Fest am Samstag in Göttingen

Fest Buntes Göttingen am Samstag: Zeichen für die Vielfalt in der Stadt

+
Fest in der Innenstadt: Am Samstag, 11. August, heißt es wieder „Buntes Göttingen“ auf dem Marktplatz vor dem Alten Rathaus. DAbei wird es auch wieder viel Msuik und Tanz geben.

Göttingen. Samstag wird in der City gefeiert - unter dem Motto "Buntes Göttingen" gibt es ein kulturelles Fest. Wir sprachen mit Sozialdezernentin Petra Broistedt.

Göttingen ist bunt, international – seit Jahrhunderten auch über die Studenten geprägt. Seit 2016 feiert die Stadt diese Vielfältigkeit – Anlass waren auch die Geflüchteten, die die Stadt aufnahm und weiter aufnimmt. Am Samstag, ab 11 Uhr, feiern Institutionen, die Stadt und vor allem die Menschen das Fest „Buntes Göttingen“. Wir sprachen mit Göttingens Sozialdezernentin Petra Broistedt über die Bedeutung des Fests, Integration und Flüchtlinge.

Frau Broistedt, warum ist die Veranstaltung Buntes Göttingen so wichtig?

Petra Broistedt: Göttingen ist trotz unerfreulicher Vorfälle, wie der jüngsten Hakenkreuz-Beschmierung des jüdischen Mahnmals am Platz der Synagoge, eine offene und tolerante Stadt. Es gab auch viele Demos gegen Rechte und Rechts. Nazi-Schmiererein sind unmöglich, nicht zu tolerieren und werden strafrechtlich verfolgt. Sie gehören nicht zu Göttingen. Es ist richtig und wichtig die Veranstaltung „Buntes Göttingen“ zu haben, um zu zeigen, wie vielschichtig und bedeutend der Einfluss von Zugewanderten und einer multi-kulturellen Gesellschaft ist.

Rechte planen wieder eine Veranstaltung in Göttingen..

Broistedt: Ja, der rechte Jens Wilke hat – unter anderem Label, nämlich als Europa-Kandidat der Republikaner – Veranstaltungen angekündigt, so auch am 18. August in Grone. Da müssen wir dagegenhalten. Das wird auch bei „Buntes Göttingen“ am Samstag geschehen. Diese Veranstaltung ist deshalb goldrichtig.

Das Klima hat sich nach der Hilfewelle 2015 verändert, die Abneigung gegenüber Flüchtlingen ist gewachsen. Empfinden Sie das ebenfalls so?

Broistedt: Ich hatte über meine vorherigen Tätigkeiten mit dem Thema zu tun. In Hameln haben wir als Landkreis zum Beispiel innerhalb von 48 Stunden eine Notunterkunft in einer ehemaligen britischen Kaserne aufgebaut. Und wir haben mit vielen Projekten etwas für die Akzeptanz der Geflüchteten getan. So war es auch in Göttingen, wo enorm viel geleistet wurde – haupt- und ehrenamtlich. Hier gibt es eine Szene unter dem Stichwort Refugees Welcome, die sehr offen für Geflüchtete ist, die nach wie vor sehr viel Unterstützung leistet. Wir brauchen diese Helfer. Ohne sie wären wir nicht so weit.

Und die Stimmung?

Broistedt: Die Stimmung hat sich in Teilen der Bevölkerung verändert, es gibt Ressentiments, Fremdenfeindlichkeit – darüber berichten Flüchtlinge wie auch unsere Mitarbeiter mit Migrationshintergrund und wir hören es an Runden Tischen. Das wird von der AfD genutzt, die diese Gegenpositionen bezieht. Da müssen wir – wie schon gesagt – gegenhalten und klarmachen: Flüchtlinge schaden uns nicht. Im Gegenteil: Zuwanderung ist eine Bereicherung, kann auch helfen, den Fachkräftemangel langfristig zu beseitigen. Hier in Göttingen leben schon immer viele Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Staaten. Das hat uns immer gut getan. Dafür steht der Zusammenschluss der vielen Kooperationspartner in Buntes Göttingen.

Dennoch, es gibt auch Fremdenfeindlichkeit.

Broistedt: Ja. Wenn Sie mit den betreuenden Organisationen oder Geflüchteten sprechen, werden Sie hören, dass bei der Wohnungssuche haarsträubende Dinge passieren. Wir haben in unserer Familie 2015 eine junge Syrerin, unsere Pflegetochter, aufgenommen. Wir haben für sie 2016 in Göttingen eine Wohnung in gesucht. Das war irre schwer. Manchmal wurde auch gesagt, dass die Wohnung schon vermietet war, was nicht stimmte. Oder die Leute haben am Telefon sofort aufgelegt, wenn sie ihren Namen sagte und ihr Anliegen äußerte. Schlimm.

Was kann man dagegen tun?

Broistedt: Zwei Dinge sind wichtig: Öffentlichkeitsarbeit und Kontakte herstellen, zwischen Skeptikern und Zugewanderten – aber auch Helfern. Ich selbst habe eine Gruppe Männer, die am Nachbartisch im Restaurant saß und Stammtischparolen über Geflüchtete verbreitete, eingeladen, die Flüchtlingseinrichtung in Hameln zu besuchen. Das war sehr effektiv.

Man muss aber mehr Menschen erreichen.

Broistedt: Gleichzeitig müssen wir als Politiker aber auch die Ängste der Menschen – denn darum geht es ja meist – ernst nehmen und überzeugende Antworten finden.

Geflüchtete in Brandenburg, kritisierten, dass die tolle Hilfe von Ehrenamtlichen durch Hauptamtliche nicht genügend unterstützt würde. Ist das in Göttingen so?

Broistedt: Zum Teil. Wir müssen die engagierten Ehrenamtlichen und deren Einsatz stärker würdigen. Das kann in gemeinsamen Aktionen, in authentischen Veranstaltungen zur Würdigung des besonderen Einsatzes geschehen, aber auch über Vergünstigungen oder kostenlosen Eintritt wie im Rahmen der Ehrenamts-Card und weiteres.

Wie wollen Sie das Zusammenspiel zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen stärken?

Broistedt: Es ist mir ein großes Anliegen, die Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamt zu intensivieren, denn eines ist doch klar: Integration ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie kann nicht allein durch kommunale Flüchtlingssozialarbeit geleistet werden. Jede und jeder kann und sollte dazu beitragen. Noch einmal: Dabei müssen wir die besonderen Leistungen der Ehrenamtlichen stärker anerkennen als bisher.

Veranstaltung „Buntes Göttingen“, Samstag, 11. August, ab 11 Uhr, Marktplatz vor dem Alten Rathaus mit vielen Aktionen.

Petra Broistedt, 53, die Sozialpädagotin ist seit dem 1. Oktober 2016 hauptamtliche Dezernentin der Stadt Göttingen für Soziales und Kultur. Broistedt arbeitete zuvor als Kreisrätin für den Landkreis Hameln-Pyrmont und war persönliche Referentin des Landrats in Holzminden. Die war auch schon als Kreisrätin für die Bereiche Migration und Teilhabe zuständig. Petra Broistedt ist verheiratet, hat drei Kinder und wohnt in Göttingen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.