Flüchtlinge sollen Zieten-Sporthalle und Fun-Sport-Halle nutzen: Kippt die Stimmung?

Vor dem Toleranz-Graffitti: Die Teamer (von links) Pascal Pannwitz, Dario Wolany, Paco Jakobi und Alexander Theune wünschen sich, dass sie die Funsporthalle zumindest teilweise weiter von den Jugendlichen genutzt werden kann, wenn Flüchtlinge dort betreut werden. Foto: Niesen

Göttingen. Mit der angekündigten Nutzung der Zieten-Sporthalle und Fun-Sport-Halle für Flüchtlinge wächst die Sorge um die Akzeptanz von Schutzsuchenden: Das wurde beim Dialoforum Zietenterrassen deutlich.

Viele der Mitglieder fürchten um die bislang positive Stimmung, wenn noch in diesem Monat nicht nur die frühere Bundeswehrsporthalle an der Bertha-von-Suttner-Straße für die vorübergehende Unterbringung von bis zu 200 unregistrierten Flüchtlingen genutzt wird, sondern auch die komplette Funsporthalle. Sie soll als Aufenthaltsraum und für die Versorgung der Menschen mit Essen und Trinken dienen. Die ersten Asylsuchenden werden voraussichtlich ab dem 16. November eintreffen, vielleicht auch früher, sagte Sozialdezernentin Dr. Dagmar Schlapeit-Beck.

Die Nachricht von der Nutzung der beiden Hallen als Notunterkunft für Flüchtlinge sprach sich beim SC Hainberg wie ein Lauffeuer herum. Die Jugendlichen Dario Wolany, Pascal Pannwitz, Paco Jakobi und Alexander Theune, die zu den Teamern der Funsporthalle gehören, sagten mit Blick auf ihr Toleranz-Graffiti, sie würden schon die Notwendigkeit sehen, aber sie wünschen sich, dass ihr Treffpunkt mit Halfpipe, Kletterwand und anderen Sportmöglichkeiten zumindest zum Teil nutzbar bleibt.

Sie fragen sich, warum man nicht die benachbarte Halle dafür nehme, in der kleine Nutzfahrzeuge wie Rasentraktoren untergestellt sind.

Auch der zweite Vorsitzende des SC Hainbergs, André Pfitzner, würde die Funsporthalle gerne weiter nutzen können. Aus dessen Sicht ist ein großen Lagerraum im Obergeschoss des angrenzenden SC-Vereinsheims besser für das Catering geeignet.

Göttingens Sozialdezernentin Dr. Schlapheit-Beck zeigte sich offen für den Vorschlag Pfitzners und räumte ein: „Das ist für die Jugendlichen ein schwerer Schlag.“ Sie sagte weiter, dass die Nutzung nicht dauerhaft sein solle, die Stadt sei aber im Wege der Amtshilfe für das Land Niedersachsen verpflichtet, Unterbringungsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen.

Dialog-Forumsmitglied Tom Wedrins mahnte an, die Akzeptanz stehe auf der Kippe, wenn Eltern hören, dass ihre Kinder nicht mehr in die Funsporthalle dürfen. „Die Halle hat eine wichtige Funktion für den Stadtteil.“ Jacqueline Jürgenliemk regte an, die Anwohner direkt zu informieren.

Wahl 

Das Wohnheim für registrierte Flüchtlinge im Anerkennungsverfahren auf den Zietenterrassen ist bis auf zwei behindertengerechte Wohnungen inzwischen voll belegt, berichtete Bettina Brieselang. Sie ist Mitarbeiterin der gemeinnützigen Betreibergesellschaft Bonveno, die von AWO, Caritas, Diakonie, DRK und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband gemeinsam gegründet wurde. Zum Vorsitzenden des Dialogforums Zietenterrassen wurde Geismars Ortsbürgermeister Thomas Harms gewählt.

In der Funsporthalle auf den Zietenterrassen richtet die Stadt Göttingen eine erste Erstaufnahmeeinrichtung für bis zu 200 Flüchtlinge direkt in der Uni-Stadt ein.

Hintergrund ist ein Hilferuf des Landes Niedersachsen, dessen Erstaufnahmekapazitäten längst erschöpft sind. Deshalb werden Flüchtlinge schon vor der Registrierung an die Kommunen weitergeleitet. Schon in der vergangenen Woche hatte der Landkreis Göttingen für die Stadt eine Erstaufnahmeeinrichtung in Wollershausen bei Gieboldehausen eingerichtet - wir berichteten. Der Landkreis selbst ist davon befreit, weil er durch das Grenzdurchgangslager Friedland besonders belastet.

Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass die Flüchtlinge in der Regel etwa vier Wochen in der Notunterkunft bleiben. Allerding rechnet Sozialdezernentin Dr. Dagmar Schlapeit-Beck damit, dass dann das Land wieder neue Flüchtlinge zuweist. Daher hat sich die Stadt Göttingen auf einen Betrieb der neuen Notaufnahmeeinrichtung auf den Zietenterrassen zunächst „auf unbestimmte Zeit“ eingestellt.

Im am Dienstag als Flüchtlungswohnheim eröffneten früheren Institut für den Wissenschaftlchen Film (IWF) am Nonnenstieg, in dem im September eröffneten Wohnheim auf den Zietenterrassen und in weiteren Einrichtungen im Göttinger Stadtgebiet werden nur Flüchtlinge untergebracht, die schon das Aufnahmeverfahren durchlaufen haben.

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