Finanzieller Engpass: Frauen-Notruf kürzt sein Angebot

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Einschränkung der Erreichbarkeit am Telefon: Der Göttinger Frauen-Notruf muss sparen.

Göttingen. Der Göttinger Frauen-Notruf hat zum Jahresanfang sein Angebot eingeschränkt. Hintergrund sind unter anderem Kürzungen bei den städtischen Zuschüssen.

Nach Angaben der Beratungs- und Fachzentrums für sexuelle häusliche Gewalt mussten bei den Mitarbeiterinnen Stunden gekürzt werden. Dies bedeutet eine verringerte telefonische Erreichbarkeit, Einschränkung der Hilfsangebote bei Partnerschaftsgewalt sowie Einschnitte bei Netzwerkaktivitäten.

Die Stadt hatte ihre Zuwendungen nach Angaben des Trägervereins im Rahmen des Entschuldungshilfeprogramms gekürzt. Außerdem werden öffentliche Zuschüsse nicht entsprechend der steigender Lohn- und Sachkosten erhöht. Auch die Aufstockungen des Landkreises in den vergangenen Jahren schloss die immer größer werdende Finanzlücke nicht. „Schon seit Jahren können wir keinen tariflichen Lohn zahlen“, sagt Maren Kolshorn von der Fachstelle.

Auch wenn man immer noch nicht alle tariflichen Leistungen zahlen könne, sei jetzt wenigstens der Monatslohn zum Jahresbeginn angepasst worden. Dies sei aber nur durch Stundenkürzungen möglich gewesen.

Ansonsten hätte der Verein in diesem Jahr ein Defizit von 90.000 Euro bewältigen müssen. Auch bleibe noch ein Defizit von 60.000 Euro. „Ohne Spendengelder und die Einnahmen aus unseren Fortbildungsangeboten wäre das überhaupt nicht zu schaffen“, sagt Kolshorn.

Zu den Auswirkungen des eingeschränkten Angebotes erläutert die Psychologin: „Zu unseren telefonischen Sprechzeiten erreicht man immer eine psychologische oder juristische Fachkraft, bei der Ratsuchende sofort Unterstützung bekommen. Das wird in Zukunft schwerer, weil wir schlechter erreichbar sind“. Auch beim Themenfeld häusliche Gewalt werden die Einschränkungen spürbar sein. Gewaltbetroffene Männer werden ab sofort nicht mehr kontaktiert, weil es dafür keine Finanzierung gibt. Nur wenn sie Kinder haben, bekommen sie über die Kinder- und Jugendberatung Phoenix Unterstützung als Väter. „Von häuslicher Gewalt betroffene Frauen erhalten selbstverständlich weiter unsere Hilfe. Allerdings müssen wir die Anzahl der Anrufe, mit denen wir versuchen, Kontakt aufzunehmen, reduzieren. Einige Betroffene werden wir jetzt nicht mehr erreichen“, bedauert Kolshorn.

Kontakt: Verein Frauen-Notruf Göttingen, Beratungs- und Fachzentrum für sexuelle und häusliche Gewalt, Postfach 1825, 37008 Göttingen Tel. 0551/44 68 4, E-Mail: kontakt@Frauen-Notruf-Goettingen.de

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