Staatsanwaltschaft

Falsche Atteste für Maskenverweigerer? Duderstädter Ärztin angeklagt

Staatsanwaltschaft Göttingen
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Das Gebäude der Staatsanwaltschaft Göttingen: Die Behörde hat die Ärztin angeklagte. (Symbolbild)

Die Staatsanwaltschaft Göttingen hat jetzt zwei Anklagen gegen eine Ärztin aus Duderstadt wegen des Ausstellens falscher Gesundheitszeugnisse erhoben.

Duderstadt/Göttingen – Die 55-jährige Medizinerin engagiert sich seit langem in der Corona-Leugner-Szene und ist auch bei diversen Demonstrationen als Rednerin aufgetreten, wo sie gegen Schutzimpfungen, die Maskenpflicht und andere Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie agitierte.

Die Strafverfolgungsbehörde wirft ihr zum einen vor, als Ärztin zwei Impfunfähigkeitsbescheinigungen für zwei Kinder im Alter von einem Jahr beziehungsweise fünf Jahren ausgestellt zu haben. Diese Bescheinigungen können beispielsweise in Kindertagesstätten vorgelegt werden. Die Ärztin habe darin ausgeführt, dass die Kinder strikt von allen von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen oder geforderten Schutzimpfungen dauerhaft freizustellen seien, da das jeweilige Kind ohne Gefahr für sein Leben oder seine Gesundheit nicht geimpft werden könne und dürfe.

Außerdem wirft die Staatsanwaltschaft der Ärztin vor, zwischen April 2020 bis März 2021 insgesamt 16 jeweils gleich lautende Atteste zur Vorlage bei Polizei, Behörden oder Gesundheitsamt ausgestellt zu haben. Darin werde den jeweiligen Personen bescheinigt, dass diese aufgrund gesundheitlicher Probleme aus ärztlicher Sicht vom Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung befreit seien. Der Anklage zufolge soll die Ärztin gewusst haben, dass sämtliche Personen keine gesundheitlichen Einschränkungen hatten, die eine entsprechende Befreiung von der Maskenpflicht rechtfertigen könnten. In einigen Fällen soll sie die Bescheinigung auch ohne vorherige Untersuchung ausgestellt haben. Die Empfänger der Atteste stammten aus Niedersachsen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Brandenburg, teilte Behördensprecher Andreas Buick mit. Die beiden Kinder, denen eine angebliche Impfunfähigkeit bescheinigt wurde, sollen in Sachsen-Anhalt leben.

Die Duderstädter Ärztin war im Zusammenhang mit Demonstrationen von Corona-Leugnern in Hannover ins Visier der Ermittler geraten. Dort hatten diverse Teilnehmer ein von der Duderstädter Arztpraxis ausgestelltes Attest vorgelegt, wonach sie aus gesundheitlichen Gründen keine Mund-Nasen-Bedeckung tragen müssten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft bestand der Verdacht, dass es sich um Blanko-Atteste handelte. Einen Verhandlungstermin gibt es bislang noch nicht. (Heidi Niemann)

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