Nach Angriff auf Netz der Bundesregierung

Firmen im Landkreis Göttingen werten Hacker als große Gefahr

Landkreis Göttingen. Der Hackerangriff auf das Netz der Bundesregierung hat wieder den Fokus auf die Cyber-Kriminalität gerichtet. Vor Attacken fürchten sich mittlerweile nicht nur Politiker und Regierungen, sondern auch Unternehmer aus Klein- und Mittleren Betrieben.

Das belegt die Gothaer-Versicherung mit ihrer „KMU-Studie 2018“: 40 Prozent der befragten kleinen und mittelständischen Unternehmen sehen einen solchen Angriff als eine der größten Bedrohungen für ihr Unternehmen an.

Auch im Landkreis Göttingen fühlen sich Unternehmer bedroht. „Bei uns bewegt sich nicht eine Kiste, ohne dass Computer mitspielen und beteiligt sind, deswegen ist Cyberkriminalität auch ein großes Thema“, sagt Mark Pöppel, Leiter der IT-Abteilung bei „Weser-Metall-Umformtechnik“ (WMU) in Hann. Münden. Für den Auftragsfertiger, der Auto-Hersteller beliefert, sei aber nicht der Daten-Raub, sondern ein Systemausfall die größte Bedrohung. WMU benutzt deshalb Virenschutz-Programme und Datensicherungen, berichtet Pöppel. Auf eine Versicherung, die etwaige Folgen abmildert, verzichtet WMU aber – ebenso wie die Göttinger Stadtwerke. „Wir haben aus unserer Sicht ein sehr gutes Datenschutz-Konzept, das auch zertifiziert ist. Wir spielen regelmäßig Updates auf und sorgen durch Schulungen und Sensibilisierungen dafür, dass unsere Mitarbeiter stets im Bilde sind“, erläutert der IT-Sicherheitsbeauftragte Stefan Glage.

Das aber ist nicht selbstverständlich. Laut der KMU-Studie benutzt jedes fünfte Unternehmen kein Daten-Schutz-Programm. „Dass man darauf und auf die Firewalls verzichtet, ist in meinen Augen fahrlässig“, sagt Stefan Beer, Technischer Leiter der Mündener Versorgungsbetriebe. Für ihn sind die Systeme „das Herzstück im Unternehmen“. Einige von der HNA befragte Firmen wollten nichts über ihren Schutz sagen, aus Angst, angreifbar zu werden.

Am Ball bleiben 

Dominik Großpietsch über Cyber-Kriminalität

Wie heißt es so schön? „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ Auch wenn dieser Satz das Phrasenschwein zu Recht um fünf Euro reicher machen würde: Im Hinblick auf die Gefahren der Cyber-Kriminalität trifft er vollends zu. 

Wer mehr als ein Vierteljahrhundert nach der Freischaltung des Internets noch immer glaubt, auf Virenschutz-Programme und regelmäßige Datensicherung verzichten zu können, der hat – bildlich gesprochen – schon längst die Kontrolle abgegeben und darf sich nicht wundern, wenn er von seinen Gegnern gnadenlos attackiert wird. 

Eigentlich sollte das nur eine Handvoll Unternehmen betreffen. Dass laut einer Studie nun aber jede fünfte kleine oder mittelständische Firma – trotz Furcht vor Angriffen – auf diese Taktik setzt und so ganz ungeniert mit Kunden- und Produktionsdaten spielt, macht wirklich Angst. Kurzum: So darf es nicht weitergehen. Natürlich sind Hacker pfiffig und pfeilschnell, wenn es um neue Ideen geht. Trotzdem müssen die Chefs am Ball bleiben – auch wenn das Phrasenschwein wieder reicher ist.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Silas Stein

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