Bilanz für 2019 vor

Informationszentrum Nord in Göttingen: Fast 45 000 Anrufe beim Gift-Notruf

Seit 24 Jahren steht die Notfallnummer 0551/19240 des Giftinformationszentrums Nord in Göttingen für schnelle Beratung im akuten Vergiftungsfall. Fast 45 000 Anrufe gingen allein im vergangenen Jahr ein, so die Bilanz der Arbeit des GIZ-Nord.

Göttingen –Ratsuchende Eltern bekommen bei den Experten täglich und rund um die Uhr kompetente Hilfe. Rettungskräfte und Ärzte holen sich beim GIZ Rat bei ungewöhnlichen oder schweren Vergiftungen. Genau 44 494 Anfragen zu Vergiftungen haben die ärztlichen und pflegerischen Berater 2019 beantwortet. Das sind rund vier Prozent mehr als im Jahr zuvor. Der 24-Stunden-Service wurde dabei verstärkt von medizinischem Fachpersonal in Anspruch genommen.

„Die im letzten Jahr wieder gestiegene Zahl von Anfragen zeigt, wie groß der Bedarf an qualifizierter Beratung im Vergiftungsnotfall ist. Diese Resonanz belegt, wie gut das GIZ-Nord in der Bevölkerung und bei den Ärztinnen und Ärzten bekannt und akzeptiert ist“, betonen Dr. Martin Ebbecke und Prof. Dr. Andreas Schaper. Sie leiten das GIZ-Nord seit 2015 gemeinsam. Es ist für die Bundesländer Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein zuständig.

Dr. Martin Ebbecke

Der Jahresbericht 2019 des GIZ-Nord analysiert detailliert die Vergiftungsursachen, die Altersgruppen der Betroffenen und die Schwere der Vergiftungen. Oft sind es Dinge aus dem täglichen Umfeld, die besonders für Kinder gefährlich werden können. Die größte Vergiftungsgefahr geht in dieser Altersgruppe von Haushaltschemikalien und Arzneimitteln aus. Bei Erwachsenen überwiegen Vergiftungen mit Medikamenten.

Von neuen Drogen, sogenannten Psychoaktiven Substanzen (NPS) oder Designerdrogen, geht nach Ansicht der Experten des GIZ eine weitere Gefahr aus. Der illegale Drogenmarkt werde von zahlreichen neuen Drogen überschwemmt. „Insbesondere synthetische Cannabinoide sind deutlich problematischer als herkömmliches Cannabis. Bei den Patienten kommt es dabei zu Störungen der Blutsalze und auch generalisierte Krampfanfälle können sich entwickeln“, heißt es im Jahresbericht.

Leiter des GIZ-Nord

Im Rahmen einer Doktorarbeit werden im GIZ-Nord die Daten zu diesen relativ neuen Vergiftungen analysiert. Das toxikologische Labor spielt bei der Klärung und dem Nachweis von Vergiftungen durch neuartige Drogen eine ganz entscheidende Rolle.

Immer wieder müssen die Experten des GIZ auch vor giftigen Pilzen warnen. Gerade im Herbst kommt es zu Vergiftungen. Gefahr besteht beispielsweise beim Grünen Knollenblätterpilz. Der Verzehr kann zu schweren Leberschäden und im schlimmsten Fall zum Tod führen. Verwechslungsgefahr besteht besonders mit dem Riesenchampignon.

Kontakt: Giftinformationszentrum-Nord (GIZ-Nord), Robert-Koch-Straße 40, 37075 Göttingen, Tel. 0551/19240 (24-Stunden-Service). www. giz-nord.de

Von Bernd Schlegel

Rubriklistenbild: © S. Pförtner/UMG/nh

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