Mehr als 130 Mal schalteten sich die Medizin-Experten ein

Ethikkomitee löst die schwierigen Fälle

Die Universitätsmedizin Göttingen: Sie hat seit zehn Jahren ein eigenen Ethikkomitee. 
Archivfoto: Thomas Kopietz
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Die Universitätsmedizin Göttingen: Sie hat seit zehn Jahren ein eigenen Ethikkomitee.

Wer entscheidet für Patienten, die nicht mehr selbst entscheiden können? Ist eine Patientenverfügung für die Behandlung anwendbar? Fragen, mit denen sich auch immer wieder das Klinische Ethik-Komitee der Göttinger Universitätsmedizin befasst.

Göttingen – Dieses gibt es seit zehn Jahren. Und seit der Gründung im Herbst 2010 hat das Komitee 132 ethische Fallbesprechungen auf den Stationen der Universitätsklinik abgehalten, so die Bilanz. Die Mitglieder des Ethikkomitees nehmen seit 2010 zudem an Visiten, Teambesprechungen und Konferenzen teil.

„Ziel des Klinischen Ethikkomitees ist es, einen offenen und professionellen Umgang mit ethischen Fragen und Konflikten des klinischen Alltags zu ermöglichen und den ethisch informierten Dialog zu fördern“, sagt der Vorsitzende Professor Alfred Simon. Werde eine ethische Fallbesprechung gewünscht, komme ein Team von zwei Komitee-Mitgliedern auf die Station. Alle Gespräche werden absolut vertraulich behandelt. Die Mitglieder des Komitees stehen unter Schweigepflicht.

Das Komitee organisierte bereits 43 interne und öffentliche Veranstaltungen sowie mehrere Fortbildungen. Die Mitglieder waren zudem als Referenten bei Veranstaltungen von Selbsthilfegruppen, Kirchengemeinden oder Fortbildungseinrichtungen im Einsatz. Darüber hinaus initiierte das Komitee Projekte wie einen Therapiebegrenzungsbogen, eine Behandlungsvereinbarung und einen Krisenpass für psychiatrische Patienten.

Dem Klinischen Ethikkomitee an der UMG gehören Ärzte, Pflegekräfte, Vertreter aus den Bereichen Medizinethik, psychosoziale Betreuung, Verwaltung, Seelsorge sowie von Selbsthilfegruppen an. Das Komitee kooperiert nach eigenen Angaben mit dem Zentrum für Medizinrecht der Uni Göttingen sowie der Patientenfürsprache und dem Meinungs- und Beschwerdemanagement der Uni-Klinik.

Vorsitzender Ethikkomitee: Prof. Dr. Alfred Simon

„Gerade in der Intensivmedizin und in palliativmedizinischen Situationen müssen immer wieder schwierige Entscheidungen getroffen werden“, betonte Martin Siess als Vorstand Krankenversorgung in der Universitätsmedizin. Hier leiste das Ethikkomitee eine extrem verantwortliche und ethisch abwägende Arbeit. Das spürten die Menschen vor Ort, sie schätzten die Beratung und Empfehlungen durch das Komitee.

Ethikkomitees oder vergleichbare Einrichtungen gibt es auch in anderen Kliniken in Niedersachsen und Bremen. Darunter sind die Evangelischen Krankenhäuser in Göttingen und Oldenburg, die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) und das katholische St. Joseph-Stift in Bremen. (bsc/tko).

Mehr Infos gibt es bei der UMG im Internet.

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