Kalkriffe als Klima-Archiv

Göttinger Biologen kehren von Expedition im Indischen Ozean zurück

+
Expeditionsteam: Dabei waren (v. l.) Mikrobiologe Avril von Hoyningen-Huene, Geobiologe Dr. Andreas Reimer, Mikrobiologe Dr. Dominik Schneider, Geobiologe Prof. Dr. Gernot Arp, Ronny Marie (Seychelles Islands Foundation) und Geobiologe Dario Fußmann.

Göttingen. Von einer vierwöchigen Expedition auf das Aldabra-Atoll im Indischen Ozean sind fünf Geo- und Mikrobiologen der Universität Göttingen mit Proben von kalkigen Lagunenschlämmen und Kalkriffen zurückgekehrt.

Auf dem unbewohnten Atoll, das wegen seiner Riesenschildkröten unter Schutz steht, sah das Team auch Auswirkungen des Klimawandels.

Aldabra liegt 420 Kilometer nördlich von Madagaskar und ist das zweitgrößte Atoll der Erde. Ziel der Göttinger Expedition war es, dort kalkige Lagunenschlämme und mikrobielle Kalkriffe – Stromatolithen – zu finden, die heute in versteinerter Form als isotopengeochemisches Klima-Archiv genutzt werden.

Entdeckt hatten diese Stromatolithen bereits vor 40 Jahren britische Forscher in Tümpeln auf Aldabra. Doch das Göttinger Team unter Leitung von Prof. Dr. Gernot Arp (Abteilung Geobiologie) suchte erst einmal vergeblich.

Expedition im Indischen Ozean: Eine spannende Suche

Viele Tümpel seien komplett ausgetrocknet, berichtet Arp. Dies hänge offenbar damit zusammen, dass das Atoll im Zuge des Klimawandels trockener geworden sei, während es anderswo auf der Erde mehr regne. In den übrig gebliebenen Wasserstellen tummeln sich Tiere. Arp: „Das Atoll ist ein Naturparadies – voll mit Vögeln und Riesenschildkröten.“ Deren Fäkalien verändern die Wasserchemie.

Entdeckung nach langer Suche: Ein Salzwassertümpel auf Aldabra mit durch Purpurbakterien rosa gefärbtem Bodenwasser. Die Tümpel dienen Forschern als Modell für die Ozeane der frühen Erdgeschichte vor 60 bis 500 Millionen Jahren.

Von aktiv wachsenden Stromatolithen war entsprechend wenig zu sehen. „Ich habe nicht mehr damit gerechnet, dass wir noch einen Tümpel finden“, sagt Arp. Erst ganz am Ende der Expedition entdeckten die Göttinger dann doch noch einen neuen, bislang nicht bekannten Salzwassertümpel mit rosafarbenem Bodenwasser und noch aktiv wachsenden Stromatolithen. 

Diese Tümpel sind für die Wissenschaftler so interessant, weil sie eine Art Modellozean für die Ozeane der frühen Erdgeschichte vor 60 bis 500 Millionen Jahren sind. Nicht nur die Atmosphäre verändere sich, erklärt Arp und nennt als Stichwort den CO2-Anstieg. Langfristig verändere sich auch das Meerwasser, dessen Kalziumkonzentration sich zum Beispiel stark verändert habe.

Zurück in Göttingen beginnt für die Grundlagenforscher nun die eigentliche Arbeit mit der Analyse der Proben. „Jede Probe und jeder Messwert von diesem entlegenen Atoll ist äußerst wertvoll“, so Arp. „Die zahlreichen mikrobiologischen Proben sollen erstmals ein umfassendes Bild zu den mikrobiellen Gemeinschaften auf diesem Atoll liefern. Die umfangreichen chemischen Wasser-Analysen werden eine wichtige Basis für das Verständnis der sedimentologischen und ökologischen Veränderungen bilden.“

Das Projekt ist Teil der DFG-Forschergruppe „Charon“, die sich mit dem Überlieferungspotenzial und Verfälschungsmöglichkeiten von Paläoumweltsignalen in fossilen Karbonatgesteinen befasst. 

Aldabra: Atoll im Indischen Ozean

Seit 1982 steht das Aldabra-Atoll als UNESCO-Weltnaturerbe unter Schutz, insbesondere wegen seiner 150.000 Riesenschildkröten. Es ist bis auf eine Forschungsstation der „Seychelles Islands Foundation (SIF)“ unbewohnt. Auf der Insel seien vor allem Naturforscher unterwegs, berichtet Prof. Gernot Arp von der Expedition. 

Auf ihrer Suche nach Lagunenschlämmen und Kalkriffs trafen die Göttinger Geo- und Mikrobiologen auch Forscher, die nach seltenen Seekühen Ausschau hielten – vergeblich. „Wir haben dagegen eine Seekuh gesehen“, so Arp, dessen Team „mit unendlich viel Glück“ am Ende auch den eigentlich gesuchten Salzwassertümpel entdeckte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.