Expertenrunde: Bundeswehr fehlt Gerät und Personal

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Thema Bundeswehr: CDU-Bundestagsabgeordneter Fritz Güntzler (links) moderierte die Diskussion. Das Bild zeigt ihn zusammen mit den Experten Stabsfeldwebel Gerd Dombrowski (Bundeswehrverband), Hauptmann Gregor Kuschmann (Jugendoffizier in Göttingen), CDU-Bundestagsabgeordneter Henning Otte (verteidigungspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion) und Andreas Paul Schöniger (Verband der Soldaten).

Göttingen. Der Göttinger CDU-Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler hatte zu einer Diskussion über die Bundeswehr eingeladen, bei der die Experten Klartext sprachen.

Der Bundeswehr fehlt es an modernen Waffen und anderem militärischem Gerät sowie an geschultem Personal. Das ist Ergebnis einer Diskussion, zu der der Göttinger CDU-Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler Donnerstagabend in das Hotel Freizeit In in Göttingen eingeladen hatte. Das Interesse an dem Thema Bundeswehr war groß, rund 90 Gäste füllten den Tagungsraum bis auf den letzten Platz.

Moderator Fritz Güntzler eröffnete die über zweistündige Diskussion mit der Eingangsfrage, ob die Bundeswehr für die neuen Herausforderungen unserer Zeit gerüstet ist?

Der Bundestagsabgeordnete Henning Otte (CDU), verteidigungspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, meinte, die Bundeswehr werde die Herausforderung bestehen. Vor dem Hintergrund des IS-Terrors und des Krieges in der Ost-Ukraine müsse Deutschland Verantwortung übernehmen, betonte der Celler Bundestagsabgeordnete. Sicherheit gebe es aber nicht zum Nulltarif, sondern sie koste. Er sei daher froh über das Signal von Finanzminister Wolfgang Schäuble, im Verteidigungshaushalt im Jahr 2017 mehr Geld bereitzustellen.

Mit dem Gesetz zur Attraktivitätssteigerung des Dienstes in der Bundeswehr sei die Grundlage geschaffen, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Als Beispiel nannte Otte die Einführung der 41-Stunden-Woche, die aber natürlich bei Einsätzen und Übungen nicht gelte.

Das Gesetz zur Attraktivitätssteigerung sei ein wichtiger Schritt, unterstrichen Stabsfeldwebel Gerd Dombrowski vom Deutschen Bundeswehrverband und Andreas Paul Schöniger vom Verband der Soldaten gleichermaßen.

Dennoch gebe es Unruhe in der Truppe, weil Soldaten, die nicht im Auslandseinsatz sind, an ihren Standorten mangels Panzer beispielsweise nicht ausreichend üben können.

„Wir müssen uns, um üben zu können, Großgerät ausleihen“, berichtete Gerd Dombrowski, aus seiner Praxis in einer Panzereinheit. Bei der materiellen Ausstattung sei die Bundeswehr auf Lücke genäht, so der Vertreter des Bundeswehrverbandes. Dombrowski: „Die Politik muss da dran arbeiten, das kostet Geld.“ Stabsfeldwebel Paul Andreas Schöniger bestätigte die Mangelsituation. Es fehle nicht nur modernes Gerät, sondern ebenso ausgebildete Soldaten, die das Gerät, wenn es angeschafft ist, auch adäquat bedienen können.

Um den Soldatenberuf für junge Leute attraktiv zu machen, müsse der Bund auch mehr in die Infrastruktur in den Kasernen investieren, forderte Hauptmann Gregor Kuschmann, Jugendoffizier der Bundeswehr in Göttingen. So seien zum Beispiel WLAN-Verbindung in den Unterkünften notwendig, das sei moderner Standard. Verteidigungspolitiker Henning Otte räumte ein, dass die Bundeswehr mehr Gerät und qualifiziert ausgebildete Soldaten brauche. Der Grund für den Mangel sei, dass in den vergangenen Jahren der Afghanistan-Einsatz Vorrang gehabt habe und viel militärisches Gerät dorthin gebracht worden sei.

Problem erkannt 

Die Bundesregierung habe aber das Problem erkannt und werde handeln. Otte: „Der Bund wird 58 Milliarden Euro investieren, um die Bundeswehr auf den modernsten Stand zu bringen.“

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