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9-Euro-Ticket: Umsetzung ist noch offen

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Von: Bernd Schlegel

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Riesiges Gebiet: Der Zweckverband Verkehrsverbund Südniedersachsen mit Geschäftsführer Michael Frömming an der Spitze betreut die Landkreise Göttingen, Northeim und Holzminden beim Thema Busverkehr. Die Betreiber der Fahrzeuge haben durch den hohen Kraftstoffpreis massive Probleme.
Riesiges Gebiet: Der Zweckverband Verkehrsverbund Südniedersachsen mit Geschäftsführer Michael Frömming an der Spitze betreut die Landkreise Göttingen, Northeim und Holzminden beim Thema Busverkehr. Die Betreiber der Fahrzeuge haben durch den hohen Kraftstoffpreis massive Probleme. © Bernd Schlegel

Das 9-Euro-Ticket soll für drei Monate in Kürze eingeführt werden. Doch vor Ort ist völlig unklar, wie das Nahverkehrsangebot umgesetzt werden soll.

Göttingen – Außerdem macht der hohe Dieselpreis den Busunternehmen schwer zu schaffen.

Wie wird das 9-Euro-Ticket vor Ort eigentlich umgesetzt?

Das ist bislang noch völlig offen. „Wir haben aus Hannover und Berlin noch keinerlei Informationen bekommen, dabei soll das Ticket ja zum 1. Mai eingeführt werden“, sagt Michael Frömming, Geschäftsführer des Zweckverbandes Verkehrsverbund Südniedersachsen. Es ist auch völlig unklar, in welchen Bereichen und Regionen das Ticket genutzt werden kann.

Was ist mit bestehenden Abos, wenn das Neun-Euro-Ticket kommt?

Auch das ist laut Frömming völlig ungeklärt. „Es muss schnell eine Lösung gefunden werden“, sagt der ZVSN-Geschäftsführer. Allerdings ist für ihn entscheidend, dass die Kosten für den Nahverkehr auch während 9-Euro-Ticket-Zeit gedeckt werden.

Wie kann die Kostendeckung sichergestellt werden?

Laut Frömming muss geklärt werden, wie schnell die für das Neun-Euro-Ticket notwendige zusätzliche finanzielle Unterstützung an die Verkehrsverbünde fließt. „Das darf nicht mit Verspätung passieren“, fordert Frömming.

Was erhofft sich der Zweckverband Verkehrsverbund Südniedersachsen (ZVSN) vom 9-Euro-Ticket?

Für viele könnte das eine Möglichkeit sein, die Vorteile des Öffentlichen Personennahverkehrs einmal persönlich kennenzulernen. Frömming: „Viele haben über Jahre keinen Fahrschein gekauft, weil ihnen das Thema einfach fremd war.“

Viele sagen, dass bei ihnen auf dem Dorf kein Bus fährt. Deshalb nutzen sie den Öffentlichen Personennahverkehr nicht.

Dieser Eindruck stimmt laut Frömming in manchen Orten durchaus: „Es könnten aber viele einmal umsteigen, wenn sie es denn wollten. Das Ticket ist eine prima Gelegenheit, das Angebot einmal selbst zu testen. In Südniedersachsen wurde das Angebot gerade im ländlichen Raum in den vergangenen Jahren deutlich verbessert.“

Gibt es Beispiele für Verbesserungen?

Ja, zum Beispiel die Landesbuslinie zwischen Göttingen und Duderstadt, die täglich zwischen dem Oberzentrum und dem Untereichsfeld zwischen 5 und 23 Uhr im Stundentakt mit modernen Niederflurbussen pendelt. Dort haben die Fahrgäste ähnlich wie in vielen Göttinger Stadtbussen sogar kostenloses W-Lan. Auch zwischen Göttingen und Uslar über Adelebsen gibt es ein richtig gutes Angebot – bis Adelebsen sogar ergänzt mit dem Zug. Zwischen Einbeck und Dassel gibt es seit der Reaktivierung der Eisenbahnstrecke bis Einbeck Zusatz-Angebote.

Welche Auswirkungen haben die hohen Spritpreise?

Sie bringen die Busunternehmen in existentielle Schwierigkeiten. „Es hat bereits erste Insolvenzen in anderen Regionen gegeben“, sagt Frömming. Die hohen Spritpreise konnte niemand einkalkulieren. Frömming: „Ähnlich wie ein Corona-Rettungsschirm muss ein Tank-Rettungsschirm für Busunternehmen kommen, sonst könnte es zu Insolvenzen bei uns und zu Ausdünnungen des Angebots für die Fahrgäste kommen.“

Gibt es ein konkretes Beispiel für die Mehrkosten durch die erhöhten Dieselpreise?

Ja, ein zwölf Meter langer Bus verbraucht im Stadtverkehr etwa 40 Liter Diesel auf 100 Kilometer Strecke, im Überlandverkehr etwa 32 Liter. Viele Verträge mit den Unternehmen wurden geschlossen, als Diesel noch etwa einen Euro pro Liter gekostet hat. Inzwischen sind es mehr als zwei Euro.

Wären Busse mit anderen Antriebsarten (zum Beispiel Elektrobusse) jetzt eine Alternative?

Ja, aber in den vergangenen Jahren ist zu wenig in diesem Bereich investiert worden. „In der Stadt Göttingen gibt es ein paar Busse dieser Art“, sagt Frömming. Derzeit wird geprüft, welche Antriebs-Varianten sich für die unterschiedlichen Einsatzgebiete (zum Beispiel im Harz) am besten eignen. Außerdem sind die Lieferzeiten solcher Fahrzeuge extrem lang und die Erstinvestition inklusive Ladeinfrastruktur extrem hoch.

Was sollte die Perspektive für die kommenden Monate sein?

Frömming: „Ich möchte nicht, dass wir ein tolles Neun-Euro-Ticket haben, aber es am Ende nicht mehr genutzt werden kann, weil das Geld für den praktischen Betrieb ausgegangen ist.“ Für ZVSN-Geschäftsführer ist zudem völlig klar: „Die Verkehrswende ist dringend erforderlich, aber sie kostet einfach.“ (Bernd Schlegel)

Planung und Finanzierung des Busverkehrs

Der Zweckverband Verkehrsverbund Südniedersachsen (ZVSN) wurde 1997 gegründet und ist für die Planung und Finanzierung des Busverkehrs in den Landkreisen Göttingen (außer in der Stadt Göttingen), Northeim und Holzminden zuständig. Die Geschäftsstelle hat zwölf Mitarbeiter und ist in Göttingen zu finden. Daneben gibt es außerdem den Verkehrsverbund Südniedersachsen, den Zusammenschluss von Bus- und Schienenverkehrsunternehmen, der einen Nahverkehrstarif für die Region anbietet. Weitere Infos gibt es hier. (bsc)

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