Zentren starten voraussichtlich erst Mitte Februar

Fehlstart bei Impftermin-Vergabe in Südniedersachsen

Kaum Impftermine am Telefon und im Internet
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Besetzt und vertröstet: Für tausende Senioren in Niederschsen gab es am Donnerstag keinen der erhofften Impftermine, deshalb waren viele sauer. Auch im Internet hatten viele Pech. (Symbolbild)

Hannover/Göttingen – Viele betagte alte Menschen in Niedersachsen waren am Donnerstag so richtig sauer. Sie hingen stundenlang am Telefon oder versuchten im Internet ihr Glück, doch Termine erhielten die meisten Impfwilligen nicht. Auch in Südniedersachsen gab es einen krachenden Fehlstart.

So waren für Menschen in den Landkreisen Göttingen und Northeim zunächst gar keine Termine zu bekommen. Wer doch einen Mitarbeiter an den Hörer bekam, wurde vertröstet. Bei manchen Anrufern wurden die Daten aufgenommen. Sie werden zu einem späteren Zeitpunkt Post mit der Einladung zu den Impfterminen sowie die notwendigen Unterlagen erhalten. Andere hatten weniger Glück: Sie hörten nur das Besetzt-Zeichen oder sogar die Ansage, dass die Nummer der Impf-Hotline „nicht vergeben“ sei.

Viele Anrufer wandten sich in ihrer Not an die Kreisverwaltungen – ohne Erfolg. Aus dem Göttinger Kreishaus hieß es, dass voraussichtlich erst für Mitte Februar die ersten Termine vergeben werden können – ähnlich sieht es in Northeim aus. Göttingens Landkreis-Pressesprecher Ulrich Lottmann betonte, Impfungen in den Alten- und Pflegeheimen haben bundesweit Priorität, um schwere Covid-19-Erkrankungen und Todesfälle zu verhindern. „Sobald der Landkreis die verbindliche Zusage erhält, dass Impfstoff zu einem bestimmten Zeitpunkt geliefert wird, kann unverzüglich die Terminvergabe für die Impfzentren starten.“ Wann das genau sein wird, konnte er nicht sagen.

Neben fehlendem Impfstoff hielt auch die Technik dem Ansturm am Donnerstag nicht stand. Allein in der ersten Stunde der Terminvergabe von 8 bis 9 Uhr wurden mehr als 700 000 Anrufe und rund 120 000 Online-Zugriffe erfasst.

Im Internet waren binnen einer Stunde bereits alle dort angebotenen Termine ausgebucht – 4492 Termine für 2246 Impfberechtigte. Am Telefon erhielten bis zum Mittag lediglich rund 1400 Menschen ihre beiden Termine für die Erst- und Zweitimpfung. Insgesamt leben allerdings etwa 550 000 Menschen über 80 Jahre in Niedersachsen.

Die Anmeldungen für Senioren ab 80 Jahre laufen über eine Telefonhotline unter der Nummer 0800/99 88 665 und über Webseite impfportal-niedersachsen.de. Weil sich die Lieferungen der Impfstoffhersteller verzögern, stehen bisher aber nur wenige Tausend Termine zur Verfügung. Die Landesregierung hatte daher schon vorab um Geduld gebeten. „Impfstoff, der bei uns nicht ankommt, kann nicht weiterverteilt werden“, hatte der Leiter des Landes-Krisenstabs, Heiger Scholz, nochmals betont.

Anrufer, die am Donnerstagmorgen noch keinen Termin bekommen haben, bat die Landesregierung, es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zu versuchen. Über die Telefonhotline können sich die Impfwilligen auf eine Warteliste setzen lassen. Sie werden dann informiert, sobald wieder Termine frei sind. (Bernd Schlegel, mit lni)

Kommentar: Kapitaler Fehlschlag mit Ankündigung

Welch ein Fehlschlag – und das mit Ankündigung! Der Start für die Terminvergabe der Corona-Impfungen ist – wie zu erwarten war – voll in die Hose gegangen. Die Bilanz von vielen hundertausenden Anrufern und einer vierstelligen (!) Zahl von vermittelten Impfterminen ist Beleg für einen vermeidbaren Fehlstart. Denn es gab viele warnende Hinweise vorab – von den Praktikern vor Ort, wie Verantwortlichen in Impfzentren. Sie schüttelten den Kopf ob der Torheit der Politiker, trotz Impfstoffknappheit unbedingt am Terminvergabestart festzuhalten. „Wie sollen wir Termine vergeben, wenn wir keinen Impfstoff haben?“, fragten viele. Doch die Politiker stellten auf stur, wollte zeigen, dass die Vergabe für die Ü-80-Jährigen laufen kann. Die Folge: Viele alte Menschen bleiben nun verzweifelt zurück, die versucht haben, einen so wichtigen Termin für die vor dem gefährlichen Virus schützende Spritze zu bekommen. Es wäre die Pflicht der Politiker gewesen, diese menschliche Komponente zur Maßgabe ihres Handelns zu machen, anstatt die vorhersehbare Verzweiflung zu ignorieren. Der Imageschaden und Vertrauensverlust ist immens. (Thomas Kopietz)

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