Umfrageergebnisse

Kleinere Kliniken in der Region haben finanzielle Probleme

Göttingen. Die Kliniken in Niedersachsen befinden sich laut der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft (NKG) in einer finanziell kritischen Lage.

Das geht aus einer Umfrage der NKG hervor, die im Herbst verganenen Jahres landesweit 140 Kliniken befragt hatte. Demnach seien für mehr als die Hälfte der Krankenhäuser in Niedersachsen „existenzgefährdende Gechäftsabschlüsse“ zu erwarten, sagte der Vorsitzende der NKG, Hans-Heinrich Aldag. „Seit Jahren bekommen die niedersächsischen Einrichtungen für medizinische Leistungen gleicher Qualität eine geringere Bezahlung als im Bundesdurchschnitt“, so Aldag weiter.

Kommentar zur Lage der Kliniken in Niedersachsen: David und Goliath

Während es den kleineren Kliniken schlecht gehe, hätten größere, private Träger meist keine Probleme. Diese Tendenz zeichnet sich auch in Göttingen ab. So erwarte die Asklepios-Klinik laut einem Pressesprecher keine „existenzgefährdenden Jahresabschlüsse“ und sei gut aufgestellt.

Uniklinik hat Probleme

Die Uniklinik Göttingen hingegen kann die Meldung der NKG nur bestätigen. „Die finanzielle Situation der Universitätsmedizin ist kritisch“, sagte Dr. Sebastian Freytag, Vorstand der Wirtschaftsführung. Für die Klinik gelten zudem besondere Faktoren. So bestehe an der Uni-Klinik ein hoher Investitionsstau in den Bereichen bauliche Infrastruktur, Gebäudetechnik und Medizintechnik. „Eine mittelfristige Besserung der Situation ist nicht absehbar“, prognostiziert Freytag. Es würden keine Einsparmöglichkeiten gesehen und die politischen Zusagen, die Unterfinanzierung der Uniklinik zu verbessern, seien bislang nicht umgesetzt.

Hann. Münden

In Hann. Münden gingen das Krankenhaus Hann. Münden und das Nephrologische Zentrum Niedersachsen vor einiger Zeit in die Insolvenz. Beide Krankenhäuser wurden mittlerweile zum Klinikum Hann. Münden zusammengeführt und im vergangenen Jahr von einer privaten Investorengruppe übernommen.

Northeim

In Northeim zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Die großen Helios-Kliniken in Northeim und Bad Gandersheim seien ebenfalls nicht von negativen Finanzergebnissen betroffen. „Die beiden Kliniken sind sehr gut aufgestellt“, sagt Pressesprecherin Christine Trowitzsch. Die Helios-Gruppe konnte ihren Umsatz in den vergangenen Jahren steigern. 2014 wurde ein Umsatz von 5,2 Milliarden Euro erwirtschaftet, 2015 wuchs der Umsatz auf 5,6 Milliarden Euro - ein Plus von sechs Prozent.

Das Einbecker Bürgerspital konnte auf HNA-Anfrage keine Auskunft zur der finanziellen Situation des Krankenhauses geben.

Hintergrund

Der Verband der Ersatzkassensen kritisierte die Einschätzung der NKG als nicht zutreffend. Laut Jörg Niemann, Leiter der Landesvertretung, hätten sich die Erlössituationen der Krankenhäuser in den letzten Jahren stabil entwickelt. „Viele Kliniken melden, dass sie schwarze Zahlen schreiben und es ihnen besser gehe als noch vor zwei oder drei Jahren“, so Niemann. Des Weiteren kritisierte er, dass die Krankenhausgesellschaft mit „Zweckpessimismus“ immer wieder versuche, Geld für die Kliniken zu erhalten.

Der Verband der Ersatzkassen mit Sitz in Berlin ist eine Interessenvertretung aller Ersatzkassen, der diese sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene vertritt.

Die Ergebnisse der Umfrage im Detail

Die kompletten Ergebnisse des sogenannten NKG-Indikators 2016 können Sie hier herunterladen.

Rubriklistenbild: © dpa

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