Flüchtlingsunterkunft: Böller lösen Trauma aus

Göttingen. Zum Jahreswechsel gehört das Feuerwerk dazu. Doch immer mehr Städte untersagen das Abfeuern von Raketen und Böllern in der Innenstadt. Auch in der Flüchtlingsarbeit ist das Begrüßen des neuen Jahres mit dem laut krachendem Feuerwerk umstritten.

Unter anderem rufen die Johanniter in Niedersachsen nun dazu auf, wegen der vielen traumatisieren Geflüchteten auf Feuerwerk in der Nähe von Flüchtlingsunterkünften zu verzichten.

Auch in der Göttinger Wohnanlage Zietenterrassen wird derzeit überlegt, ob man Feuerwerke zulassen möchte. „Wir haben hier etwa drei Flüchtlinge, die zurzeit psychologisch betreut werden und bei denen es wahrscheinlich ist, dass das Silvesterfeuerwerk einen Zusammenbruch hervorrufen könnte“, sagte Julia Schneeweiß, Betreuerin in den Zietenterrassen, auf HNA-Anfrage.

Man habe diese Menschen zwar darauf vorbereitet, aber noch fehle der Unterkunft die Erfahrung, wie man im Notfall reagieren solle. „Wir werden aber unsere Sicherheitskräfte für den Abend und die Tage danach verdoppeln“, versichert Schneeweiß.

Sollten sich das Betreuerteam und die Hausleitung gegen Silversterkracher und Co. entscheiden, wäre das aber laut der Pädagogin ziemlich schade für die Kinder: „Wir haben mit ihnen schon draußen kleinere Kinderböller gezündet. Die Kleinen haben Spaß daran, und die meisten Erwachsenen freuen sich auch schon auf Silvester.“

Jawed Yazdani, Betreuer in der Wohnanlage am Nonnenstieg im ehemaligen IWF-Gebäude, sieht den Silvesterabend als Möglichkeit der Zusammenkunft und des Austausches. „Unsere Bewohner wollen gerne mit den Göttingern das neue Jahr einläuten. Wir begrüßen das, denn es ist eine Chance, trotz ihres problembelasteten Alltags abschalten können“, sagt Yazdani.

Die Flüchtlingsunterkunft selbst will keine Böller zünden und hat vorsorglich auch an die Nachbarn am Nonnenstieg appelliert, nicht in unmittelbarer Nähe Feuerwerk zu verwenden. „Wir werden aber Wunderkerzen zünden“, sagt Yazdani.

Die Stadt Göttingen warnt unterdessen vor leichtfertigem Umgang mit Silvesterfeuerwerk. Allein im vergangenen Jahr kam es in der Uni-Stadt zu einer Handvoll Brände. Auch Feuerwehrbeamte im Einsatz sollen laut Stadtverwaltung in gefährliche Situationen geraten sein, weil grob fahrlässig mit einigen pyrotechnischen Produkten umgegangen wurde.

Wiederholen sich die Vorkomnisse des vergangenen Jahres, so werde die Stadt über ein „Böller-Verbot“ in der Innenstadt nach dem Vorbild von Hann. Münden und Northeim nachdenken. Noch sei dies aufgrund der weniger engen Bebauung nicht nötig gewesen.

Hintergrund: So feiert man mit Raketen und Böller sicher ins Neue Jahr 

Die Stadt Göttingen gibt Tipps zum sicheren Umgang mit Feuerwerkskörpern am Silvesterabend:

• Nur zugelassenes Feuerwerk mit Registriernummer und dem CE-Zeichen der Bundesanstalt für Materialforschung (BAM) verwenden.

• Für Feuerwerk der Klasse I gilt ein Mindestalter von zwölf Jahren. Erst dann dürfen Knallerbsen, Tischfeuerwerke oder Wunderkerzen eigenständig gezündet werden.

• Für Feuerwerk der Klasse II (Raketen, Batterien, Knallkörper, Sonnenräder und China-Böller) gilt das Mindestalter 18 Jahren.

• Produkte der Klasse II dürfen nur am Silvesterabend ab Mitternacht bis zum 1. Januar 24 Uhr abgefeuert werden.

• Feuerwerk nur im Freien und nicht in der Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie Reet- und Fachwerkhäusern zünden. Es gilt ein Sicherheitsabstand von 200 Metern. Für Produkte, die mit der Hand geworfen werfen, sollte ein Mindestabstand von 30 Metern eingehalten werden.

• Raketen und Batterien dürfen nicht innerhalb der Wallanlagen im Innenstadtbereich abgebrannt werden.

• Feuerwerkskörper dürfen nicht in Personengruppen oder durch offene Fenster, Türen oder in Briefkästen geworfen werden.

• Raketen mit Führungsstab dürfen nicht in den Boden gesteckt werden. Weiterhin sollte man Feuerwerk auch nicht von Balkonen werfen oder sie dort anzünden.

• Immer auf die Windstärke und -richtung achten: Die Raketen so platzieren, dass sie nicht in Häuser und in leicht brennbare Materialien fliegen.

• Nach dem Anzünden auf Abstand gehen. Böller nicht in der Hand behalten und das restliche Feuerwerk auch nicht direkt am Körper tragen.

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