Göttinger Symphonie Orchester spielt Konzertvideo ein

Musikalisches Familientreffen in der Lokhalle in Göttingen

Mit vorgeschriebenem Abstand, aber zusammen: Das Göttinger Symphonie Orchester (GSO) Nicholas Milton in der riesigen Göttinger Lokhalle ein Konzert ein, das im Netz zu sehen sein wird.
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Mit vorgeschriebenem Abstand, aber zusammen: Das Göttinger Symphonie Orchester (GSO) Nicholas Milton in der riesigen Göttinger Lokhalle ein Konzert ein, das im Netz zu sehen sein wird.

Das Göttinger Symphonie Orchester hat ein besonderes Projekt in der Corona-Krise realisiert. Die Musiker spielten ein Konzertvideo in der Lokhalle ein.

  • Das Göttinger Symphonie Orchester spielte ein Konzertvideo ein.
  • Die Musiker traten in der Lokhalle in Göttingen auf.
  • Das Ergebnis wird im Internet veröffentlicht.

Göttingen - Stop! Mitte März ging plötzlich gar nichts mehr, für das Göttinger Symphonie Orchester (GSO). Lockdown! Wie Fußballteams konnte auch die Musikermannschaft nicht mehr zusammen auftreten, geschweige denn in kompletter Stärke zusammen trainieren. „Eine schwere Zeit“, fasst Orchesterchef Nicholas Milton zusammen. Eine Zeit, die am Dienstag endete – in einem Rahmen, der ganz anders als ein Konzertabend, aber nicht minder beeindruckend und befreiend für die Musikerinnen und Musiker war. Das komplette Orchester – als eines der ersten in Deutschland – fand wieder zusammen, musizierte, spielte vor Kameras ein Konzertvideo ein.

Konzertvideo aus Göttingen: Ausgeleuchtete Lokhalle

Räumlich ermöglichte das die riesige und traumhaft in Blautönen ausgeleuchtete Lokhalle, organisatorisch die Hilfe von Stadt und Betreibergesellschaft GWG. In deren Aufsichtsratssitzung sei es gar keine Frage gewesen, dem GSO diese Art der Wiedervereinigung zu ermöglichen, schildert Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler.

Blick auf das Orchester: Techniker bei der Aufnahme in der Göttinger Lokhalle, wo das Göttinger Symphonie Orchester (GSO) ein Konzert einspielte.

„Wie hier dem großartigen Orchester Wertschätzung signalisiert wird, das ist wunderbar“, freute sich GSO-Geschäftsführer Frank Wiegelmann. Er sprach von einer „Lernkurve“, die das GSO bewusst zurückgelegt. Dazu gehöre, dass normalerweise laut Milton „ganz eng“ sitzende Musiker nun Abstand halten müssen. „Wir haben das in drei Tagen gelernt.“

Konzertvideo aus Göttingen: Feuchte Augen

Wie, das hörten die wenigen Zuschauer um die Landtagspräsidentin Gabriele Andretta, die GSO- und GWG-Verantwortlichen sowie einige Medienvertreter. Der „Ungarische Tanz“ von Brahms bereitete einigen feuchte Augen. Bewegt bedankte sich Gabi Andretta: „Es war nicht nur für Sie das erste Mal, wieder zu spielen, es war auch für mich eine Premiere nach dem Corona-Ausbruch erstmal wieder Live-Musik zu hören. „Musik berührt unsere Seele, deshalb brauchen wir sie, gerade jetzt besonders. Sie hilft auch allen, die Sorgen in der Corona-Zeit zu vergessen.“ Andretta glaubt, dass viele es gar nicht mehr erwarten können, das GSO zu hören und zu sehen.

Wenige Zuhörer: Landtagspräsidentin Gabriele Andretta zeigte sich dankbar, dass Stadt und Lokhallen-Betreiber GWG dem GSO das gemeinsam Musizieren ermöglichten. Links Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler, rechts Nicholas Milton.

Konzertvideo aus Göttingen: Live-Nachschlag möglich

Möglich gemacht wird das durch den Konzertfilm im Netz – anklickbar in etwa zwei Wochen auf der GSO-Internetseite. Doch es könnte auch zum Live-Nachschlag kommen. Denn über die Zusammenarbeit mit Kai Ahlborn (GWG) steht ein funktionierendes Sicherheitskonzept. Es wäre ein Leichtes, dieses auf ein Konzert mit Publikum zu übertragen. Die Stühle im Industriedenkmal Lokhalle jedenfalls standen am Donnerstag schon in korrektem Sicherheitsabstand.

„Wir wollen etwas versuchen, und wir werden etwas versuchen“, sagt Frank Wiegelmann. So wird es im Herbst wohl GSO-Auftritte in der Lokhalle geben. Vielleicht nicht vor den erlaubten 500, aber doch vor mehreren hundert Zuschauern – und das wäre nicht nur als Teambuilding, sondern auch finanziell wichtig. Denn die geplanten Konzerte in der Uni-Aula sind keine Alternative: Dort könnten regulär nur etwa 40 Besucher Platz finden. „Wir könnten nicht einmal die Miete einspielen“, sagt Nicholas Milton. Rolf-Georg Köhler jedenfalls macht Hoffnung: „Wir finden ein passendes ökonomisches System.“ Er selbst wünscht sich sehnlichst die Lokhallenkonzerte. Frank Wiegelmann ebenfalls, er weiß aber nicht, „wie sich die Angst der Menschen, wieder in Großkonzerte zu gehen, auf die Besucherzahl niederschlägt“.

Konzertvideo aus Göttingen: Emotionale Aktion

Die Videoeinspielung aber war für das Orchester „sehr wichtig, auch, um als Familie wieder zusammenzukommen“, wie Milton betonte. Er wünscht sich nun, den verlorenen Familienteil Zuschauer wieder einbinden zu können. Der OB ist zuversichtlich: „Ich mache mir keine Sorgen um ihre Zuschauer. Sie werden kommen.“ Und viele werden dann ähnlich emotional gepackt werden, wie Köhler, der Donnerstag mit stockender Stimme unter Tränen sagte: „Ich freue mich, Sie zu sehen und zu hören.“ (Von Thomas Kopietz)

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