach „Werte und Normen“ ein.

„Das entspricht dem Wunsch vieler Eltern“, sagte Ressortchefin Frauke Heiligenstadt (SPD). Der einjährige Testlauf soll zunächst an zehn Grundschulen im Lande starten. Danach werde man über eine verpflichtende Einführung in Niedersachsen entscheiden, so die Ministerin ungeachtet der Tatsache, dass nach der Landtagswahl im Januar 2018 ein Regierungswechsel möglich ist.

„Komplett überflüssig“ nannte die FDP die Erprobung. Man müsse das Rad in Niedersachsen nicht neu erfinden, so die Liberalen mit Blick auf Länder wie Bayern, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt.

Der Landeselternrat (LER) verwies auf eine mittlerweile sechs Jahre alte Forderung nach dem neuen Fach. Das käme besonders Kindern mit Migrationshintergrund bei der Vermittlung von Moral und Werten zugute, so der LER-Vorsitzende Mike Finke.

Zwei Wochenstunden Glaubenskunde gibt es an den niedersächsischen Schulen. Sie wird angeboten für alevitische, evangelische, katholische, jüdische, muslimische und orthodoxe Kinder. Aber nur ab der fünften Klasse gibt es bislang für Jungen und Mädchen ohne Konfession das Alternativfach „Werte und Normen“. Dessen Besuch ist für alle, die den klassischen Religionsunterricht nicht möchten, verpflichtend.

Wie hoch der Bedarf für „Werte und Normen“ ist, zeigen aktuelle Zahlen aus dem Ministerium. Von den rund 450 000 Schülern des Sekundärbereichs besuchen im laufenden Schuljahr 37,5 Prozent den evangelischen, 7,8 Prozent den katholischen und 22,4 Prozent den kooperativen Religionsunterricht der beiden großen christlichen Kirchen. 28,6 Prozent der Schüler haben dagegen „Werte und Normen“ gewählt.

Das Fach „Werte und Normen“ soll Fragen nach der Rolle des Menschen und seiner Verantwortung für die Welt kindgerecht aufgreifen. Gleichzeitig soll er eine Art moralisch-ethischer Wegweiser für das gesellschaftliche Miteinander sein.

Für die Testphase an den Grundschulen will das Ministerium zunächst die Fachlehrer an den weiterführenden Schulen rekrutieren. (ymp)

Heiligenstadt überrascht

Die Zahlen haben auch Niedersachsens Bildungsministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) überrascht: Mit 72 800 Kindern stellen die konfessionslosen Kinder nach Angaben der Ministerin die zweitgrößte Gruppe im Land. Rund 123 500 der insgesamt 278 000 Schüler an den 1800 Grundschulen gehören der evangelischen, 46 900 der katholischen und 21 000 der muslimischen Glaubensgemeinschaft an. (dpa)

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