Die Suche nach dem Glück

Figurentheater aus Münster glänzt mit „Petunia“ im Alten Rathaus im Göttinger Kultursommer

Eine handgefertigte Puppe vor schwarzem Hintergrund blickt auf einen orange-leuchtenden Ball - die Erde?
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Figurentheater von Cyanacrylat aus Münster: Der große (Erd?-)Ball bringt Petunias Welt ins Wanken.

Mit Handpuppen, Gläserspiel und Koffer-Cello erzählt das Figurentheater Cyanacrylat in „Petunia“ eine Geschichte über die Suche nach Glück und nach erfülltem Leben.

Göttingen – Im Rahmen des Göttinger Kultursommers begeisterte das Trio aus Münster im Alten Rathaus die Menschen, die an einem schönen Sommerabend den Weg dorthin gefunden hatten.

Eigentlich hat Petunia ihr Leben eingerichtet. Wenn sie sich morgens aus dem Bett dreht, muss sie ihre Katze füttern und sich um ihre etwas karge Topfpflanze kümmern. Doch eines Morgens ist alles fremd: In Petunias Heim liegt ein riesiger Ball – liegt ihr bildlich gesprochen die Welt vor den Füßen?

Petunia tauscht ihr Bett gegen den Ball – ab diesem Tausch plagen sie nie gekannte Träume: Sind die Katzenfutterdosen der Nachbarin größer? Gedeiht deren Topfpflanze nicht besser? Soll Petunia sich um eine Arbeitsstelle kümmern?

In der japanischen Spielweise Bunraku finden Björn Schimpf, Maren Lange und Benedikt Hench wohl fast jedem bekannte Bilder für diese alltägliche Geschichte über die Suche nach einem guten Leben.

Bis zum Kopf in schwarz gekleidet führen Maren Lange und Björn Schimpf die Figuren, die Lange in ihrer Werkstatt gebaut hat. Für Katze und Vogel reicht jeweils einer. Petunia führen die Spieler gemeinsam in sorgfältig erarbeiteter Choreografie, bei der laut Lange Pia Jauch oft Regie geführt hat.

Schimpf und Lange erwecken die Puppe zum Leben, lassen sie mal die Leiter erklimmen, um das Katzenfutter aus dem Regal zu holen, mal die Blätter der Topfpflanze vom Boden auffegen. Ganz in Schwarz treten sie nur selten ins Bewusstsein, die Puppen sind die Protagonisten.

Die Rolle des Tayu, dem Rezitator in dem Stück in Bunraku-Spielweise, hat Benedikt Hench gekonnt übernommen. Auf seinem selbstgebauten Koffer-Cello und dem Spiel aus 26 Gläsern aus dem eigenen Haushalt und Flohmarkt-Beständen spiegelt er die Stimmungslage Petunias wider.

In Ausrufen und knappen Sätzen macht er ihre Traumstimmen hörbar. Wie ihre Welt ins Wanken gerät, wird so für die Zuschauer greifbar. In nicht einmal einer Stunde wird ihnen eine Situation vorgeführt, die die meisten von sich kennen. Ist das, was andere haben, nicht besser?

Mit 38 Vorstellungen glänzten die Figurentheatertage im vergangenen Jahr. In Folge der Corona-Pandemie konnte solch ein großes Festival in diesem Jahr nicht verwirklicht werden.

Mit einer Handvoll Vorstellungen hat Figurentheater immerhin im Göttinger Kultursommer Platz gefunden. Glück für die, die das Puppenspiel „Petunia“ vom Figurentheater Cyanacrylat gesehen haben. Es gab viel Applaus von zu wenigen Händen.

Der Göttinger Kultursommer läuft noch bis Samstag, 4. September. Informationen über weitere Veranstaltungen erhalten Interessierte im Internet unter kultursommer.goettingen.de. (Ute Lawrenz)

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