Sport für Integration

Flüchtlinge in Göttingen: Eingliederung mal anders

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Leisten Integrationsarbeit (von links): Lena Urban, Morten Görlitz und Mohammed El Abdallah. Mit Sportangeboten wollen sie Flüchtlingen das Einleben in Deutschland erleichtern.

Göttingen. Bei der Integration von Flüchtlingen in Göttingen helfen junge Leute, die sich im Bundesfreiwilligendienst engagieren. Wir stellen das Projekt auf den Zietenterrassen vor.

„Sport verbindet, da braucht man keine großen Sprachkenntnisse, um sich zu verstehen“, lacht Lena Urban während sie sich mit jungen Flüchtlingen auf die nächste Partie Basketball rüstet. Unterstützt wird sie dabei von Morten Görlitz und Mohammed El Abdallah.

Alle drei leisten im Flüchtlingswohnheim beim ASC Göttingen auf den Zietenterassen ihren Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) im sogenannten ‘BFD Welcome-Projekt’ ab. Zuständig sind die drei Engagierten für das sportliche Freizeitangebot der rund 180 Heimbewohner. „Jeder Tag ist bei uns anders“, ist Morten Görlitz begeistert, „von Basketball über Hockey bis hin zu Parcourangeboten haben wir alles Programm.“ Dennoch sei Sport nicht alles, fügt die 20-jährige Lena Urban hinzu: „Durch den täglichen Kontakt zu den Neuankömmlingen, entstehen ganz schnell neue Freundschaften, die man eigentlich nie wieder missen möchte.“

Dem kann Matthias Hansen, Projektleiter BFD Welcome beim ASC, nur zustimmen: „Neben den sportlichen Angeboten wollen wir für die Bewohner erste Kontakte zu Göttinger Vereinen knüpfen und ihnen so das Eingewöhnen in ihre neue Heimat erleichtern.“

Im Oktober gestartet

Seit Oktober vergangenen Jahres habe der ASC daher das sportorientierte Bufdi-Projekt gestartet, erklärt Hansen. Zwischen sechs und 18 Monaten können sich engagierte Erwachsene auf sportliche Weise in die Flüchtlingsarbeit auf den Zietenterassen einbringen. Die notwendigen Fähigkeiten wie Trainerlizenzen erhalten sie laut Hansen auf Schulungen und Seminartagen. Mit seinem Angebot richte sich der ASC aber nicht ausschließlich an Deutsche, betont Nikolai Kohl, ASC Abteilungsleiter Integration: „Wir bieten diese Chance jedem an, der sich für Sport und kulturellen Austausch begeistern kann.“

Begeisterung

Diese Begeisterung verspürt auch Mohammed El Abdallah. Seit April weist der 27-jährige Syrer als Bufdi im benachbarten Fitnesstudio des ASC überwiegend arabische Flüchtlinge in den Gerätepark ein. „Es ist toll“, freut er sich. „in Syrien habe ich schon Kinder im Sport trainiert und hier habe ich die Möglichkeit, in meinem Beruf weiter zu arbeiten.“

Informationen zum BFD Welcome-Projekt gibt es im Internet unter www.fwd-sport.de sowie beim ASC Göttingen unter www.asc46.de

Seit fünf Jahren Engagement für Allgemeinheit

Der Bundesfreiwilligendienst (BFD) gibt es inzwischen seit fünf Jahren. Auslöser war das Ende der Wehrpflicht Ende Juni 2011.

Mit ihm entfiel auch der Zivildienst, der von Kriegsdienstverweigerern als Ersatzdienst für die Wehrpflicht 1961 gesetzlich geschaffen wurde. Abgeleistet wurde der zivile Einsatz in sozialen Einrichtungen. In Hochzeiten (2002) waren dies knapp 136.000 Zivis.

Zum BFD sind nicht nur Männer, sondern auch Frauen berechtigt. Ableisten kann ihn jeder, der seine Pflichtschulzeit absolviert hat und bereit ist, sich mindestens sechs Monate und maximal 18 Monate zu verpflichten. Alter, Geschlecht und Nationalität spielen keine Rolle. Abgeleistet werden kann der BFD in sozialen Bereichen, sowie im Sport, im Umwelt- und Naturschutz, in der Integrationsarbeit, in der Kultur- und Denkmalpflege sowie im Zivil- und Katatstrophenschutz. Alle Teilnehmer haben einen Anspruch auf fachliche Anleitung, Taschengeld und ein Zeugnis.

Im Mai 2016 hatten sich 40.000 Menschen für einen BFD entschieden, im Januar 2014 waren es 49.000.

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