Entschärfungen und Sprengungen bleiben Dauerthema

Bomben-Experten werden in Göttingen wieder gefragt sein

Rolf-Georg Köhler bei einem Empfang in der Lokhalle Göttingen
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Rolf-Georg Köhler: Oberbürgermeister Stadt Göttingen

Es war am 30. Januar 2021 die größte Bombenentschärfungsaktion durch Sprengung in Göttingen seit Jahren - und eine, an die einige Beteiligte psychisch belastet herangingen.

Göttingen - Denn einige, wie Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler, hatten mit erleiden müssen, wie am 1. Juni 2010 - bei einer Detonation vor einer Entschärfung - ein Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes ums Leben kam, zwei weitere Männer schwer verletzt wurden.

Glücklicherweise ging alles glatt in den besagten Januartagen 2021, nur wenige Meter entfernt von dem Unglücksort aus 2010, inklusive einer Evakuierung von 8.000 Menschen und der kontrollierten Sprengung von vier Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg – fast alles. Denn die Bomben lagen in einem Wohngebiet und am Rande des Naherholungsstreifens Leineaue. Schäden an Gebäuden blieben, müssen noch immer repariert werden.

Für Rolf-Georg Köhler war die enorm aufwändige Aktion Ende Januar mit Gewissheit nicht die letzte Sprengung und Beseitigung von Fliegerbomben-Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg in Göttingen, wie er gegenüber unserer Zeitung sagte: „Wir haben bei Bauvorhaben in der Stadt immer wieder Verdacht auf Sprengmittel, lassen das immer wieder prüfen. Es werden sicher noch weitere Sprengkörper auftauchen. Es sind sicher früher bei Bauvorhaben auch nicht alle Bomben entdeckt worden.“

Das Beispiel aus dem Januar belege das. So sei die Godehardkirche 1959 gebaut worden – auf dem Gelände lag eine Bombe. Damals, so Köhler, „waren Luftbilder noch geheime Militärsache der Alliierten“, standen also deutschen Kommunen nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung. Auch die Auswertungstechnik vor 60 Jahren sei eine andere gewesen als heute.

Deshalb sagt Köhler: „Die Kriegsfolgen sind immer noch da. Und die Bomben werden immer älter. Vor Jahren hätte man noch versucht, diese Bomben zu entschärfen, bei ihnen die Langzeitzünder auszubauen. Heute werden sie gesprengt, man will kein Risiko eingehen“, so Köhler, der mit weiteren Funden und Entschärfungen rechnet. Der Zeitpunkt werde immer wieder überraschend kommen.

In Bezug auf die Sprengung Ende Januar hatte Köhler allen Beteiligten ein großes Kompliment gezollt. „Beeindruckend war das Zusammenspiel vieler Kräfte über Kampfmittelräumdienst, Feuerwehren, THW, Polizei, Johanniter, DRK, Stadtwerke, Entsorgungsbetriebe, Kirchengemeinden, Nachbarschaftshelfer, Wohnungsgesellschaften, Altenheime und Hotels.“ Auch der Stab unter Dezernent Christian Schmetz und Dr. Schäfer von der Berufsfeuerwehr habe „sehr effektiv gearbeitet“.

Letztlich galt ein großes Lob Köhlers, gesprochen auch aus der tiefen Erleichterung, dass keine Menschen zu Schaden gekommen sind, dem Experten: „Der Kampfmittelräumdienst hat große Arbeit geleistet.“ Die Experten werden nicht das letzte Mal in Göttingen tätig gewesen sein. (Thomas Kopietz)

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