Prozess startet

Kreisfeuerwehrverband Osterode: Ex-Geschäftsführer soll in Sterbekasse gegriffen haben

Göttingen/Osterode. Wegen gewerbsmäßiger Untreue und Betruges muss sich seit Montag der frühere Geschäftsführer des Kreisfeuerwehrverbandes Osterode vor dem Landgericht Göttingen verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 65-Jährigen vor, jahrelang erhebliche Geldsummen von den Konten des Kreisfeuerwehrverbandes sowie der Sterbekasse veruntreut zu haben. Die Anklage beschränkt sich auf 44 Fälle im Zeitraum zwischen Juli 2009 und Mai 2014, die noch nicht verjährt sind. Bei diesen Taten sei ein Schaden von rund 80 000 Euro entstanden. Insgesamt sollen auf den Konten 275 000 Euro fehlen. Wo das Geld geblieben ist, ist unklar. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte das Geld für private Aufwendungen und Verbindlichkeiten verwendet hat.

Aktualisiert um 16.50 Uhr

Er habe Vollmacht über alle Konten und Sparbücher des Kreisfeuerwehrverbandes sowie der Sterbekasse gehabt. Er allein sei im Besitz der ec-Karten und der Zugangsdaten für Online-Bankgeschäfte gewesen. Zu Beginn des Prozesses erklärte der Verteidiger des 65-Jährigen, dass sein Mandant die Vorwürfe im Wesentlichen einräume und sich dafür schäme, das Vertrauen seiner Kameraden enttäuscht zu haben. Er sei seit seinem 18. Lebensjahr Mitglied der Feuerwehr, seit den 1990-er Jahren sei er mit der Kassenführung des Kreisfeuerwehrverbandes betraut gewesen.

1995 habe der Angeklagte, der bis Oktober vergangenen Jahres in der Rettungsleitstelle des Landkreises Osterode beschäftigt gewesen war, gemeinsam mit seiner Ehefrau ein Bistro eröffnet. Dieses sei „mehr schlecht als recht“ gelaufen. Er habe zunächst kleinere Beträge veruntreut, um die Darlehen bedienen zu können. Im Laufe der Zeit sei ihm dann alles „völlig aus dem Ruder gelaufen“. Dem Feuerwehrverband Osterode waren die Unregelmäßigkeiten in der Sterbekasse über viele Jahre hinweg nicht aufgefallen.

Im Mai 2014 machte das Finanzamt den Osteroder Kreisbrandmeister Frank Reggelin darauf aufmerksam, dass der Geschäftsführer Geld von dem Konto des Kreisfeuerwehrverbandes für die Begleichung privater Steuerschulden verwendet hatte. Reggelin stellte daraufhin Strafanzeige. Eigene Anstrengungen zur Aufklärung des Falles hat der Feuerwehrverband offenbar nicht unternommen. Kreisbrandmeister Reggelin erklärte in seiner Zeugenvernehmung, dass man bislang nicht ermittelt habe, wieviel Geld in den Kassen fehlt.

Er wusste auch nicht, welche Aufwandsentschädigung dem Angeklagten für seine Tätigkeit als Geschäftsführer und als Schriftführer zugestanden hatte. In einem Punkt aber war sich der Kreisbrandmeister sicher: Die Kassenprüfer hätten „wirklich ihre Arbeit gemacht“, alles sei „schlüssig“ gewesen. Er sei selbst bei den Kassenprüfungen anwesend gewesen. Wieso niemand bemerkte, dass der Angeklagte über Jahre hinweg zahlreiche bar-Abhebungen getätigt und einmal sogar einen Betrag über 25.000 Euro für sich abgezweigt hatte, konnte er allerdings nicht sagen.

Der Prozess wird am 7. April fortgesetzt.

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