160 Teilnehmer

Europa-Empfang in Göttingen: „Hoffentlich wird Trump in Schach gehalten“

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Europa-Empfang in Göttingen: (von links) Harm Adam, Christa Neifeind, Washington-Korrespondent Stefan Koch und Landrat Bernhard Reuter. 

Göttingen. „Ein eigenwilliger Präsident, der hoffentlich von seinen Beratern in Schach gehalten wird“: So beschrieb der Washington-Korrespondent des Redaktionsnetzwerks Deutschlands, Stefan Koch, vor etwa 160 Gästen Donald Trump beim Europa-Empfang im Gemeindesaal der Johanniskirchengemeinde in Göttingen.

Dem US-Präsidenten, der wegen nicht nur wegen der Korea-Krise jeden Tag Schlagzeilen produziert, war der Abend der überparteilichen Europa-Union gewidmet. Koch sagte, beim Auftreten von Trump müsse man aber berücksichtigen, dass „Amerika keine One-Man-Show“ sei, sondern Trump ein machtvoller Kongress gegenüber stehe. Bislang habe er noch keins seiner Ziele umgesetzt. „Die Gegengewichte funktionieren.“

Martialische Töne

Angesichts der martialischen Töne auf beiden Seiten in der Korea-Krise, vermutet er, dass Trump mit „seiner richtig unangemessenen Rhetorik“ „ein anderes Verhandlungsniveau“ erreichen wolle. „Konkrete Gefahr“ sieht er weniger für die USA, sondern vor allem für die 60 Kilometer von der Grenze entfernt liegende südkoreanische Hauptstadt Seoul mit ihrer Millionenbevölkerung.

Koch fragte sich: „Stehen wir vor einer neuen Kuba-Krise?“ Und gab als Antwort darauf: „Das hat Anklang daran.“ Damals, 1962, stand die Welt kurz vor einem Atomkrieg zwischen der USA und der früheren Sowjetunion.

Der Korrespondent vermisst, dass bei der Berichterstattung Hinweise darauf, wie es ein „Steinzeitsystem“ wie Nordkorea schaffe, in kurzer Zeit neue Rakententypen zu bauen. „Haben das wirklich die Nordkoreaner getan? Diese Antwort sehe ich erst in Moskau.“

Zum transatlantischen Verhältnis sagte Koch, viele Amerikaner würden die Fokussierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Moskau nicht verstehen. Kritisch würde ihr Nein zur Libyen-Intervention, zur Nato-Mitgliedschaft von Georgien und der Ukraine und zu Waffenlieferungen an die Ukraine wahrgenommen.

Christa Neifeind, die Vorsitzende der Deutsch-Französischen Gesellschaft in Göttingen, forderte, dass Deutschland und Frankreich mit einer Stimme sprechen sollten. „Dann kann Europa vorankommen.“

Neues Mitglied

Göttingens Landrat Bernhard Reuter, den der Vorsitzende der Europa-Union, Harm Adam, als neues Mitglied der Union begrüßte, sagte, Europa sei wichtiger denn je. Für die Zukunft der europäischen Idee sei er optimistisch. (zhp)

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