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Evangelisches Studienhaus in Göttingen ist jetzt Flüchtlingsheim

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Von: Michael Caspar

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Schlüsselübergabe an der Oberen Karspüle 30: (von links) Presbyteriums-Vertreter Uwe Zigan, DT-Geschäftsführerin Sandra Hinz, Studienhaus-Geschäftsführerin Susanne Kruse-Joost und Baudezernentin Claudia Baumgartner.
Schlüsselübergabe an der Oberen Karspüle 30: (von links) Presbyteriums-Vertreter Uwe Zigan, DT-Geschäftsführerin Sandra Hinz, Studienhaus-Geschäftsführerin Susanne Kruse-Joost und Baudezernentin Claudia Baumgartner. © Michael Caspar

Göttingens ehemaliges Evangelisches Studienhaus an der Oberen Karspüle 30 dient ab sofort als Unterkunft für Geflüchtete aus der Ukraine.

Göttingen – Ausgerechnet in dem Augenblick, in dem zahlreiche Flüchtlingsfrauen mit ihren kleinen Kindern nach Göttingen kommen, werde ein komplett eingerichtetes Wohnheim frei. Von einem „Glücksfall“ sprach Baudezernentin Claudia Baumgartner. Über 17 möblierte Zimmer verfügt das schlicht und klar gegliederte Gebäude des Architekten Paul Dietrich Brandi mit dem großzügigen, zentral gelegenen Treppenhaus.

Es gibt auf allen drei Etagen eine Küche mit den nötigen Utensilien und Geschirr. Hinzukommen Gemeinschaftsräume, Computer und ein Freizeitkeller mit Kicker und Tischtennisplatte.

Eigentlich sollten dort Räumlichkeiten für Gäste des Deutschen Theaters entstehen

„Die Landeskirche Hannover gibt das Gebäude, das bisher von Studierenden und Pastoren im Sabbatical genutzt wurde, Ende März auf“, berichtet Studienhaus-Geschäftsführerin, Susanne Kruse-Joost.

Beide Gruppen sind bereits auf das Grundstück des neuen Forums Kirche und Diakonie gezogen. Mieter des Brandi-Baus ist von April an das Deutsche Theater Göttingen. Es ist gegenüber – auf der anderen Seite des Stadtwalls – ansässig.

„Wir wollten eigentlich während des Sommers an der Oberen Karspüle dringend benötigte Büroräume sowie Wohnungen für unsere Gastschauspieler und -regisseure, schaffen“, berichtet DT-Geschäftsführerin Sandra Hinz. Doch bei einem gemeinsamen Rundgang mit Intendant Erich Sidler kam die Idee auf, es der Stadt vorübergehend als Gemeinschaftsunterkunft zur Verfügung zu stellen.

Platz für 37 Bewohner

Angesichts der Not der Geflüchteten stimmte der Vermieter, die evangelisch-reformierte Gemeinde Göttingen, „sofort“ zu, sagt Uwe Zigan. Er ist im Presbyterium, der Gemeindeleitung, für Bauangelegenheiten zuständig. Die Reformierten haben das Brandi-Haus 1964/65 als Wohnheim für Studierende errichten lassen, ergänzt Pastor Michael Ebener.

Die Gemeinde stellte es 2007 der evangelisch-lutherischen Landeskirche zur Verfügung. Diese hatte zuvor ein großes Wohnheim am Kreuzbergring betrieben.

Die Stadt hat zwischenzeitlich im Gebäude zusätzliche Betten aufgestellt, so dass nun Raum für 37 Bewohner ist. Von einem „idealen Ort“, um zur Ruhe zu kommen und die nächsten Schritte im Leben zu planen, spricht Baumgartner. Der Stadtwall liegt hinterm Haus, die Fußgängerzone nur wenige Minuten entfernt.

Das Deutsche Theater will theaterpädagogische Angebote machen

Betreut werden die Geflüchteten von Bonveno, einem Verbund von Diakonie und Caritas, Deutschem Roten Kreuz und Arbeiterwohlfahrt. Bonveno hat eigens eine ukrainischsprachige Mitarbeiterin eingestellt und bietet unter anderem psychologische Beratung. Das Deutsche Theater will theaterpädagogische Angebote machen.

„Wir haben das Gebäude für zehn Jahre gemietet“, sagt DT-Geschäftsführerin Hinz. Mittelfristig steht eine Sanierung des Hauptgebäudes an. Spätestens dann werden Ausgleichsflächen benötigt. (Michael Caspar)

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