Flüchtlingsheim: Stadt will Öffentlichkeit früh einbeziehen

Um diese Freigelände auf den Zietenterrassen geht es: Die Stadt Göttingen will auf einem Teilstück des ehemaligen Exerzierplatzes eine Unterkunft für Flüchtlinge errichten, die einige Jahre stehen soll. Außerdem ist das Gelände für die Erweiterung der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) vorgesehen. Foto: Rampfel

Göttingen. Über 500 Flüchtlinge müssen voraussichtlich in diesem Jahr in Göttingen aufgenommen werden. Das stellt die Stadt vor besondere Herausforderungen. Das wurde im Sozialausschuss deutlich.

Sozialdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck berichtete, dass Stadt und Landkreis im vergangenen Jahr 344 Flüchtlinge nahmen auf - etwas weniger als zunächst gedacht. Im Jahr 2015 werden es etwa doppelt so viele sein: „Bislang sollen 513 Flüchtlinge hier untergebracht werden, Fachleute gehen aber davon aus, dass diese Zahl bereits im September erreicht sein wird und es eher 750 Personen sein werden“, sagte Schlapeit-Beck. Damit stehe die Stadt vor einer großen Herausforderung geeignete Standorte und Konzepte zu finden.

Zur Unterbringung von Flüchtlingen auf den Zietenterrassen wird eine Sondersitzung des Sozialausschusses am Dienstag, 27. Januar, direkt im Quartier stattfinden. Eingeladen sind der Ortsrat Geismar und die interessierte Öffentlichkeit. „Wir als Verwaltung möchten, dass die Bürger von Anfang an beteiligt sind und sich die Gremien schnell mit dem Thema befassen.“ Bei einer Entscheidung für den Standort ist laut Schlapeit-Beck mit einem Vorlauf von etwa sechs Monaten zu rechnen, bis eine solche Unterkunft bezugsfähig ist.

Für Flüchlinge gibt es in Göttingen bereits eine zentrale Anlaufstelle: das Migrationszentrum an der Weender Straße. Es steht bei Fragen zu Behördengängen, Deutschkursen oder Asylverfahren zur Verfügung.“ Manche kommen aber auch um soziale Kontakte zu knüpfen, berichete Migrationsberater Dana Gaef: „Gerade Asylbewerber haben oft den Bedarf zwischen ihrer Anhörung und dem Zeitpunkt, wenn sie ihren Bescheid bekommen die Zeit sinnvoll zu bewältigen, Kontakte zu schließen und sich mit der deutschen Sprache beschäftigen.“ Dabei hilft das Zentrum, das zurzeit sechs Sprachkurse anbietet.

56 Ehrenamtliche 

Momentan helfen 56 Studenten, Senioren, Sozialarbeiter und andere Bürger ehrenamtlich bei Behördengängen, der Anmeldung bei der Schule oder dem Erlernen der Sprache. Eine wertvolle Ressource für Stadt und Landkreis: „Aus Sicht der Stadt ist das breite Engagement hocherfreulich und eine sehr luxuriöse Situation, die wir hier in Göttingen haben. Ich denke da etwa an die Breslauer Straße, in der schon sehr viel getan wird“, sagte Sozialdezernentin Schlapeit-Beck. (zli)

Initiative „Göttingen hilft“ will Willkommenskultur schaffen 

In der Uni-Stadt hat sich die Initiative „Göttingen hilft“ gegründet. Sie hat es sich zum Ziel gemacht, ehrenamtlich und überparteilich eine echte Willkommenskultur zu schaffen, so Christoph Lehmann, einer der Initiatoren.

„Wir möchten der Zivilgesellschaft eine Möglichkeit geben zu helfen. Das passiert online mit einer Art schwarzem Brett, wo man seine Hilfe in unterschiedlichen Bereichen anbieten kann, aber auch das Aufgeben von Gesuchen ist möglich“, sagte Lehmann im Sozialausschuss.

All diese Formen von Engagement müssen aber auch koordiniert und die Ehrenamtlichen betreut werden. „Uns geht es darum, möglichst viele Initiativen und Hilfswünsche zu unterstützen und keinen fallen zu lassen“, sagte Klaus-Peter Hermann, Vorsitzender des Sozialausschusses. Weitere Infos gibt es im Internet. (zli)

www.goettingen-hilft.de

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