Podiumsdiskussion zur Zukunft der Unternehmen

Fachkräftemangel: Offensive gegen den demografischen Wandel

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Demographischer Wandel: Für die viele Betriebe in der Region wird es zunehmend schwieriger, geeignetes Personal zu finden.

Göttingen. Das Land Niedersachsen und damit auch die Region Südniedersachsen stehen vor einem akuten Mangel an Fachkräften. 79.000 Absolventen (45.000 einer beruflichen Ausbildung, 34.000 an Hochschulen) standen im vergangenen Jahr lediglich 69.000 Einschulungen gegenüber.

In zehn Jahren fehlen in Niedersachsen damit 10.000 Jugendliche, während gleichzeitig die Generation „Babyboomer“ in Rente geht. Das geht aus einer Studie der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hannover hervor. Wie Arbeitgeber ihre Attraktivität steigern und so dem bereits beginnenden demografischen Wandel entgegenwirken können, war jetzt Thema einer Veranstaltung im Göttinger Sartorius College, zu der die Wirtschaftsförderung Region Göttingen (WRG) und der Arbeitgeberservices des Landkreises Göttingen (AGS) eingeladen hatten.

Um gegen den sich abzeichnenden Fachkräftemangel anzugehen, hat die Vollversammlung der IHK Hannover eine „IHK-Offensive duale Berufsausbildung 2015 bis 2020“ beschlossen. Insgesamt investiert die IHK in diesem Zeitraum fünf Millionen Euro, um flächendeckend mehr Jugendliche für eine betriebliche Ausbildung zu gewinnen. Offizieller Startschuss für die Initiative ist der 1. Januar 2015.

Ziel der Ausbildungsoffensive ist es, die Berufsorientierung in den Schulen viel stärker zu verankern. Danach sollte jeder Jugendliche bereits dort über die Attraktivität einer beruflichen Ausbildung informiert werden.

Anlässlich der Offensive werden ab 2015 zwölf Mitarbeiter Projekte mit dem Fokus auf Schule und Ausbildung in der Region Hannover und den neun Landkreisen des IHK-Bezirks vorantreiben.

Grundpfeiler sind Auszubildende, die als Ausbildungsbotschafter nahezu gleichaltrige Jugendliche in den Schulen auf Augenhöhe über ihren Beruf, ihren Alltag im Unternehmen und ihre Karriereperspektiven informieren.

Podiumsdiskussion: Erfolgreiche Personalpolitik

Wie erfolgreiche Personalpolitik aussehen kann, zeigte sich bei der Podiumsdiskussion zur Zukunft der Unternehmen. „Wir haben in unserem Hotel gleich mehrere Maßnahmen getroffen, um unseren Mitarbeitern das Leben etwas zu erleichtern und ihren Job in der Gastronomie damit etwas attraktiver zu machen“, berichtete Annette Rothweiler-Treichel, Inhaberin des Biohotels Werratal bei Laubach.

Entscheidener Schlüssel 

Zu diesen Maßnahmen zähle unter anderem die Abschaffung des Teildienstes (vormittags arbeiten, dann Pause und abends wieder arbeiten), der Küchen-Schluss um 21 Uhr, die Beschaffung einer nahe gelegenen Wohnung für eine Auszubildenden-Wohngemeinschaft und ein Visionsseminar, bei dem alle Mitarbeiter ihre Ziele und Wünsche definieren konnten.

„Das war für uns der letzte und entscheidende Schlüssel zum Erfolg“, sagte Rothweiler-Treichel, die momentan - ganz entgegen dem Trend in der Gastronomie - zehn Auszubildende beschäftigt.

Ebenfalls (noch) keine Probleme bei der Suche nach Lehrlingen hat Gabi Nikoleit, Geschäftsführerin der Zimmerei Erhard Diedrich in Rüdershausen.

„Wir haben unserem Betrieb in den vergangenen Jahren ein sehr viel moderneres Gesamtbild verschafft und so die Attraktivität gesteigert“, nannte sie einen der Gründe. „Außerdem sind wir bei Berufsfindungsbörsen wie der GÖBIT vertreten und in sozialen Netzwerken aktiv.“

Für beide Unternehmerinnen ist es wichtig, Vorteile eines kleinen Betriebes wie die Flexibilität zu nutzen und in den Vordergrund zu stellen. „Entscheidend ist aber auch, dass man mit der Zeit geht und vor allem auf seine Mitarbeiter eingeht“, meinte Annette Rothweiler-Treichel. „Und dass der Arbeitgeber die soziale Verantwortung, die er hat, auch tatsächlich trägt“, ergänzte Peter Schierschke, Leiter der Gastronomie der Uni Göttingen (UMG). (per)

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