Urteil des Amtsgerichts Göttingen

Betrugsserie mit fingierten Unfällen: Bewährungsstrafe für Göttinger Gastronom

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Das Amtsgericht in Göttingen: Hier wurde ein 54-Jähriger wegen Betruges verurteilt.  

Vor dem Amtsgericht Göttingen ist jetzt ein weiterer Prozess um eine groß angelegte Betrugsserie mit vorgetäuschten Verkehrsunfällen zu Ende gegangen.

Das Gericht verurteilte einen 54-jährigen Restaurantbetreiber aus Göttingen wegen Betruges in drei Fällen zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Als Bewährungsauflage muss der Gastronom 2000 Euro an die Landeskasse zahlen. Eine mitangeklagte 35-jährige Hausfrau aus Rosdorf wurde wegen Betruges zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 20 Euro verurteilt. Außerdem ordnete das Gericht die Einziehung von 21 250 Euro bei dem 54-Jährigen sowie von 7750 Euro bei der 35-Jährigen an. Diese Beträge seien unrechtmäßig geltend gemacht und kassiert worden.

65-Jähriger war mutmaßlicher Drahtzieher

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass beide Angeklagte an einer Betrugsserie mit fingierten Verkehrsunfällen beteiligt gewesen waren. Ziel sei es gewesen, Kfz-Versicherungen zu betrügen. Die Angeklagten seien allerdings nicht die treibende Kraft gewesen. Als Drahtzieher gilt ein erheblich vorbestrafter 65-Jähriger, der bereits wegen Bandendiebstählen und Drogenhandels mehrere Jahre in Haft gesessen hat. Dieser ist in einem gesonderten Verfahren vor dem Landgericht Göttingen wegen gewerbsmäßigen Betruges angeklagt.

Nach den Erkenntnissen der Ermittler soll der 65-Jährige vor rund neun Jahren den Plan gefasst haben, vorsätzlich Verkehrsunfälle zu organisieren und unter Einschaltung von Rechtsanwälten die Versicherungen zur Schadensregulierung zu veranlassen. Um nicht selbst in Erscheinung zu treten, habe er andere Personen als „Scheinhalter“ von Kraftfahrzeugen eingesetzt, die dann gegenüber den Versicherungen ihre angeblichen Schadensersatzansprüche geltend gemacht hätten.

Die Polizei war der Betrugsserie nach einer Anzeige wegen des Verdachts der Geldwäsche auf die Spur gekommen. Als die Ermittler ein Bankschließfach des 65-Jährigen durchsuchten, fanden sie unter anderem 17 Fahrzeugbriefe und Zweitschlüssel sowie 200.000 Euro Bargeld. Bei der Auswertung der Dokumente fiel auf, dass zahlreiche dieser Autos in Unfälle verwickelt gewesen waren.

Fall aus dem Jahr 2011

In dem jetzigen Prozess ging es um einen mutmaßlich fingierten Auffahrunfall, der sich im April 2011 an der Robert-Koch-Straße in Göttingen ereignet hatte. Ein auf die 35-jährige Angeklagte zugelassener BMW war dort gegen einen Mercedes geprallt. Versicherungsnehmer des beschädigten Fahrzeugs war der 54-Jährige. Wie immer gab es keine weiteren Zeugen.

Der 54-jährige Gastronom hat nach Angaben der Polizei früher als Kellner in einem italienischen Lokal gearbeitet, dessen Betreiber ebenfalls in die Betrugsserie involviert sein soll. 2017 verurteilte das Amtsgericht Göttingen seinen einstigen Chef wegen zweifachen Betruges zu einer Geldstrafe von 9000 Euro.

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