Inszenierung durch KIKA-Moderator Juri Tetzlaff

Händel-Festspiele: Oper Imeneo in der Familienfassung aufgeführt

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Im Kerzenlicht: Familienfassung der Oper Imeneo bei den Händel-Festspielen im Deutschen Theater. Hier mit Regisseurin Sigrid T´Hooft als Radamante mit Schwert. 

Göttingen. So aktuell können uralte Opern sein, so wunderbar können sie Kindern und Jugendlichen präsentiert werden: Die Familienfassung der Händel-Festspiele-Oper Imeneo bot ein Patentrezept dafür, wie Opern einem breiten Publikum schmackhaft gemacht werden können.

Der Star des Mittags ist deshalb am Pfingstmontag im vollen Deutschen Theater (DT) auch kein Sänger, sondern der Moderator, der die lockere Fassung von Imeneo – mit den Stars der Inszenierung – präsentiert: KIKA-Moderator Juri Tetzlaff.

Der hat das Drei-Stunden-Werk mal eben auf gut eine Stunde zusammengekürzt. Das macht aber nichts. Denn alle im Saal und auf den Rängen verstehen so noch besser als ohnehin in dieser „leichten Oper“, worum es geht: um Liebe, Entscheidungen, Dramen. Das war vor 276 Jahren so, als Imeneo das erste Mal in London aufgeführt wurde, das ist heute so, in Zeiten anderer Sprache und Kommunikationsmöglichkeiten.

Hunderte seufzen mit

Tetzlaff hat sofort mit seiner Startansage die Aufmerksamkeit aller im Saal. Und sie dürfen auch mitmachen: der leidende Tirinto (James Laing) wird mit einem hundertfachen Seufzer bedauert. Schon sind alle gelockert – auch für den Auftritt von Imeneo (William Berger). Der ist der Held und hat (Tetzlaff) „eine Hammergeschichte“ zu erzählen.

Die Story von „Imeneo“

Er hat zwei von Piraten verschleppte Mädchen gerettet: Rosmene (Anna Dennis) und Clomiri (Stefanie True). „Alles gut“, jetzt ist die kurze Familienfassung zu Ende“, sagt Tetzlaff nach 15 Minuten. „Nein, bei Händel wird es immer dann kompliziert, wenn man denkt, alles ist gelöst.“

Die Imeneo-Handlung aber ist grundsätzlich schlicht: Drei Männer, zwei Frauen. Der Held Imeneo will zur Belohnung die Frau (Rosmene), die der andere, Tirinto, begehrt. Die Frau muss sich entscheiden und soll dankbar sein – also den Retter wählen. Die Kerle sind Konkurrenten und verbünden sich kurz. Tetzlaff: „Es wird so ein Jungs-Gegen-Mädchen-Ding!“ Doch auch Clomiri liebt („ist verknallt“) Imeneo, hat aber Kinder mit dem Dritten (Argenio).

Herzblatt-Entscheidung

Dann entscheidet sich Rosmene. Sie sagt es in der Arie „Hier ist mein Herz“, heißt sie übersetzt aus dem Italienischen. „Die Sprache vor 276 Jahren war schön. Gesungen ist sie noch schöner!“, schwärmt Tetzlaff und schafft spielend den Spagat: „Wer wird ihr Herzblatt sein?“, fragt er neusprachlich. „Sie hat die Wahl zwischen Geld und Liebe.“ Rosmene wählt nicht die Liebe, also Imeneo. „So war das früher oft“, sagt Juri augenzwinkernd: „Aber wer weiß, vielleicht machen sie privat doch was sie wollen.“

Schräge Bühne

Nebenbei gibt es eine Kurzschulung über Gestik, taucht Regisseurin Sigrid T´Hooft als Fantasiefigur Radamante auf und erklärt auch, warum die Bühne schräg ist (mehr Tiefenwirkung). Riesenapplaus für die vorzüglichen Akteure, die sichtlich Spaß hatten – und natürlich für Juri Tetzlaff.

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