Expertenkommission fordert Änderungen

Bessere Bezahlung und Arbeitsbedingungen für Lehrer nötig 

Muss etwas tun: Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne ist nach Veröffentlichung der Studie zu Lehrerarbeitszeiten im Zugzwang. Foto: Hauke-Christian Dittrich

Hannover. Experten der Universitäten Göttingen und Lüneburg raten dem Kultusministerium zu Veränderungen der Bedingungen im Lehrerberuf.

Eine Unterrichtsstunde pro Woche weniger für Grundschullehrer, kleinere Kurse in der gymnasialen Oberstufe, mehr gezielte Entlastungsstunden für alle Lehrkräfte: Dies empfiehlt die unabhängige Expertenkommission Arbeitszeitanalyse, um die Jobbedingungen an den niedersächsischen Schulen spürbar zu verbessern.

Kultusminister Grand Hendrik Tonne (SPD) stimmte den Analysen im Abschlussbericht des von seiner Vorgängerin Frauke Heiligenstadt 2016 berufenen Gremiums am Dienstag zwar zu. Er wollte aber zunächst keine wesentlichen Zusagen machen. Der Ressortchef kündigte als Sofortmaßnahmen nur das Streichen von Dokumentationspflichten sowie einen Katalog von Musterkonzepten für eine gute schulische Praxis an.

Einen Mehrbedarf von insgesamt 2413 Vollzeitstellen haben die Wissenschaftler Prof. Axel Haunschild von der Uni Hannover und Frank Mußmann von der Uni Göttingen für ihr Maßnahmenpaket zum Abbau der vielen, teilweise gar nicht erlaubten Überstunden errechnet. Das entspricht jährlichen Zusatzkosten von rund 200 Millionen Euro „Selbst wenn mir der Finanzminister dieses Geld für diese Stellen zur Verfügung stellen würde, ich könnte sie gar nicht besetzen“, sagte Tonne mit Blick auf den bundesweiten Lehrermangel. Gleichwohl sei der Bericht, der auf der von der Lehrergewerkschaft GEW beauftragten Arbeitszeitstudie der Uni Göttingen und der Online-Belastungsbefragung der Lüneburger Leuphana-Universität fußt, „bei allen Schwierigkeiten ein klarer Arbeitsauftrag“, bekannte Tonne. Sein Haus arbeite an den Punkten bessere Besoldung, mehr Entlastung und einer Reform der Arbeitszeitverordnung. Dies wolle er mit den Ergebnissen der Studie verknüpfen und dann mit den Lehrerverbänden zu einem „tragfähigen Gesamtkonzept“ ausarbeiten.

„Die Zeit des Warten, Analysierens und Herumredens ist vorbei“, kritisierte FDP-Fraktionsvize Björn Försterling. Die Befunde seien schließlich lange bekannt, die SPD/CDU-Landesregierung müsse endlich liefern – mit der überfälligen Neuregelung für Teilzeit-Lehrer, mit der versprochenen Stundenreduzierung für ältere Kollegen, mit der zugesicherten Entlastung für die Leiter von Grundschulen. „Die Landesregierung wird nicht umhinkommen, zusätzliche Ressourcen für eine Neuordnung der Lehrerarbeitszeit zur Verfügung zu stellen“, forderte Grünen-Schulexpertin Julia Willie Hamburg mehr Geld im Haushalt 2019 zum Schaffen neuer Stellen.

Gymnasiallehrer über Soll

Laut Studie arbeiten Grundschullehrer im Schnitt 80 Minuten über Soll, Gymnasiallehrer sogar 3:05 Stunden. Allerdings: Viele Kollegen liegen zum Teil auch deutlich unter der vorgeschriebenen Wochenarbeitszeit, die bei Lehrern nicht die für Beamte üblichen 40 Stunden, sondern wegen der langen Schulferien umgerechnet 46:38 Stunden beträgt. Einen Unterschied von bis zu neun Stunden plus/minus haben die Forscher festgestellt. Sie raten, diese „Streuung“ durch eine gerechtere Verteilung der Aufgaben zu reduzieren. Damit sowie durch eine bessere Arbeitsorganisation in den einzelnen Schulen ließen sich Überstunden im Gegenwert von gut 1200 Lehrerstellen vermeiden.

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