Nach dreieinhalb Jahren 

Flüchtlingsunterkunft an der Göttinger Siekhöhe schließt Ende des Monats endgültig

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Kleines Dankeschön: Petra Broistedt überreichte allen DRK-Helfern in der Sammelunterkunft Siekhöhe – wie hier Pascal Comte – Leinentaschen mit dem Göttinger Gänseliesel.

Für Pascal Comte geht ein Lebensabschnitt zu Ende: Mit Ablauf dieses Monats wird die Flüchtlingsunterkunft an der Siekhöhe endgültig geschlossen. Damit endet auch Comtes dreieinhalbjährige Tätigkeit als Helfer des Deutschen Roten Kreuzes.

Zusammen mit ehemaligen Bewohnern feierten die DRK-Helfer nun ein großes Abschiedsfest. Mit dabei war auch die Westafrikanerin Christelle Degui. Bis vor einem Jahr lebte sie in der Unterkunft an der Siekhöhe. Als sie hier 2016 ankam, war sie hoch schwanger. Umso wichtiger war die „vorbildliche medizinische Betreuung“ durch das DRK, wie Göttingens Sozialdezernentin Petra Broistedt in ihrer Ansprache betonte.

Gute Erinnerungen an die Sammelunterkunft 

Christelle Dagui denkt gerne an ihre Zeit in der Sammelunterkunft zurück, an die Gemeinschaft mit den anderen Geflüchteten und mit den Helfern vom DRK. Seit Juni 2018 wohnt sie in einer anderen Unterkunft in einem separaten Appartment. Dort ist sie mehr auf sich allein gestellt, daran hat sie sich mittlerweile gewöhnt. „Aber in der Siekhöhe war es besser“, übersetzt Pascal Comte die französischen Worte der jungen Afrikanerin.

Comte ist vielleicht der traurigste Mensch am Tag des Abschiedsfestes. Man merkt ihm an: Dieser Job war für ihn Lebensinhalt: „Wir haben hier dreieinhalb Jahre zusammengelebt wie eine Familie.“ Mehr als 1000 Bewohner sind ihm in dieser Zeit hier begegnet. „Viele wollten nicht ausziehen. Für sie war es hier wie ‘Hotel Mama!“, berichtet Comte.

Morddrohungen gegen den DRK-Helfer 

Der gebürtige Schweizer musste viel aushalten in seiner Zeit an der Siekhöhe. Nicht im Binnenverhältnis mit den Kollegen oder Bewohnern – sondern mit Menschen, die gegen die Unterkunft protestierten – wegen angeblich unhaltbarer Zustände. Comte wurde persönlich angegriffen, sein Foto und Name auf einem Plakat abgedruckt. Was folgte – unter anderem Todesdrohungen – hatte auch gravierende Auswirkungen auf sein Privatleben.

Doch Comte machte weiter: Die Menschen aus allen Teilen der Welt, die an der Siekhöhe so friedlich zusammenleben, konnt er nicht allein lassen. Obwohl seit Mitte Mai niemand mehr hier wohnt, bleibt Comte bis ganz zum Schluss. „Es kommen immer noch etwa 30 Leute pro Woche hier vorbei, weil sie Hilfe brauchen“, erklärt er.

Eine "Vorzeige-Unterkunft"

Für diesen Einatz bedankten sich Sozialdezernentin Broistedt und Grones Ortsbürgermeisterin Birgit Sterr persönlich bei allen DRK-Helfern. „Das war eine Vorzeige-Unterkunft. Am allerbesten hier waren die Leute vom DRK. Keine andere Sammelunterkunft hat so hohe Vermittlungsquoten“, lobte Broistedt die Mitarbeiter.

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