Artikel „Beyond the Rainbow”

Evolution der Federn: Forscher untersuchten bunte Welt der Dinos

Verwandt: Einen größeren Kontrast als zwischen einem Sperlingsvogel und Tyrannosaurus Rex lässt sich kaum vorstellen. Trotzdem handelte es sich auch bei dem Glanznektarvogel um einen Dinosaurier. Foto: Georg Oleschinski/Uni Bonn/nh

Göttingen/Bonn. Warum trugen Raubsaurier Federn, lange bevor der Urvogel Archaeopteryx das Fliegen lernte? Dieser Frage geht ein Forscherteam der Universitäten Göttingen und Bonn nach.

Der Ergebnisse der Untersuchungen sind im renommierten Fachjournal „Science“ erschienen. Die Wissenschaftler stießen dabei auf die besondere Farbenpracht, die Federn im Gegensatz zu Fell zu bieten haben.

Dass Vögel und Dinosaurier nahe Verwandte sind, wurde schon zu Zeiten des Evolutionsforschers Charles Darwin im 19. Jahrhundert vermutet. Gewissheit brachten aber erst 130 Jahre später Funde gefiederter Dinosaurier, vor allem aus chinesischen Lagerstätten. Dank dieser Fossilien weiß man, dass die Vögel aus einem Zweig mittelgroßer Raubsaurier entstanden sind, den sogenannten Theropoden. Vertreter dieser zweibeinigen Fleischfresser sind Tyrannosaurus rex oder auch die aus dem Film „Jurassic Park“ bekannten Velociraptoren.

Wie später die Vögel trugen auch diese Raubsaurier Federn. „Bisher wurde die Evolution von Federn vor allem als Anpassung an das Fliegen oder die Warmblütigkeit betrachtet”, sagt Erstautorin Marie-Claire Koschowitz vom Steinmann-Institut für Geologie, Mineralogie und Paläontologie der Universität Bonn. „Mich hat keine dieser Ideen wirklich überzeugt.“ Es müsse eine wichtigere Eigenschaft geben, die dafür sorgte, dass sie sich rasant unter den Vorfahren unserer Vögel verbreiteten, sagt Koschowitz, die sich bereits in ihrer Bachelorarbeit an der Uni Göttingen mit diesem Thema befasst hat.

Farbsehen der Dinosaurier

Koschowitz wurde im Farbsehen der Dinosaurier fündig. Wegen der Verwandtschaft mit Reptilien und Vögeln gehen die Wissenschaftler davon aus, dass Dinosaurier nicht nur Rot, Grün und Blau, sondern auch ultraviolettes Licht sehen konnten. Diese Fähigkeit macht die Welt für die meisten Tiere viel bunter als für den Menschen und andere Säugetiere, die Farben eher schlecht oder gar nicht sehen können. In der Welt vieler Tiere spielen Farben dagegen eine wichtige Rolle und zwar beim Werben um Partner für die Fortpflanzung. An dieser Stelle kommt die Feder ins Spiel. Die erste Feder müsse man sich als plüschige Feder vorstellen, erklärt Dr. Christian Fischer vom Johann-Friedrich-Blumenbach-Institut für Zoologie und Anthropologie der Uni Göttingen. Zum Fliegen eignete sie sich nicht. Aber die Struktur großer flacher Federn ermöglichte durch die besondere Lichtbrechung Farben wie Blau, Grün sowie Farben im UV-Bereich.

Federn wärmen

Weil in der Evolution alles schrittweise geschehe, dürften die ersten gefiederten Dinosaurier zunächst nur wenige Federn gehabt haben, so Fischer. „Deren Funktion war die Signalgebung.“ Federn haben aber noch einen Vorteil: Als Federkleid schützen sie vor dem Verlust von Körperwärme.

Die Evolution der Federn erscheint so in neuem Licht: Sie ermöglichen ein nahezu unendliches Spektrum an Farben und Mustern und zugleich die nötige Wärmeisolation. „Das erlaubte den Dinosauriern, mit ihrem bunten Federkleid zu prahlen, aber gleichzeitig warmblütig zu sein - etwas, was die Säugetiere nicht geschafft haben“, fasst Prof. Dr. Martin Sander vom Steinmann-Institut der Universität Bonn zusammen. (shx)

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