Flüchtlingsgruppen üben massive Kritik an „Massenunterkunft“ in Göttingen

Großmarkt wird Flüchtlingsunterkunft: Dagegen protestierten in dieser Woche Aktivisten am Anna-Vandenhoeck-Ring. Foto: Schlegel

Göttingen. Die Kritik an der Groß-Unterkunft für Flüchtlinge im Göttinger Stadtteil Grone hält an. Parteien und Flüchtlingsinitiativen haben massive Bedenken gegen die Art der Unterbringung.

In dem ehemaligen Großmarkt am Anna-Vandenhoeck-Ring in Autobahnnähe können mehr als 400 Flüchtlinge wohnen. Die neue Unterkunft soll in der kommenden Woche in Betrieb gehen – wir berichteten. Dann sollen Geflüchtete aus einem Wohnheim am Hagenweg sowie aus einer weiteren Einrichtung an der Großen Breite, in der Kakerlaken bekämpft werden müssen, dort einziehen.

„Dezentrale Integration statt Flüchtlingskasernierung“ fordert der Kreisverband Göttingen/Osterode der Partei „Die Linke“. Für die Partei ist klar: „Die geplante Massenunterkunft am Anna-Vandenhoeck-Ring soll Geflüchtete abschrecken, anstatt sie hier willkommen zu heißen.“ Deshalb unterstützt die Partei Flüchtlingsinitiativen, die das Projekt ebenfalls massiv kritisieren.

SPD: Flüchtlinge können zurück

Der Göttinger SPD-Stadtverband und die Ratsfraktion stellen inzwischen klar, dass die Flüchtlinge in ihre alten Unterkünfte zurückkehren können, wenn sie dies wünschen. Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) hatte deutlich gemacht, dass er davon ausgeht, dass die Flüchtlinge nur maximal drei bis acht Monate in der neuen Unterkunft bleiben werden, bis ihre Status geklärt ist.

Auf dem Prinzip der dezentralen Unterbringung beharrt die „Flüchtlingshilfe ehemalige Voigtschule“. Zudem wird Kritik daran geübt, die Verpflegung in der Groß-Unterkunft einem Caterer zu überlassen. „Dabei ist gerade die Möglichkeit, sich eine frei gewählte Mahlzeit selbstständig zubereiten zu können, ein entscheidendes Merkmal für individuelle Freiheit“, heißt es in einer Mitteilung. Zudem könne in der früheren Gewerbehalle von einer geschützten Privatsphäre viel weniger die Rede sein als in einer kleineren Einrichtung wie der ehemaligen Voigtschule.

Scharfe Kritik an der Unterkunft am Anna-Vandenhoeck-Ring übt auch das Göttinger Lampedusa-Bündnis: „Die Lebensbedingungen für Flüchtlinge dort sind völlig fremdbestimmt“, so das Urteil von Birgit Sacher, der Geschäftsführerin des Integrationsrates, nach einer Besichtigung der Einrichtung.

„Die dort lebenden Menschen könnten weder das Licht ausschalten noch entscheiden, was sie essen oder wie sie lüften. Akustik und schlechte Luft verursachen Kopfschmerzen“, heißtes in der Mitteilung. Dem Lampedusa-Bündnis gehören zahlreiche Göttinger Gruppen, Vereine und Verbände an, die sich Flüchtlingsarbeit engagieren.

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