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Unternehmen aus Osterode entwickelt Borkenkäferfalle mit Wetterstation

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Von: Hannah Köllen

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Die Flügel GmbH aus Osterode hat eine smarte Borkenkäferfalle entwickelt, die die Käfer automatisiert zählt. In der Falle ist eine Wetterstation integriert.

Osterode/Göttingen – Luftverunreinigung, anhaltende Trockenheit und Borkenkäferplage: Unsere heimischen Wälder leiden. Gegen den Angriff der Käfer hat ein Unternehmen aus Osterode im Kreis Göttingen nun eine neuartige Borkenkäferfalle entwickelt.

„Unser Produkt ermöglicht es, die Anzahl der Borkenkäfer automatisiert zu zählen. Außerdem ist die Falle mit einer Wetterstation versehen, sodass Zusammenhänge zwischen den Wetterbedingungen und dem Aufkommen der Käfer erkannt werden können“, sagt Daniel Grosch von der Flügel GmbH.

Kreis Göttingen: Unternehmen aus Osterode entwickelt Borkenkäferfalle mit Wetterstation

Innovationspreis 2022: Zum ersten Platz gratulierte Landrat Marcel Riethig (links) Daniel Grosch von der Flügel GmbH.
Innovationspreis 2022: Zum ersten Platz gratulierte Landrat Marcel Riethig (links) Daniel Grosch von der Flügel GmbH. © Alciro Theodoro da Silva

Im Rahmen seiner Dissertation fragte sich der gebürtige Hamburger, wie man den Wald am effektivsten vor dem Borkenkäfer schützen kann. Also entwickelte der Chemiker einen Prototyp der Falle. Mittlerweile arbeitet Grosch mit einem mehrköpfigen Team an der Entwicklung des Produkts bei der Flügel GmbH, einem Großhändler der Forstwirtschaft.

Die primäre Funktion der neu entwickelten Falle sei, entsprechende Schutzmaßnahmen einleiten zu können, sobald übermäßig viele Käfer in der Falle entdeckt werden. Borkenkäferfallen sind bereits auf dem Markt verfügbar. „Die herkömmlichen Fallen müssen von Hand geleert werden. Auch die Anzahl der Käfer muss vom Menschen ausgezählt werden“, sagt Grosch. „Das ist sehr zeit- und kostenintensiv.“

Anders sieht es bei der neuen Falle aus dem Harz aus: Die Käfer werden – wie bei herkömmlichen Fallen auch – von ausgesprühten Pheromonen in die Falle gelockt. „Der entscheidende Unterschied ist, dass unsere Falle nur dann Pheromone versprüht, wenn sich auch tatsächlich Käfer im Bereich der Falle aufhalten.“ Der eigens entwickelte Dispenser versprühe somit mindestens die Hälfte weniger an Pheromonen. „Dadurch ist die Belastung für die Umwelt auch geringer“, sagt Grosch.

Borkenkäferfalle aus Osterode verbraucht weniger Pheromone

Einmal in der Falle, rutschen die Käfer durch einen Schlitz hinunter. Jeder Käfer, der dort hindurchfällt, durchbricht eine Lichtschranke. Hierdurch wird erfasst, wie viele Käfer in der Falle landen. „Falls sich andere Insekten in die Falle verirren, können sie diese durch die Schlitze wieder verlassen. Für den Borkenkäfer ist das schwierig, weil er nicht sehr gut fliegen kann“, sagt Grosch.

Smarte Borkenkäferfalle: Entwickelt von der Flügel GmbH.
Smarte Borkenkäferfalle: Entwickelt von der Flügel GmbH. © Flügel GmbH/nh

Er hofft, dass sein Produkt im kommenden Jahr auf den Markt kommt. „Aktuell haben wir zwei Fallen zu Versuchszwecken aufgestellt.“ Er erhalte bereits Interessenbekundungen aus verschiedenen Bereichen.

Flügel GmbH gewinnt Innovationspreis für ihre Borkenkäferfalle

„Unsere Falle ist besonders für Großwaldbesitzer, Forschungseinrichtungen, aber auch für Häfen, die ankommende Holzlieferungen prüfen wollen, interessant“, sagt Grosch. Erst am vergangenen Donnerstag erhielt die Flügel GmbH für ihr neues Produkt den ersten Platz des Innovationspreises 2022 des Landkreises Göttingen in der Kategorie „Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern“.

Auf die Frage der Moderatorin, wie man auf die Idee käme, sich gerne intensiv mit dem Borkenkäfer zu beschäftigen, antwortete Daniel Grosch: „Ich wohne in Clausthal, wo die Wälder besonders schlimm vom Borkenkäfer befallen sind. Dagegen wollte ich etwas unternehmen.“

Eine herkömmliche Borkenkäferfalle kostet um die 50 Euro. Grosch schätzt den Verkaufspreis seiner Falle auf 4000 Euro. „Unser Produkt ist modular aufgebaut: Je nachdem, wie viel zusätzliche Sensorik eingebaut werden soll, kann die Falle bis zu 15 000 Euro kosten.“

Borkenkäfer ist wichtiger Bestandteil des Ökosystems

Mit diesen Zusätzen meint der 36-Jährige beispielsweise das Auffangbecken, in dem bis zu mehreren 10 000 der Käfer gesammelt werden können. „Die Falle funktioniert auch ohne dieses Becken“, sagt Grosch. Diese Variante eigne sich für Personen, die lediglich die Anzahl der Insekten ermitteln möchten – die Käfer bleiben am Leben.

Denn: Im Grunde sei der Borkenkäfer ein sinnvoller Teil des Ökosystems. Wenn er aber Bäume befalle, die durch die anhaltende Trockenheit ohnehin schon angeschlagen sind, werde er für die Bäume äußerst schädlich. „Im Harz leiden wir besonders stark unter dem Borkenkäfer, weil im Wald eine Monokultur vorherrscht und somit viele Bäume gleichzeitig und gleichermaßen betroffen sind.“

Die neue Falle verfügt außerdem optional über eine integrierte Hochspannungsleitung, mit der die Insekten getötet werden. „All das ganz ohne Gift“, sagt Grosch.

Ein weiterer großer Vorteil der strombetriebenen Falle sei die praktische Bedienung. „Bei unserer Falle passiert sehr viel automatisiert. Sie ist über eine App steuerbar, sodass der Besitzer nicht zwangsläufig vor Ort im Wald stehen muss, um beispielsweise die Anzahl der Insekten zu überprüfen“, sagt Grosch. (hko)

Mehr zum Thema: Ein Interview mit Landesforst-Präsident Klaus Merker zum Borkenkäferbefall. Trockenheit, Berge von Totholz, fehlende Brandschneisen: Im Harz stoßen Interessen von Nationalpark-Führung, Land und Tourismusbranche aufeinander. Nach verlustreichen Jahren melden die Landesforsten Niedersachsen ein Millionenplus in der Kasse.

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