An Affen erforscht

Forscher: Männerfreundschaften schützen vor Stress

Dicht beieinander: Nähe, Freundschaft und Familienbande mindern Stressreaktionen im Alltagsleben der Berberaffen, die Göttinger Wissenschaftler im marokkanischen Atlas-Gebirge beobachteten. Foto: nh

Göttingen. Enge Beziehungen und Freunschaften schützen vor Krankheiten und Stresssymptomen. Das haben Wissenschaftler der Uni und des Deutschen Primatenzentrums Göttingen an männlichen Berberaffen festgestellt.

Mehr noch: Männerfreundschaften wirken positiv gegen Stress: Je stärker diese Stressfaktoren sind, desto stärker wirken Männerfreundschaften als Puffer, und desto schwächer fällt die hormonelle Stressreaktion aus.

In der Affengesellschaft, entsteht Stress, wenn ein Tier wiederholt zum Ziel von Aggressionen anderer Gruppenmitglieder wird oder wenn die Außentemperaturen sich dem Nullpunkt nähern. Die Freundschaften wirken als Puffer gegen Stressfolgen.

Bekannt ist auch, dass Menschen, die Freundschaften pflegen und sich weniger einsam fühlen, seltener unter Infektionen, Herzerkrankungen leiden sowie chronisch erhöhten Stresshormonen leiden.

Die Studie der Göttinger Wissenschaftler legt nahe, dass diese Effekte unabhängig von unserer komplexen sozialen Lebenswelt und den vielfältigen Anforderungen des modernen Alltags sind – das zeigt das Beispiel der Berberaffen im Atlas-Gebirge.

Neu ist, dass diese positiven Effekte bei Männerfreundschaften funktionieren: Der direkte Zusammenhang zwischen der Anwesenheit eines engen Sozialpartners und der Reaktion eines Individuums auf stressige Situationen war nämlich bisher meist für Paare oder Mutter-Kind-Beziehungen nachgewiesen worden.

„Wir waren überrascht, die stresspuffernde Wirkung auch für enge Beziehungen zwischen Männchen zeigen zu können“, sagt Prof. Dr. Julia Ostner, Verhaltensökologin vom Courant Forschungszentrum „Evolution des Sozialverhaltens“ der Uni Göttingen.

Wie die meisten Säugetiere konkurrieren auch bei Berberaffen die Männchen heftig um den Zugang zu empfängnisbereiten Weibchen. Trotzdem fand das Forscherteam um Prof. Julia Ostner und Dr. Oliver Schülke, dass Männchen enge, stabile und verlässliche Beziehungen zu einigen wenigen anderen Männchen in der Gruppe pflegten, die menschlichen Freundschaften ähneln. „Wir haben zuerst untersucht, ob sich enge Sozialpartner regelmäßig beim Kampf gegen Rivalen unterstützen. Wir hatten jedoch nicht erwartet, dass die Beziehung auch physiologische Auswirkungen und damit eventuell Konsequenzen für die Gesundheit der Männchen hat“, beschreibt Oliver Schülke die überraschende Erkenntnis. (tko)

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