Für Hilfe und Integration, gegen Rassismus und Gewalt

Flüchtlinge und Göttinger demonstrieren Einigkeit auf dem Marktplatz

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Klares Zeichen: Junge Flüchtlinge hatten ein Flüchtlingsboot gebaut. Marcel Riethig vom Landkreis Göttingen zeigte sich mit den jungen Menschen in einem Boot.

Göttingen. Ein eindeutiges Zeichen für Hilfe und Integration sowie gegen Rassismus und Gewalt haben mehrere Hundert Menschen am Samstagmittag in der Göttinger Innenstadt gesetzt.

Der Aktionstag unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge aus der Stadt und dem Landkreis Göttingen – es sind mehr als 200 – war für den Veranstalter und die Jugenhilfe Süd-Niedersachsen (JSN) ein Riesenerfolg.

„Es ist beeindruckend, was die jungen Flüchtlinge und die vielen Helfer hier auf die Beine gestellt haben“, sagte Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler in seinem Grußwort. Er betonte, dass Rassismus und gewalttätige Aktionen gegen Menschen, die aus blanker Not nach Deutschland kommen, keinen Platz in Göttingen und im Land haben dürften. „Es ist beschämend, was sich augenblicklich abspielt.“ Köhler forderte, dass die Struktur der Hilfe für Flüchtlinge von Berlin aus fix verbessert werden müsse.

Aktualisiert um 13.25 Uhr

„Wenn man sich klar macht, wie viel Not, Verzweiflung, Leid und Mut dazu gehört,wenn Jugendliche zwischen elf und 18 Jahren sich allein auf einen so weiten Weg machen, dann wird klar, wie viel Hoffnung auf Hilfe und Verständnis dahinter steckt“, sagte Köhler, dessen Dank auch allen Helfern galt.

Für den Landkreis sprach der erste Kreisrat Marcel Riethig. Er erinnerte daran, dass es ein Glück für die Deutschen sei, im Frieden ohne Krieg, Verfolgung und Flucht leben zu können. Daraus resultiere auch die Aufgabe zur Hilfe für Menschen, die in Not sind. „Ich finde es großartig, dass jugendliche Flüchtlinge mitten in der Stadt diesen Aktionstag veranstalten. Sich den Menschen zu präsentieren und mit ihnen zu sprechen, dazu gehört viel Mut.“

Dr. Obar Abbaido erinnerte daran, dass die Flüchtlinge aus blanker Not handelten, ihr Leben bei der Flucht über das Mittelmeer aufs Spiel setzten. „Die für Deutsche wunderbare Farbe Blau des Himmels und Meeres ist für die Flüchtlinge eine Schreckenssymbol: Der tödliche Weg führe über das Blau des Mittelmeeres.

Die jungen Flüchtlinge aus Somalia und Eritrea hatten ein bemerkenswertes Ausstellungsobjekt, ein Mahnmal, gebaut: Auf dem Marktplatz stand ein Flüchtlingsboot aus Brettern mit dem Hinweisschild: „Betreten auf eigene Gefahr“. Das Schiff war in der Fun-Sport-Halle des ASC Göttingen und SC Hainberg gezimmert worden. Auf Schautafeln zeigten die Flüchtlinge auch ihren lange, gefährlichen Weg der Flucht.

Für den emotionalen Höhepunkt der Veranstaltung sorgte ein Jugendlicher aus Syrien. „Danke Deutschland, dass Du mir eine Chance gegeben hast“, sagte Ibrahim in gebrochenem Deutsch. Einigen Besuchern war die Rührung anzusehen. Die Tränen trockneten aber spätestens, als einige Jugendliche fröhlich Musik aus ihren Heimatländern präsentierten und damit den Marktplatz in eine Tanzfläche verwandelten.

Am Freitagabend war bekanntgegeben worden, dass ins übervolle Aufnahmelager Friedland weitere 500 Flüchtlinge kommen werden. Deshalb werden nach Aussage von Marcel Riethig umgehend aus Friedland 200 Flüchtlinge in ein Schulgebäude in Adelebsen, 200 in eine Schule in Rosdorf und 125 in die Polizeischule in Hann. Münden untergebracht. Insgesamt werden in Niedersachsen 1000 Flüchtlinge aufgenommen. Neben Friedland werden 500 im Aufnahmelager in Bramsche untergebracht werden.

„Alles musste schnell gehen, die Nachricht des Ministeriums hat uns am Freitagabend um 17 Uhr erreicht“, sagte Riethig auf Anfrage der HNA.

Flüchtlinge informierten über ihren Leidensweg

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