„Die Menschen haben gespannt zugehört.“

Göttinger Symphonie Orchester wurde in China umjubelt

Großaufgebot auf großer Reise: Das Göttinger Symphonie Orchester (GSO) während der China-Tournee im Dezember – Gruppenbild vor der Skiline von Shanghai. Foto: nh

Göttingen. Das Göttinger Symphonieorchester warb während der China-Tournee im Dezember für sich und die Stadt.

GSO-Generalmusikdirektor Christoph-Mathias Mueller ist noch fünf Wochen nach Tournee-Ende begeistert.

„Es war wunderbar und längst überfällig“, sagt Mueller und nippt an seinem - chinesischen - Tee. Denn das traditionsreiche Orchester besteht zwar 153 Jahre, nie zuvor aber war es zu einer so weiten und außergewöhnlichen Tournee aufgebrochen.

Und so trat das GSO in die Fußstapfen großer Klangkörper: Denn in der Konzertreihe spielten schon Weltklasse-Orchester wie die Berliner und Wiener Symphoniker.

„Es war ein Wagnis“, blickt Christoph-Mathias Mueller zurück. „Aber es hat sich gelohnt.“ Elf Tage zusammen mit mehr als 60 Musikern, das haben weder Mueller noch die GSO-Mitglieder gekannt.

„Reiseprofis!“, bilanziert der Chef heute knapp. Extrem professionell seien alle gewesen: „Keiner war krank, immer waren alle da, Ausflüge wurden selbst organisiert.“ Kurzum: alles hat funktioniert, auch der Transport der Instrumente.“ Der sorgsam aufgestellte Notfallplan blieb in der Tasche. Das war es, was Mueller sich erträumt hatte, eine problemlose Reise, die alle weitergebracht hat, musikalisch und menschlich als Solisten wie Teamplayer.

Auf der Bühne, da war sein Orchester in „absoluter Top-Form“. „Wir haben sechs Spitzenkonzerte abgeliefert, wurden gefeiert.“ Muellers Augen leuchten, als er das sagt. Und das beste sei zum Schluss gekommen: „Das letzte Konzert in der toll klingenden Halle in Shanghai war phänomenal.“

Bestätigung erhielt Mueller von einem Chef der Firma Yida, die die Konzerte veranstaltete: Er habe nie ein besseres Konzert in dieser Klassik-Reihe gehört. Ein fast unglaubliches Lob, findet Müller, angesichts der berühmten Vorgänger, die dort auf der Bühne standen.

Als Garanten für den Erfolg sah der Musikdirektor auch das Programm. Das passte und wurde umjubelt, von einem Publikum, das sonst als unruhig gilt. Mit Erstaunen und beglückt aber erlebte Mueller, dass das Publikum sehr aufmerksam dabei war. „Die Menschen haben gespannt zugehört.“ Mueller wertet auch das als Kompliment und sieht sich ob des Tournee-Erfolges bestätigt: Die Top-Leistungen bestätigten, dass das GSO qualitativ zugelegt habe. China sei so das Ausrufezeichen gewesen, auch für die Menschen in der Heimat, wo die guten Leistungen gern als normal angesehen würden. „So ein Orchester in Göttingen, das ist aber nichts Alltägliches.“

In Chinas Metropole Shanghai jedenfalls war das GSO eine große Nummer. Beispiel dafür ist die Präsentation im Programmheft der Konzerthalle: Nach ganz Großen aus der Welt der Klassik widmete man dem Göttinger Symphoniker zwei Doppelseiten. Und das entging auch dem Sponsor Volkswagen nicht. Man werde im Gespräch bleiben, sagt Christoph-Mathias Mueller erfreut, der diese Reise mit seinem Orchester immer wieder tun würde.

Jubel in China - kritische Töne in Göttingen 

Euphorisiert kehrten die Musiker des Göttinger Symphonie Orchesters (GSO kurz vor Weihnachten aus China von ihrer Tournee zurück.

Umso ernüchternder trafen Generalmusikdirektor Christof-Mathias Mueller nach der Heimkehr die Argumente der wie in einer Dauerschleife wiederkehrenden Diskussion um den Kulturbetrieb und deren Finanzierung in Göttingen.

Grünen-Fraktionschef Ulrich Holefleisch wartete in der Diskussion um das Kunstquartierprojekt pünktlich zum Jahresauftakt zur Rückkehr der GSO-Musiker damit auf: Man müsse auch die Finanzierung des GSO auf den Prüfstand stellen.

Mueller und die GSO-Verantwortlichen waren also schnell - im doppelten Sinne - wieder auf dem Boden gelandet: „Das ist schon ernüchternd“, sagt Mueller, der das klärende Gespräch mit Holefleisch suchte, aber auch um eine Spitze loszuwerden. Die setzte der Orchester-Chef später auch öffentlich bei dem gefeierten Auftritt zum Sparkassen-Neujahrsempfang: „Wir waren stolz darauf, die deutsche Klassik und die Stadt Göttingen vertreten zu können, vielleicht sind Sie auch ein wenig stolz auf uns.“ Riesenbeifall.

Zuvor hatte auch das Land die mittelfristige Förderung des GSO für die nächsten Jahre zugesagt.

Gefreut hat sich Christoph-Mathias Mueller kürzlich auch über eine Aussage von Landrat Bernhard Reuter (SPD): Der Landkreis Göttingen stehe komplett hinter dem GSO. Mueller sagt es nicht, aber diese Äußerung wünscht er sich auch einmal vom Göttinger Oberbürgermeister.

Und er betont auch, dass das Orchester und solch´ eine Reise wie die nach China ein nachhaltiger Imagegewinn für den Klangkörper und die Stadt Göttingen sind.

Mit leichtem Erstaunen hat Christoph-Mathias Mueller auch registriert, dass die Stadt über die Georg-August-Universität in China einen hohen Bekanntheitsgrad und guten Ruf genießt.

Die GSO-China-Tournee

Vom 11. Bis 22. Dezember 2014 spielten die Göttinger sechs Konzerte in drei chinesischen Städten - je zwei in der nordwest-chinesischen Hafenstadt Dalian, zwei im zentralchinesischen Wuhan und schließlich in der Metropole Shanghai. Im Vorfeld hatten das GSO ein strenges Auswahlverfahren durchlaufen müssen, nachdem eine chinesische Geigerin den Kontakt hergestellt hatte. Nach Prüfung des Orchesters auch bei einem Konzert in Göttingen, kam schließlich die Einladung. Die Konzerte wurden von dem chinesischen Unternehmen Yida veranstaltet. Sponsor war auch Volkswagen. Das Programm sollte die deutsche Orchestertradition spiegeln: Orchesterchef Christoph-Mathias Mueller wagte den Spagat zwischen leichteren Stücken wie Humperdincks Hänsel und Gretel und schwereren wie Brahms zweite Sinfonie. Dazu zwei chinesische Stücke, darunter den Neujahrskracher in China „Festival Spring Overture“ von Li Huanzhi. (tko) 

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