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Sprach-Kita-Fachkräfte fordern beim Aktionstag in Göttingen eine schnelle Lösung

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Von: Melanie Zimmermann

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Teilnehmer am Aktionstag Sprach-Kita in Göttingen.
Wie geht es mit den Sprach-Kitas weiter? Beim bundesweiten Aktionstag gingen auch in Göttingen Fachkräfte, Eltern und Kinder auf die Straße, um auf die Situation aufmerksam zu machen. © Privat/nh

Die Zukunft der Sprach-Kitas ist bundesweit ungewiss. Knapp 100 Teilnehmende demonstrieren in Göttingen für eine zeitnahe Lösung. Die Zeit drängt.

Göttingen – Auf die ungewisse Zukunft der Sprach-Kitas machte in der vergangenen Woche (19. Oktober) ein bundesweiter Aktionstag aufmerksam. Auch in Göttingen beteiligten sich knapp 100 Teilnehmende aus verschiedenen Einrichtungen der Uni Stadt, unter anderem der Corvinus Kindertagesstätte, Petri Haus, Jona Kindertagesstätte, Montessori Kinderhaus und Kita Stephanus an einer Demonstration, die auf die Sorgen der Betroffenen aufmerksam machen sollte.

In einem Gespräch mit dem neuen Landtagsabgeordneten der Grünen, Michael Lühmann, formulierten die Erzieherinnen ihre Fragen und schilderten ihre Situation.

Finanzierung der Sprach-Kitas in Zukunft noch nicht final geklärt

„Lasst uns nicht im Regen stehen, Sprach-Kitas müssen weitergehen“ lautete das Motto, unter dem Erzieherinnen, Fachberatungen, Eltern, Kinder und interessierte Bürgerinnen und Bürger vergangenen Mittwoch, 19. Oktober, durch Göttingen zogen. „Wir sind ein buntes Bild und freuen uns über jede Teilnahme für unsere Sache“, sagte Gabriele Unger, Erzieherin und Fachkraft „Sprach-Kita“ von der Corvinus Kindertagesstätte im Rahmen der Demo.

Die Situation für sie und ihre Kolleginnen und Kollegen sei nicht leicht, das schilderten die Demonstrierenden im Gespräch auch dem Grünen-Landtagsabgeordneten Michael Lühmann im Grünen Zentrum in Göttingen. Zu dem Termin hatten auch die Evangelischen Kirchenkreise Göttingen und Münden eingeladen, die den Aktionstag unterstützten. Lühmann sagte, dass die Frage, ob es mit den Sprach-Kitas weitergehen solle, prinzipiell geklärt sei, so Unger.

Im Gespräch mit dem Grünen-Landtagsabgeordneten Michael Lühmann.
Im Gespräch mit dem Grünen-Landtagsabgeordneten Michael Lühmann im Haus der Grünen. © Privat/nh

Wer jedoch die Kosten trage – ob Bund oder Länder – dazu gebe es noch keine Einigung. „Es muss aber eine schnelle Lösung her. Und es muss eine Bestandsgarantie geben, um die bestehenden Strukturen und die Fachkräfte zu halten“, formuliert Unger im Gespräch mit der HNA stellvertretend für ihre Kolleginnen und Kollegen die Hauptanliegen der Demonstrierenden.

Zukunft der Sprach-Kitas: Fachkräfte beginne, sich umzuorientieren

Die Zeit drängt. „Es ist bereits eine Umorientierung im Umfeld der Kolleginnen und Kollegen festzustellen“, erzählt Gabriele Unger. Aufgrund der ungewissen Zukunft würden sich Fachkräfte mit der Zusatzqualifikation „Sprach-Kita“ bereits nach anderweitigen Stellen umsehen.

Es sei allerdings ein Trugschluss zu glauben, dass diese Fachkräfte künftig als „normale“ Erzieher wieder in den Gruppendienst gingen. „Für viele würden stattdessen Stellen in der Erwachsenen- oder Jugendbildung in Frage kommen“, so Unger. Denn neben der alltagsintegrierten Sprachförderung gehören auch die inklusive Pädagogik und die Zusammenarbeit mit Familien zu den Aufgaben der Sprach-Kita-Fachkräfte.

Erfolgreiches Bundesprogramm: Bund beschloss Ende im Sommer

Im Juli 2022 hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend über das Ende des erfolgreichen Bundesprogramms „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel der Welt ist“ informiert. Hintergrund hierfür ist der von der Bundesregierung verabschiedete Entwurf für den Bundeshaushalt 2023, in dem kein weiteres Geld für das Sprach-Kita-Programm vorgesehen ist.

Michael Lühmann versicherte den Demonstrierenden, er werde sich für die Erhaltung der Sprach-Kitas in Hannover einsetzen. Bundesweit ist etwa jede achte Kita eine sogenannte Sprach-Kita. Insgesamt 7.000 Fachkräfte arbeiten derzeit in diesem Bereich, davon profitieren mehr als 500.000 Kinder und deren Familien. (Melanie Zimmermann)

Weitere Informationen unter sprachkitas-retten.de

Die Schwerpunkte im Bundesprogramm „Sprach-Kitas“

Alltagsintegrierte sprachliche Bildung
Kinder lernen Sprache in Situationen aus ihrer Lebens- und Erfahrungswelt. Alltagsintegrierte sprachliche Bildung orientiert sich an den individuellen Kompetenzen und Interessen der Kinder und unterstützt die natürliche Sprachentwicklung. Der gesamte Kita-Alltag wird genutzt, um die Kinder in ihrer Sprachentwicklung anzuregen und zu fördern.
 
Inklusive Pädagogik
Eine inklusive Pädagogik ermutigt Kinder und Erwachsene, Vorurteile, Diskriminierung und Benachteiligung kritisch zu hinterfragen sowie eigene Gedanken und Gefühle zu artikulieren. Dies bedeutet, sowohl den Gemeinsamkeiten und Stärken von Kindern Aufmerksamkeit zu schenken als auch Vielfalt zu thematisieren und wertzuschätzen.
 
Zusammenarbeit mit Familien
Eine vertrauensvolle und willkommen heißende Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zwischen den pädagogischen Fachkräften und den Familien ist notwendig, um Kinder ganzheitlich in ihrer Sprachentwicklung zu begleiten. Denn Sprachbildung findet zuerst durch Eltern und zu Hause statt. Die Sprach-Kitas beraten die Eltern, wie sie auch zu Hause ein sprachanregendes Umfeld schaffen können.

Digitale Medien
Seit 2021 liegt ein zusätzlicher Fokus auf digitalen Medien und die Integration medienpädagogischer Fragestellungen in die sprachliche Bildung. Digitale Medien wie Smartphones oder Tabletcomputer sind heute Alltag in vielen Familien. Damit sind sie ein Teil des Sprachumfelds von Kindern jeden Alters. Deshalb greift das Programm digitale Medien bei der sprachlichen Bildung auf, stärkt medienpädagogische Ansätze und fördert digitale Bildungs- und Austauschformate für die Fachkräftequalifizierung. (mzi)

sprach-kitas.fruehe-chancen.de

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