Festival "Am Puls" Deutsches Theater Göttingen

Ideenreiche Reise zu den Sternen mit dem Spielclub der 13- bis15-Jährigen

Deutsches Theater (DT): Festival „Am Puls“: Stück „Liceo de niñas“ mit dem Spielclub der 13- bis 15-Jährigen. Foto: Ute Lawrenz

Göttingen - Für das Theaterfestival „DT – Am Puls“ hat der Spielclub der 13- bis 15-Jährigen eine Vorlage aus Chile aufgegriffen, für das Stück „Liceo de niñas".

Was wäre, wenn du nach über 30 Jahren das erste Mal dein geheimes Versteck verlassen müsstest. Würdest du die Welt noch wiedererkennen? Mit einer solchen Situation setzt sich das Stück „Liceo de niñas“ von Nona Fernández aus Chile auseinander. 

In einem Klassenraum findet ein Lehrer drei Mädchen. Auf seine Frage woher sie kommen, können sie wenig Auskunft geben. Erst allmählich offenbart sich ihre Geschichte: Vor 30 Jahren sind sie in den Untergrund gegangen, um für ihre politischen Ziele zu kämpfen. Sie ahnen nicht, wieviel Zeit vergangen ist. Der Lehrer - psychisch angeschlagen - versucht, sie in die Gegenwart zurückzuführen und stößt damit an seine Grenzen.

In kurzen Episoden entwickelt sich das Stück. In zwei Teams zeigen die Darsteller erst eine, dann eine zweite Variante, wie die Geschichte weitergehen könnte. Die Spielleitung haben mit vielen Ideen zwei Regieassistentinnen am Deutschen Theater, Hannah Spielvogel und Johanna Schwung, mit dem Schauspieler Christoph Türkay übernommen.

Eindrucksvoll: Die Übersetzung von „Liceo de niñas“ wurde unter Anleitung der Göttinger Literaturübersetzerin Friederike von Criegern von drei Jugendlichen aus Spanischkursen von Göttinger Schulen angefertigt. Im Rahmen des Projekts „Mach mir ’ne Szene“ hat von Criegern diese Aufgabe übernommen. Das Projekt gehört zu einer Initiative für Literarisches Übersetzen mit Jugendlichen vom Literarischen Colloquium Berlin und dem Deutschen Übersetzerfonds.

Für die Darsteller habe dieses Vorgehen bedeutet, dass beim Probenbeginn nicht alle Texte fertig waren, berichtete DT-Theaterpädagogin Gabriele Michel-Frei.

Der Aufführung hat das nicht geschadet. Fast wie im Spiegel mit unebener Oberfläche präsentierten die Akteure ihre Szenen, stellten eindrucksvoll dar, was in einer solch skurrilen Lage sein könnte. Eindrucksvoll der Blick in die Zeitung mit Gegenüberstellung von Schlagzeilen aus der Mitte der 1980er Jahren mit Titeln aus einer Zeitung aus der „Jetzt-Zeit“. Unwillkürlich fragt sich der Zuschauer: Hätte man sie sicher richtig zuordnen können.

Mit ihrem Projekt nach Nona Fernández hat sich der Spielclub der 13- bis 15-Jährigen eng an ihr Motto für das Stück gehalten „Dieses Werk sollte mit der Unschuld und Überzeugung von jemandem aufgeführt werden, der eine Reise zu den Sternen wagt.“ Diese ist gelungen. Der Applaus zeigte: Diese Reise ist gelungen.

Das fünfte Festival „DT – Am Puls“ geht am Sonntag, heute, zu Ende - wie es anfing: mit „Märtyrer“ von Marius von Mayenburg. (20 Uhr DT – 2). Um 15 Uhr ist im DT – 2 die Vorstellung „Die anderen haben gesagt…“ vom Spielclub der 13- bis 15-Jährigen zu sehen. (zul)

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