Betreuung während der Entschärfung

Evakuierungszentrum in Göttinger Felix-Klein-Gymnasium: Warten auf Plastikstühlen und im Bus

Warteten aus Angst vor einer Infektion lieber vor der Notunterkunft an der Sporthalle des Felix-Klein-Gymnasium auf das Ende der Evakuierung: Bewohner des Heilsarmee-Wohnheims.
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Warteten aus Angst vor einer Infektion lieber vor der Notunterkunft an der Sporthalle des Felix-Klein-Gymnasium auf das Ende der Evakuierung: Bewohner des Heilsarmee-Wohnheims.

Während der Evakuierung nach dem Bombenfund wurden zahlreiche Göttinger in und um die Sporthalle des Felix-Klein-Gymnasiums betreut.

Göttingen – „Wir sind hier in der Notunterkunft gestrandet“, erklärte Daniyil Kulykov. Der Kasseler war am Donnerstag zu Besuch bei Freundin Lara Tiggemann in Göttingen.

Um 12 Uhr klingelte die Nachbarin, sagte, dass das Haus am Wochenmarkt aufgrund eines Bombenfunds evakuiert werde. Kulykov und Tiggemann machten sich mit Mitbewohnerin Zia Wendt zu Fuß auf den Weg zur Notunterkunft in der Sporthalle des Felix-Klein-Gymnasiums.

Weil dort zu dieser Zeit noch niemand war, gingen sie in der Nachbarschaft spazieren. Nach einer Stunde kehrten sie zurück, machten es sich auf den Plastikstühlen bequem, die die Johanniter mit dem nötigen Sicherheitsabstand aufgestellt hatten. „Der Hunger ist groß, die Stimmung trüb“, erklärte Kulykov gegen 15 Uhr. Studentin Wendt versuchte die Zeit sinnvoll zu nutzen und ging ihre Lernkarten durch.

„Warum sind so viele Polizisten auf der Straße?“, wunderte sich Özge Geyik, die an der Speckstraße wohnt. Die junge Türkin aus Istanbul, die seit einer Woche in Göttingen den englischsprachigen Studiengang Nachhaltige Ernährungssysteme absolviert, machte sich im Netz schlau. Auf der Internetseite der Stadt erfuhr sie vom Bombenfund, der anstehenden Evakuierung und der Notunterkunft. Es dauerte eine Zeit, bis sie den Text übersetzt hatte. Mit dem Smartphone fand sie den Weg. „Zum Glück funktioniert das Internet“, meinte die Studentin.

Warten: Lara Tiggemann, Zia Wendt und Daniyil Kulykov in der Sporthalle des Göttinger Felix-Klein-Gymnasiums, die als Evakuierungszentrum diente.

„Wir haben seit Stunden keinen Kontakt zu unserem 14-jährigen Sohn, der in Groß Schneen zur Schule geht“, erklärte Esther Gulde besorgt. Die Sozialpädagogin leitet an der Unteren-Masch-Straße das Wohnheim der Heilsarmee. Ihren siebenjährigen Sohn sammelte sie an der Albanischule ein. Die Heimbewohner wurden unterdessen von der Polizei aufgefordert, das Gebäude zu verlassen. Schichtleiter Karl Meier brachte die Bewohner, die im Haus waren, mit dem Kleinbus die Bewohner zur Notunterkunft. Einige von ihnen sitzen im Rollstuhl. In die Sporthalle wollten die Männer nicht. Sie fürchteten, sich anzustecken. So warteten sie in ihrem Bus auf dem Parkplatz. (Michael Caspar)

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