Flüchtlingsunterkunft: IWF-Anmietung wäre optimal

Platz für Flüchtlinge: Gelände des ehemaligen Instituts für den Wissenschaftlichen Film (IWF) am Nonnenstieg in Göttingen. Foto: Kopietz

Göttingen. Im Rathaus ist Rolf-Georg Köhler längst angekommen, auch in seinem neuen Job als Oberbürgermeister.

Zwei Monate nach dem Einstieg hat er klare Vorstellungen - auch darüber, was wichtige Projekte wie Flüchtlingsunterkünfte angeht.

Denn die Stadtverwaltung ist bei der Unterbringung der Kriegsflüchtlinge aus dem Nahen Osten in der Pflicht. Fast alle Vorschläge der Stadt aber werden öffentlich diskutiert und kritisiert. Köhler akzeptiert das, betont aber: „Wir brauchen schnelle Lösungen.“

Eigentlich ganz schnell gehen könnte es nach den Vorstellungen des Oberbürgermeisters im Fall des ehemaligen Gebäudes des Institutes für den Wissenschaftlichen Film (IWF) am Nonnenstieg. Köhler würde die Fläche „gerne anmieten, und am liebsten sofort“. Das verhindern aber die Eigentumsverhältnisse. Denn die Göttinger Entwicklungsgesellschaft EBR hat die Kaufrechte, aber noch nicht gekauft, denn das Wohnungsbauprojekt hängt in der Warteschleife. Es gibt viel Kritik aus der Bevölkerung, keine wasserdichte Planung.

Köhler hofft daher auf Bewegung. Denn der Liquidator im Dienste des Bundes will offenbar im Moment noch nicht verkaufen, der Käufer hat das Gelände noch nicht erworben. Und der Oberbürgermeister denkt pragmatisch: Die Gebäude seien zum Teil in sehr gutem Zustand, wären ein idealer Wohnort für Flüchtlinge, zudem im reinen Wohngebiet Ostviertel. Der Liquidator könnte der Stadt helfen, hofft Köhler.

Möglichkeit 2 für die Flüchtlinge ist der Bau einer Unterkunft auf dem ehemaligen Exerzierplatz der Zietenkaserne auf den dortigen Terrassen. In der Nähe des ASC-Sportzentrums könnten „temporäre Bauten errichtet werden, je nach Bedarf in zwei bis vier Geschossen“, sagt Köhler. Den Erweiterungsplänen der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) würde man in jedem Fall Rechnung tragen. „Wir sind in Gesprächen mit Präsidentin Prof. Christiane Dienel und Professor Wolfgang Viöl. Beide haben übrigens betont, dass sie nichts gegen die Flüchtlingsunterkünfte haben.“ Auch könne man überlegen, ob beim Bau nicht bereits eine mögliche spätere Nutzung durch die HAWK eingeplant werden könne. Nicht groß kommentieren will Köhler übrigens zu Befürchtungen von Eigentümern auf den Zietenterrassen, die durch den Bau einer Flüchtlingsunterkunft einen Wertverlust ihrer Immobilien befürchten: Das seien absurde, unverständliche Gedanken.

Dritte Option für Unterkünfte ist ein Gelände an der Jheringstraße in der Nähe Kasseler Landstraße und Leineufer. Dort müsste man eine Struktur finden, die eine Nachnutzung möglich mache, sagt Köhler, der aber - auch aufgrund des Tempos Sympathien für die Anmietung der IWF-Gebäude hätte. Der Liquidator wird das sicher wahrgenommen haben. Politisch sieht es für eine Unterstützung der Flüchtlingsunterkunft IWF gut aus: Die Linken hatten das bereits vorgeschlagen, Grüne und Piraten wären wohl Unterstützer.

Hintergrund: Gelände des ehemaligen Institutes für den wissenschaftlichen Film

Die IWF Wissen und Medien gGmbH war ein in Göttingen ansässiges Institut für Medien in der Wissenschaft. Es war bis Ende 2007 Teil der bundesweiten Leibniz-Gemeinschaft. Gesellschafter waren die alten Bundesländer mit Ausnahme des Saarlands. Als gemeinnützige Serviceeinrichtung des Bundes und der Länder förderte sie Wissenschaft und Bildung durch Entwicklungs- und Transferleistungen im Bereich audiovisueller Medien (AV-Medien). Das Institut wurde 1956 gegründet und hieß bis 2001 Institut für den Wissenschaftlichen Film, danach IWF Wissen und Medien gGmbH. Die Gesellschafterversammlung beschloss am 10. Mai 2010, das Institut aufzulösen. Das IWF wurde im Oktober 2010 geschlossen und befindet sich ab dem 1. Januar 2011 in Liquidation.

2012 wurde nach einem Architektenwettbewerb eine neue Bebauung mit Wohnblöcken vorgestellt, sie scheiterte auch am Protest der Bürger. Eine überarbeitete Planung liegt vor. Kaufinteressent des Geländes ist die Gesellschaft EBR aus Göttingen. Mittlerweile wird auch über eine Neuplanung und B-Plan-Aufstellung nachgedacht. (tko)

Von Thomas Kopietz

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