Mehr Erfolg zu zweit

Forscher des Deutschen-Primaten-Zentrums untersuchen Entwicklung des Soziallebens

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Väterliche Fürsorge: Dieser junge Rote Springaffe (Plecturocebus cupreus) profitiert von der Fürsorge seines Vaters. Bei den als Paar lebenden Springaffen kümmern sich hauptsächlich die Männchen um den Nachwuchs.

Göttingen – Allein, als Paar oder in Gruppen – die Formen des Zusammenlebens bei Primaten sind für Forscher nicht zuletzt interessant, weil sie vielleicht auch etwas über das menschliche Sozialleben verraten.

Wie die Gesellschaftsformen auseinander hervorgegangen sind, hat ein Evolutionsbiologe des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) – Leibniz- Institut für Primatenforschung mit einem Kollegen der Universität Texas untersucht.

Ergebnis: Die Entwicklung von einer einzelgängerischen Lebensweise zum Gruppenleben erfolgte in der Regel über das Paarleben. Das Paarleben stelle evolutionär gesehen eine Art Sprungbrett für das Gruppenleben dar und nehme daher eine Schlüsselposition in der Evolution sozialer Systeme ein, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift Science Advances.

Gemeinsame Gesänge: Gibbons, wie dieser Weißhandgibbon (Hylobates lar), gelten als die klassischen paarlebenden Primaten. Sie stärken ihre Paarbindung durch charakteristische gemeinsame Gesänge.

Im Laufe der Evolution hätten sich Arten immer wieder an veränderte Umweltbedingungen anpassen müssen. Eine Anpassungsmöglichkeit sei die Modifikation des Sozialverhaltens. Knapp die Hälfte aller Primatenarten lebt in Gruppen, ungefähr ein Drittel in Paaren, der Rest lebt als Einzelgänger (solitär). Warum und wie sich die verschiedenen Formen entwickelt haben, wurde auf Basis genetischer Daten und Verhaltensbeobachtungen von 362 Primatenarten analysiert.

Das Zusammenleben von einem Männchen und einem Weibchen nimmt laut den Wissenschaftlern eine Schlüsselrolle bei den Überlegungen zur Evolution der Sozialsysteme der Säugetiere ein. Denn Männchen könnten einen deutlich höheren Fortpflanzungserfolg erzielen, wenn sie sich nicht an ein einziges Weibchen binden würden. „Evolutionsbiologen ringen schon lange darum, die Vorteile des Paarlebens für Männchen zu identifizieren“, sagt Peter Kappeler, Erstautor der Studie und Leiter der DPZ-Abteilung Verhaltensökologie und Soziobiologie.

Peter Kappeler vom Deutschen Primatenzentrum

Die gängigen Hypothesen zur Entstehung von Paarleben – die Verteilung der Weibchen und die väterliche Fürsorge – schienen auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun zu haben. Kappeler: „Tatsächlich weisen unsere Ergebnisse darauf hin, dass sich beide Faktoren ergänzen. Zunächst führte mutmaßlich eine ökologische Veränderung des Lebensraums dazu, dass sich die Weibchen stärker räumlich voneinander separierten und solitäre Männchen, in deren Streifgebiet vorher mehrere Weibchen lebten, sich als Folge nur noch auf ein Weibchen konzentrieren konnten. Die aus der Paarbildung resultierende väterliche Fürsorge erhöhte wiederum die Überlebenswahrscheinlichkeit der Nachkommen und stärkte damit das Paarleben.“

Der Übergang zum Gruppenleben sei wiederum durch eine Verbesserung der ökologischen Situation ermöglicht worden, die es meist verwandten Weibchen gestattete, in enger räumlicher Nähe zu leben. Diesen konnten sich dann ein bis mehrere Männchen anschließen.

Kappeler: „Die für Menschen typische Paarbindung innerhalb größerer sozialer Einheiten lässt sich mit unseren Ergebnissen allerdings nicht erklären, da keiner unserer jüngeren Vorfahren solitär lebte. Jedoch scheinen auch bei Menschen die Vorteile der väterlichen Fürsorge zu einer Stärkung der Paarbindung zu führen.“

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