Die „Feisten“ rocken den Ratssaal

Literaturherbst 2015: Die „Feisten“ im Ratssaal des Neuen Rathauses: Rüdiger Schacht (rechts) und Mathias Zeh sangen und plauderten - mit Tobias Wolff, Chef der Händel-Festspiele Göttingen. Foto: Schröter

Göttingen. Die Heimatliebe wieder entfachen in der nüchternen Atmosphäre des neuen Ratssaales – geht das? Ja! Den „Feisten“, Rainer Schacht und Mathias Zeh, erging es am Sonntagvormittag so.

Literaturherbst mit einem Gespräch über Musik und Texte am Sonntagvormittag im Ratssaal – geht das? Ja! Die mutige wie geniale Idee von den Verantwortlichen um Johannes-Peter Herberhold zündete.

Am Ende wollte das Publikum im voll besetzten Saal die Musiker, die bekanntlich die Stadt in Richtung Kassel (Zeh) und Mannheim (Schacht) verlassen haben, nicht gehen lassen. Und die „Feisten“ empfanden den Auftritt im Parlamentssaal – auch ganz ohne Drogeneinfluss – als „bewusstseinserweiternd“.

Das will etwas heißen, denn Zeh und Schacht sind die übriggebliebene Kernkompetenz der bundesweit bekannten Gruppe „Ganz schön feist“, jenes Gesangstrios aus Göttingen, das in den späten 80ern mit ihrem Mix aus Pop, A-Cappella und Comedy für Furore sorgten, nicht zuletzt mit „dem“ Hit „Gänseblümchen.“

Das Duo hat 2014 das Album „Versuchslabor“ veröffentlicht und kommt frisch, entspannt daher – gleichwohl ein wenig verstört über den Talk- und Konzert-Ort Ratssaal, der Mathias Zeh an den vertäfelten Partykeller seiner Eltern erinnert. 90 Minuten später will Zeh „den Ratssaal nie vergessen“, ist bei Schacht „die Heimatliebe wieder voll da“. Einen solchen Jubel hat der Raum noch nie erlebt.

Dazwischen liegen alte, feiste Songs in neuem Arrangement-Gewand, Cover-Stücke wie die Schleimer-Hymne „Kriech nich da rein“ und natürlich eigene Stücke aus dem 2014er Album „Versuchslabor – 100% feist“, so den genialen „Nuss-Schüssel-Blues“, der jedem Erdnuss-Fan die Leidenschaft beim Zugreifen in Kneipen-Nuss-Schälchen vermiest. Das Saal-Publikum indes kann sich kaum noch halten vor Lachen. Auch Mathias Zeh muss Schmunzeln, kriegt aber die Kurve.

Nebenbei plaudern die beiden Musiker mit Händel-Festspiele-Chef und Moderator Tobias Wolff, für den sich mit den „Feisten“auch der Musikhorizont erweitert hat. Zur Vorbereitung war Wolff am Samstag gar zum Feisten-Konzert nach Uslar gefahren.

Wolff entlockt Zeh und Schacht sehr Persönliches: Sie verstehen sich so gut, dass sie bei Probewochen im Ferienhaus bei Veckerhagen sogar zusammen kuscheln. Dass sie Göttingen im Herzen tragen. Dass sie eigene Songs sogar vergessen und sich wundern, dass ein Lied nicht von den Amigos, sondern von ihnen stammt. Dass sie alte Songs neu entdecken und wie „Die Wüste“ neu arrangiert, langsamer schlicht toll finden. Dass Zeh zum Texten philosophisch sagt: „Das Wort liegt in der Musik drin, man muss es nur sehen.“ Musik-Texte, Songs und Literatur zusammen – geht das? Auf jeden Fall, dank der „Feisten“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.