Fairer Handel mit Baumwolle: Produzent sprach in Göttingen über Chancen

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Siegel für gerechtere Löhne: Fairtrade hilft Produzenten existenzsichernd zu arbeiten.

Göttingen. Menschen einen Lohn geben, von dem sie existieren können - dieses Ziel hat das Siegel Fairtrade. Bei einem Vortrag zur Fairen Woche in Göttingen erzählte Baumwollproduzent Ivan Bwambale aus Uganda von Chancen und Herausforderungen der Kooperation.

„Wir sollten hinterfragen, was fair ist und wie die Menschen behandelt werden, die Kleidung oder Lebensmittel produzieren“, sagte Anja Belz vom Entwicklungspolitischen Informationszentrum (Epiz), die den Vortrag organisierten.

Jeder trägt Baumwolle

Alle Menschen würden Baumwolle tragen, doch die wenigsten würden ausreichend dafür bezahlen. Einen Lohn, der die Produzenten nicht am Existenzminimum leben lasse, garantiere das Siegel Fairtrade.

Auch der Baumwollproduzent Ivan Bwambale aus Uganda hat sich 2012 der Kooperation „Transfer Deutschland“ angeschlossen und hat nun verlässliche Partner und Abnehmer seines Rohstoffs. „Mir sind faire Standards wichtig“, erzählt er. Ziel der Kooperation sei es, Kindern einen Zugang zu Bildung zu ermöglichen, bestehende Schulen zu unterstützen und keine Kinderarbeit mehr zu erlauben.

Mit Hilfe der Kooperation sei es gelungen Tageszentren zu bauen, bei denen Mütter ihre Kinder während der Arbeit unterbringen könnten. Zudem verdienten die Farmer nun so viel, dass sie Geld sparen und ihre Kinder zur Schule schicken könnten, sagt der 29-Jährige. Die Baumwollproduzenten erhalten zudem regelmäßig Schulungen. Dabei würden Themen wie Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften auf den Feldern behandelt.

Etwa acht Monate und 2.800 Liter Wasser brauche eine Baumwollpflanze, bis sie zwischen Januar und März geerntet werden könne, sagt der 29-jährige Farmer. Die gereinigten und von Samen befreiten Ballen seien im Schnitt 191 Kilogramm schwer.

Vor ihrem Transport in die Spinnereien werde die Baumwolle in Stofftücher verpackt. Kunststoff sei verboten, sagt Bwambale. „Wenn die Baumwolle durch den Kunststoff schmutzig wird, ist es keine Bio-Baumwolle mehr und wir können sie nicht weiter verkaufen.“

Geld kommt an

Die Kooperation von Ivan Bwambale habe 406 Mitglieder, erzählt er stolz. Davon seien 45 Prozent Frauen, die an der Grenze zum Kongo Baumwolle produzieren. Sie hätten nun die gleichen Rechte auf Landbesitz und einen Verdienst wie Männer. Außerdem gebe es keine Zwischenhändler mehr, die Preise für den Rohstoff Baumwolle manipulierten. „Die Menschen waren überrascht, dass das Geld wirklich bei den Kleinbauern ankommt.“ 

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