1. Startseite
  2. Lokales
  3. Göttingen
  4. Göttingen

Folgen der Pandemie: Pflegekräfte für Kinder fallen aus

Erstellt:

Von: Bernd Schlegel

Kommentare

Leiten die Pflegeeinrichtung Kimbu: Barbara Möllmann (links) als Geschäftsführende Pflegedienstleitung und Angelika Gotthardt als Verwaltungsleiterin.
Leiten die Pflegeeinrichtung Kimbu: Barbara Möllmann (links) als Geschäftsführende Pflegedienstleitung und Angelika Gotthardt als Verwaltungsleiterin. © Stephan Beuermann/nh

Wie viele andere Pflegeeinrichtungen auch hat Kimbu, die häusliche Kinderkrankenpflege aus Göttingen, Personalprobleme. Diese werden nun durch die „einrichtungsbezogene Impfpflicht“ und die anhaltende Corona-Krise verstärkt.

Göttingen – Die Einrichtung aus der Uni-Stadt versorgt mit gut 50 Mitarbeitern zwischen Bad Gandersheim und Kassel sowie zwischen Nordhausen und Uslar etwa 30 schwer erkrankte Mädchen und Jungen - einige von ihnen rund um die Uhr. „Durch die fortschreitenden Auswirkungen der Corona-Pandemie müssen immer mehr Mitarbeiter in Quarantäne gehen oder sind selbst erkrankt“, sagt Barbara Möllmann (54), Geschäftsführende Pflegedienstleitung der gemeinnützigen Kimbu GmbH.

„Wir haben immense Ausfälle bei den Mitarbeitern. Das führt dazu, dass wir die Patienten zum Teil nicht im benötigten Umfang versorgen können“, sagt Möllmann. Einige der jungen Patienten sind so krank, dass sie beatmet werden müssen. „Da muss die Versorgung natürlich ständig stehen.“ Deshalb hat der Kimbu einen Pandemieplan entwickelt. Darin wird unter anderem geregelt, bei welchen Kindern Versorgungsstunden reduziert werden können. „Das machen wir mit großen Bauchschmerzen. Wir sehen aber aktuell keine andere Möglichkeit“, macht die Leiterin.

Jetzt kommt noch die „einrichtungsbezogene Impfpflicht“ hinzu, die laut Kimbu zusätzliche Schwierigkeiten bringt. „Vier unserer Pflegekräfte sind ungeimpft. Sie fallen jetzt für die Versorgung der Patienten weg. Das reißt eine große Lücke bei uns.“ Möllmann macht deutlich: Es gibt unter den betreuten Familien einige, die ungeimpft sind. „Und diese wollen gern weiterhin von ungeimpften Fachkräften betreut werden. Das ist aber laut Gesetz nicht möglich, denn es gibt da keine Ausnahme.“

Ohnehin ist laut Möllmann das Thema Patientensicherheit für Kimbu schon immer ganz wichtig: Die Kimbu-Mitarbeiter tragen bei der Versorgung der Mädchen und Jungen Schutzkleidung, so wie vom Robert-Koch-Institut vorgeschrieben. Möllmann: „Damit sollten beide Seiten gut geschützt sein.“ Die Pflegedienstleiterin will mit ihrem Vorstoß keine Impfdebatte lostreten. „Allerdings muss auch gesagt werden, dass die aktuellen Regelungen für große Probleme sorgen.“ Gleichzeitig ermuntert sie alle Mitarbeiter dazu, sich impfen zu lassen und hat sie auch explizit auf die Impfpflicht hingewiesen.

Eine kurzfristige Lösung wäre, dass ungeimpfte Mitarbeiter bei Familien arbeiten, die ausdrücklich damit einverstanden und dies auch schriftlich erklären. „Das wäre ein sinnvoller Ansatz“, sagt Möllmann.

Weiterhin würde sie sich freuen, wenn sich mehr Pflegekräfte für die „abwechslungsreiche und erfüllende“ Arbeit bei Kimbu interessieren würden. „Der Bedarf an Unterstützung durch Familien ist riesig. Wir können nicht alle Versorgungsanfragen erfüllen“, sagt Möllmann. (Bernd Schlegel)

Betroffene Eltern riefen Kimbu im Jahr 1998 ins Leben

Die häusliche Kinderkrankenpflege Kimbu gibt es seit dem Jahr 1998. Die Göttinger Einrichtung wurde damals auf Initiative von betroffenen Eltern ins Leben gerufen. Damit sollen bis heute Krankenhausaufenthalt auf das absolute Minimum reduziert werden.

Im Laufe der Jahre sind der Bedarf und die Anforderungen massiv gestiegen, auch durch die Fortschritte bei der medizinischen Versorgung. So gab es 2003 einen Patient in der „Intensiv-Versorgung“, die zum Teil rund um die Uhr erfolgt – jetzt sind es 14. Die Erkrankungen sind höchst unterschiedlich, aber immer komplex.

Früher gab es größere Probleme bei der Finanzierung der Leistungen durch die Krankenkassen. Noch immer schwierig ist Bezahlung der Wegezeiten für die Fahrten zwischen den Patienten bei der „Kurz-Versorgung“. Weitere Infos gibt es hier. (bsc)

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.
Die Redaktion