Festival: Filme aus Europa im Lumière und der alten Uni-Bibliothek

Das Programm steht, Freitag geht es los: Lumière-Programmmacher Helge Schweckendiek freut sich auf den Start. Im HNA-Interview erzählt er über das Festival und empfiehlt Filme. Der Vorverkauf wird empfohlen. Foto: Kopietz

Göttingen. Wenn das keine Tradition ist: Das Europäische Filmfestival Göttingen startet am Freitag in seine 36. Auflage. Diesmal im Fokus des Programms: Filme aus Skandinavien. Dazu kommen die Reihen Cinema!Italia!, Europäische Premieren und Junges Deutsches Kino. Wie immer werden einige Filmemacher bei den Vorführungen dabei sein.

Die Alte Universitätsbibliothek in der Paulinerkirche wird dann zum Kinosaal – neben dem Festivalkino Lumière, das auch seit 36 Jahren der Veranstalter ist. Seit vielen Jahren dabei ist auch Helge Schweckendiek, der bei der Programmgestaltung mitmischt. Wir sprachen mit ihm.

Wie kommt das eigentlich, dass es ein Europäisches Filmfestival in Göttingen gibt? 

Helge Schweckendiek: Das Festival gab es schon vor dem Lumière. Die Kino-Initiativen in der Stadt wollten in den 80er-Jahren ein schönes Festival machen: die Länderfilmtage. Weil die so gut beim Publikum ankamen, wurde daraus die Keimzelle des Lumière mit einem dauerhaften Filmprogramm. Später wurde das Länderfilmfestival in Europäisches Filmfestival umbenannt.

Welchen Stellenwert hat es in der Stadt, im Lumière? 

Schweckendiek: Es ist das Highlight, was wir im Programm und in Göttingen bieten – neben den täglichen Filmen. Und es nimmt auch viel Arbeit in Anspruch. Die Planung läuft schon im Januar an.

Wie bekommen Sie die oft aktuellen Filme noch ins Festival? 

Schweckendiek: Das ist eine Reaktion auf das Publikum, das mehr aktuelle Filme als Retrospektiven oder Klassiker wünscht. Wir haben jetzt auch fast nur neuere Filme im Programm. Das spiegelt auch unser Lumière-Programm wider: Die Leute kommen, um die neuen Filme abseits des Mainstream zu sehen. Die Klassiker sind im Internet oder auf DVD und Blu Ray in hervorragenden Fassungen zu bekommen und zu sehen. Das ist ein bundesweiter Trend.

Was zeichnet das Europäische Filmfestival aus, warum sollten die Leute kommen? 

Schweckendiek: Es ist begrenzt auf Europa. Und es gibt einen festen Rahmen. Jährlich gibt es ein Schwerpunktland oder eine Region – nun Skandinavien, im nächsten Jahr wird es Spanien sein. Das Land versuchen wir in einer Vielfalt darzustellen – auch mit Nachwuchsfilmemachern. So sind dann, wie jetzt, von einer Filmregion mit großer Tradition wie Skandinavien, wo sonst nur einzelne Filme in den Verleih kommen, viele Filme zu sehen. Der Zuschauer bekommt, wenn er viele Filme sieht, eine Übersicht über die Filmszene und die gesellschaftliche oder politische Situation in den Ländern.

Es gibt aber noch mehr Besonderheiten... 

Schweckendiek: Ja. Die Reihe „Europäische Premieren“ zeigt Previews, Vorveröffentlichungen oder Premieren von europäischen Filmen. Man sieht etwas vorab. Und unsere Reihe Cinema! Italia! ist jährlich dabei und beliebt. Diesmal zeigen wir fünf Filme. Das „Junge Deutsche Kino“ bringt die Werke von Nachwuchsfilmern, diesmal haben wir vier sehr schöne Produktionen. Die meisten Filme bei uns sind Originalfassungen mit Untertiteln. Das muss einfach so sein. Oft gibt es noch gar keine deutschen Fassungen.

Was ist spannend am skandinavischen Kinofilm? 

Schweckendiek: Nun, jedes Land hat eine ganz eigene Filmtradition. Die Skandinavier sind eigentlich in ihren Filmen immer sehr nah dran an den Menschen und schaffen es, immer sehr berührende Dramen zu schaffen, mit einem wachen Blick für Außenseiter und einem schrägen und schrillen Humor, da brillieren die Isländer. Das ist eine unübertreffliche Mischung. Es lohnt sich also zu schauen.

Welche Festival-Filme sind Ihre Lieblinge? 

Schweckendiek: Eine heikle Frage für einen Festivalmacher, so ähnlich, wie wenn sie fragen würden: Welches ist denn ihr Lieblingskind? Also: Sehr schön ist die norwegisch/schwedische Tragik-Komödie und unser Eröffnungsfilm „Hier ist Harold!“ Ein Möbelhändler wird durch eine Ikea-Ansiedlung ruiniert. Dann entführt er den Ikea-Boss. Übrigens: Ikea hat nichts gegen die Filmemacher unternommen. Der Regisseur Gunnar Vikene wird bei uns sein. Spannend auch: „Aerobics – a Love Story“ von Anders Rune, der auch zu Gast sein wird. • Europäisches Filmfestival, 20. bis 29. November.

Infos zum Programm: www.lumiere.de; Karten: Tel. 0551/48 45 23.

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