Göttingen/Namibia

Feenkreise behalten ihr Rätsel: Göttinger Forscher widerlegen Hypothese zu Entstehung

Punkte und Kreise im Wüstensand: Drohnenaufnahme der Feenkreise und eines einsamen Baumes in den Giribes Plains.
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Viele Punkte und Kreise in der Wüste: Drohnenaufnahme der Feenkreise und eines einsamen Baumes in den Giribes Plains. Hunderttausende Feenkreise gibt es dort. Göttinger erforschen Euphorbia-Damarana-Büsche.

Unbewachsene Kreise im Sand der Wüste – das sind die sogenannten Feenkreise. Aber wie entstehen sie? Eine Theorie dazu entstand 1979. Die haben Göttinger Forscher aber nun widerlegt.

Göttingen – Sie sind ein Naturwunder und ein fantastisches Fotomotiv – und behalten ihr Rätsel: die pflanzenlosen Feenkreise in der Namib. Millionen dieser vegetationslosen Flecken gibt es vorwiegend an den Rändern der Wüste in Namibia.

Jetzt haben Wissenschaftler der Abteilung Ökosystemmodellierung am Büsgen-Institut der Uni Göttingen die Hypothese zu deren Entstehung widerlegt. Darum ranken weiterhin Fragen, die Forscher beantworten wollen.

Göttinger Forscher widerlegen Theorie zu Feenkreisen: Theorie von 1979

1979 hatte der als Pionier der Feenkreis-Forschung geltende Südafrikaner G. K. Theron seine ursprüngliche „Euphorbien-Hypothese“ veröffentlicht. Die dreht sich um die Pflanze „Euphorbia damarana“.

Der Botaniker Theron hatte im Nordwesen Namibias mehrere absterbende und sich zersetzende Euphorbia-Büsche bemerkt. Seine These: Giftige Substanzen aus den Blättern der Pflanze töteten ringsherum die Gräser ab, es entstehen kahle, pflanzenlose Flächen – Feenkreise.

Nun kehrten die Göttinger Wissenschaftler in das Giribes-Gebiet zurück, wo sie 2020 die abgelegenen Standorte erstmals im Detail dokumentiert hatten, mithilfe von Boden- und Luftfotos. Sie verwendeten auch historische Satellitenaufnahmen.

Ursprung der Feenkreise: Ein vitaler Euphorbia-Damarana-Busch, der am Rande eines viel größeren Feenkreises wächst.

Göttinger Forscher widerlegen Theorie zu Feenkreisen: „Euphorbien-Hypothese verwerfen“

Das Ergebnis ist ernüchternd für Pionier Theron: Keiner der markierten Standorte mit Euphorbia-Büschen hat sich zu einem Feenkreis entwickelt. Stattdessen wuchsen um alle mit Metallstäben gekennzeichneten, absterbenden und verrotteten Büsche neue langlebige Grasbüschel.

Das, so Dr. Stephan Getzin, widerspricht der Hypothese, dass die Gifte der Euphorbien das Wachstum anderer Pflanzen hemmten. „Damals, 1979, war fast nichts bekannt, heute jedoch sehen wir das langfristige Ergebnis seines frühen Experiments“, sagt Getzin in Bezug auf Theron und fügt fast entschuldigend an: „Und wir müssen basierend auf unseren detaillierten Feldbeobachtungen seine Euphorbien-Hypothese verwerfen.“

Göttinger Forscher widerlegen Theorie zu Feenkreisen: Rätsel besteht weiter

Das Rätsel um den Ursprung besteht weiter. Aber man sei auf dem Weg zur Lösung einen wichtigen Schritt weitergekommen, „weil es unser wissenschaftliches Verständnis voranbringt. Es ermöglicht uns, wahrscheinlichere Mechanismen zu identifizieren, die diese erstaunlichen Formationen sowie andere faszinierende Phänomene erklären.

Die Ergebnisse wurden in „BMC Ecology and Evolution“ veröffentlicht. (Thomas Kopietz)

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