Junges Theater

Fiktive Benefiz-Gala in Göttingen: Wenn der Hotzenplotz wild wird

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Viel Raum für Kreativität: Ein Blick in den leeren Bühnenraum des Jungen Theaters an der Göttinger Bürgerstraße.

„Das besondere an dieser Gala ist, dass sie nicht stattfindet.“ Mit der passenden Prise Ironie kündigt das Junge Theater (JT) in Göttingen eine Benefiz-Aktion an, die zeigt, dass sich die Kulturszene in der Corona-Krise keine Kontaktsperre zur Kreativität auferlegt hat.

Eine fiktive Benefizgala um die am JT beschäftigten soloselbstständigen Künstler zu unterstützen, haben sich die Göttinger Theatermacher ausgedacht: Am 1. Mai trifft das beliebte Kinder- und Familienstück „Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ auf die Anfang des Jahres angelaufene JT-Musikshow „Wild Thing“. Ein spannendes Treffen, das leider nur fiktiv stattfinden kann. Für die an beiden Inszenierungen beteiligten freischaffenden Künstler kann diese imaginäre Vorstellung jedoch eine ganz reale Hilfe sein. Denn viele von ihnen sind durch die Corona-Pandemie in ihrer Existenz bedroht.

Fiktive Gala in Göttingen: „Vorbildliche“ Aktion

„In der jetzigen Situation bedeutet die Benefiz-Aktion des Jungen Theaters sehr viel für mich! Durch Gagenausfälle wegen Vorstellungsausfall und die Absage ganzer Produktionen brechen für mich in den nächsten Monaten sicher geglaubte Einnahmen weg“, beschreibt Fred Kerkmann seine Situation. Der freischaffende Musiker und Komponist hat schon in einigen Produktionen für das JT gearbeitet und wie in den vergangenen Jahren hat er auch 2020 wieder die Musikalische Leitung der Musikshow übernommen. Aus seiner Sicht ist die Aktion des Jungen Theater „vorbildlich“, allerdings auch nur nötig, weil soloselbstständige Künstler bei den Corona-Soforthilfen oft leer ausgehen.

„Die Soforthilfe des Landes Niedersachsen geht an den Bedürfnissen der hier ansässigen Künstlerinnen und Künstler vorbei, denn sie greifen nur, wenn große Betriebsausgaben geltend gemacht werden können. Die haben wir freien Künstlerinnen und Künstler aber nicht. Vielmehr dienen die Gagen unserem Lebensunterhalt“, erklärt Kerkmann.

Fiktive Gala in Göttingen: Kartenkauf als Spende

Neben ihm gibt es am JT etwa 15 weitere Freischaffende, die als Schauspieler, Musiker, Regisseure oder Bühnenbildner in verschiedenen Produktionen – insbesondere aber in der Musikshow und im „Hotzenplotz“ – mitwirken. Um sie zu unterstützen kann jeder Interessierte eine Karte für die fiktive Benefiz-Gala erwerben. Es gibt verschiedene Preiskategorien, die von 10 bis 100 Euro reichen. Eine Spendenquittung erhält jeder Käufer automatisch, wie JT-Pressesprecher Nils Schmidt betont.

Die Tickets gibt es hier.

„Die Aktion läuft sehr gut an. Wir freuen uns über alle, die eine Karte kaufen“, gibt Schmidt eine erste Wasserstandsmeldung zur Benefizgala ab. Auch Tickets für 100 Euro sind schon über die digitale Theatertheke gegangen. So hofft das JT darauf, ein möglichst großen Sonderfond zu schaffen, um die Ausfälle seiner Gastkünstler zumindest teilweise zu kompensieren.

Fiktive Gala in Göttingen: Land muss nachbessern

Eine dauerhafte Lösung können solche Aktionen aber nicht sein, findet auch Fred Kerkmann. „Hier muss das Land Niedersachsen dringend nachbessern, wenn es nicht zur Kulturwüste verkommen will. Eine nachhaltige und lebendige Kulturlandschaft droht zerstört zu werden und es ist fraglich, ob sie danach in dieser Form wieder aufgebaut werden kann“, warnt der Musiker vor möglicherweise drastischen Folgen der Corona-Krise, die so von der Politik bislang offenbar nicht bedacht worden sind.

Weitere Informationen zu Spendenquittung gibt es an der Theaterkasse des JT, Tel.: 0551 / 49 50 15 (dienstags, donnerstags und samstags von 11 bis 14 Uhr erreichbar), E-Mail: kasse@jungestheater.de.

VON ANDREAS ARENS

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