Händel-Festspiele

„Ezio: Game of Rome“: Größtes Jugendprojekt der Festspielgeschichte feierte Premiere

Drei Junge Menschen sind über einen Bildschirm in einem Kerker zu sehen
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Spieler Erik (v.l., Jakob Büchner) sinniert über den nächsten Schritt. Denn Ezio (Linus Shastri) steckt im Kerker.

Mit Hip-Hop und Computer: Trotz vieler Hindernisse durch Corona feierte die Inszenierung des Jugendprojekt es „Ezio: Game of Rome“ in der Göttinger Lokhalle Premiere.

Göttingen – Mit Händel in ein Computerspiel eintauchen – das erwartet unter den Festspiel-Fans wohl niemand. Doch nach einer Idee aus dem Jahr 2018 ist genau das zu den diesjährigen HändelFestspielen beim Jugendprojekt umgesetzt worden. Viel beklatscht wurde die filmische Premiere.

„Eine Händeloper für und mit jungen Menschen in unsere Gegenwart zu holen“, das sei die Motivation gewesen, sagt Alice Kamangar, die später als Fulvia zu sehen war und mit der Regisseurin Sonja Elena Schroeder und Ezio-Darsteller Linus Shastri die Filmszenen moderierte.

Die musikalische Leitung hat Bernd Ruf übernommen. Auf der Grundlage der Händel-Oper „Ezio“ hat Benjamin Köthe die Musik komponiert und arrangiert.

An das Casting im Juni 2019 kann Kamangar sich noch gut erinnern. So habe ein Ensemble aus Menschen, die noch die Schule besuchten, sowie angehenden Profis – nicht nur aus Göttingen – zusammengefunden. Gemeinsam erzählt die Crew mit den Solisten Merit Brüning, Konstantin Busack (Musikalische Einstudierung), Lena Hespe, Alice Kamangar, Jonas Paggen, Anna Maria Schmidt und Linus Shastri sowie den Schauspielern Jakob Büchner, Pauline de la Chevallerie, Daniel Hampe und Baris Özbük die Geschichte um den Musiklehrer Maschke.

Mit solchen Tafeln wurden die Konstellationen erklärt. Vor der Leinwand Alice Kamangar und die Regisseurin Sonja Elena Schroeder (v.l.).

Im Computerspiel „Game of Rome“ gelingt es diesem immer wieder, den Kaiser Valentinian vom Thron zu stürzen. Als er Schüler Erik im Unterricht bloßstellt, hat er sich einen starken Gegner eingehandelt.

Mit seiner Peer-Group will Erik ihm den Vorrang entreißen. Aus ihrem schulischen Konflikt entwickelt sich ein Schlagabtausch um Tod und Leben. Was sich in der Wirklichkeit und was auf der Spielebene abspielt, ist am Schluss nur noch schwer zu greifen.

Die Textfassung hat der Musicalautor Wolfgang Adenberg geschrieben. In Textworkshops mit dem Rapper Danny Fresh haben Schüler der Georg-Christoph-Lichtenberg Gesamtschule die Songtexte kreiert.

Häufige Konzeptänderung wegen der Corona-Pandemie

Das Bühnenbild von Marc Mahn hat ein Schülerteam der BBS 2 Göttingen verwirklicht. Unter Anleitung der Regisseurin haben sie auch die Kostüme entworfen. Mindestens 17-mal habe die Regisseurin ihr Konzept Corona bedingt ändern müssen, beschrieb Händel-Festspiele Intendant Tobias Wolff nach der Premiere voller Anerkennung (Organisation: Regieassistentin Birte Müchler und Nina de la Chevallerie).

So hatten die Darsteller mit der Göttinger Dance Company Kampfszenen und Choreographien einstudiert. Das Göttinger Symphonie Orchester hätte die Musik gespielt. Doch wegen Corona konnte die Aufführung nicht umgesetzt werden. Geblieben sind fantasievolle Videoszenen (Video und Schnitt: Thomas Kirchberg).

Laut Händelgesellschaft ist die Hip-Hopera, eine Zusammensetzung aus Hip-Hop, Hope und Opera, mit rund 200 Jugendlichen das größte Jugendprojekt, das die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen in ihrer 101-jährigen Geschichte auf die Beine gestellt haben.

Mit vielen überraschend schrägen Bildern – auch mit Bezügen in die Jetztzeit mit Anspielungen wie „Make Rome great again“ – überzeugte das Jugendprojekt bei der Premiere. Es gab langen, begeisterten und verdienten Applaus. (Ute Lawrenz)

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