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Sparen in der Krise: Kirchenaustritt aus finanziellen Gründen?

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Von: Bernd Schlegel

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In Zeiten von rasant steigenden Lebenshaltungskosten wird auch ein Kirchenaustritt Thema. So lassen sich schnell mehrere hundert Euro Steuern im Jahr einsparen.

Göttingen – In der Krise suchen auch Kirchenmitglieder nach Einsparmöglichkeiten, um ihr Budget aufzubessern. Vereinzelt gibt es jetzt Kirchenaustritte. Konkrete Zahlen bei dem Thema gibt es aktuell nicht, da sie nur einmal im Jahr veröffentlicht werden.

Doch bei dem Konvent der Pastoren aus Südniedersachsen, der in der vergangenen Woche in Göttingen stattfand, wurde am Rand auch über dieses Thema gesprochen. Dr. Adelheid Ruck-Schröder, die als Regionalbischöfin seit 2021 an der Spitze des Sprengels Hildesheim-Göttingen steht, ist das Problem bewusst.

Sparen in Zeiten der Krise: Kirchenaustritt aus finanziellen Gründen

Die evangelische Johanniskirche in Göttingen: Bei manchen Kirchenmitgliedern ist der Austritt aus finanziellen Gründen inzwischen ein Thema.
Die evangelische Johanniskirche in Göttingen: Bei manchen Kirchenmitgliedern ist der Austritt aus finanziellen Gründen inzwischen ein Thema. © Thomas Kopietz/Archiv

Sie sagt gleichzeitig: „Wir hoffen, dass die Menschen in einer besseren wirtschaftlichen Lage wieder zu uns kommen.“ Gleichzeitig macht sie deutlich, dass ein späterer Wiedereintritt in die Kirche kein Problem sei: „Jeder ist willkommen“, sagte die Geistliche. Dass der Austritt finanziell durchaus attraktiv sein kann, zeigt ein Blick auf die Höhe der Kirchensteuer.

Wir hoffen, dass die Menschen in einer besseren wirtschaftlichen Lage wieder zu uns kommen.

Regionalbischöfin Dr. Adelheid Ruck-Schröder

Sie beträgt für die evangelische Landeskirche Hannover aktuell acht Prozent der Lohnsteuersumme. Ein kleines Rechenbeispiel: Ein 35-jähriger Lediger oder Geschiedener zahlt bei einem jährlichen Brutto-Einkommen von 40.000 Euro fast 500 Euro Kirchensteuer im Jahr – monatlich etwa 40 Euro.

Dieser zusätzliche Betrag steht nach der Austrittserklärung, die bei der jeweiligen Stadt- und Gemeindeverwaltung persönlich erfolgen muss, zur Verfügung. Allerdings verweist Regionalbischöfin Ruck-Schröder auch auf die Hilfsangebote der Kirche in der Krise. So werden viele Gemeinden warme Räume zur Verfügung stellen, in denen die Menschen willkommen sind.

„#Wärmewinter“: Beratungen zu Grundsicherung, Kinderzuschlag, Wohngeld, BaFöG und Stromkosten

Weiterhin soll die Kirchenkreissozialarbeit ausgebaut werden. Dabei stehen Beratungsangebote zu sozialen Themen im Mittelpunkt. So sind Infos zu den Bereichen Grundsicherung, Kinderzuschlag, Wohngeld, BaFöG oder Übernahme von Stromkosten vorgesehen. Die gesamte Aktion steht unter dem Motto „#Wärmewinter“.

Regionalbischöfin Dr. Adelheid Ruck-Schröder
Regionalbischöfin Dr. Adelheid Ruck-Schröder © Stefan Rampfel

Finanziert wird das kirchliche Engagement in diesem Winter über die Energiekostenpauschale, die Ende September an die Arbeitnehmer ausgezahlt wurde. Da diese Pauschale von 300 Euro einkommensteuerpflichtig ist, fallen dadurch zusätzliche Kirchensteuern an, die direkt für dieses Projekt verwendet werden sollen. An den Angeboten beteiligen sich Kirche und Diakonie gleichermaßen.

Evangelische Kirche und Diakonie appellieren an die Gemeinden vor Ort, ihre Aktivitäten unter dem gemeinsamen Titel und mit dem Logo von „#Wärmewinter“, einem Herz mit umgebundenen Schal, öffentlich sichtbar zu machen. Weitere Informationen gibt es hier. (Bernd Schlegel)

Eine Kirche im Landkreis Göttingen wird umgebaut und erhält einen Anbau. Der Ökumenische Singkreis in Göttingen feiert dieses Jahr 50. Geburtstag.

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