Widersprüchliche Wachstums- und Klimapolitik

Forscher: Ökonomie geht in China vor Ökologie

Zeichen der Luftverschmutzung in China: Dichter Rauch hängt in Qianjiang über einer chemischen Industrieanlage. Wissenschaftler stellen fest, dass China nicht nur Klimaschutzvorgaben nicht einhält, sondern den CO2-Ausstoß sogar noch steigert. Grund dafür ist das Forcieren emissionsstarker Industriezweige. Foto: dpa

Göttingen. Wissenschaftler – auch aus Göttingen – kritisieren, dass China die Erdatmosphäre weitaus stärker mit CO2-Emissionen belastet, als in Zielen formuliert wurde. Das Land müsse umdenken und dringend stärker auf erneuerbare Energiequellen setzen.

Da rät Prof. Stephan Klasen, Entwicklungsökonom an der Georg-August-Universität. Klasen gehört zu einem internationalen Forscherteam mit Experten aus den USA, China und Großbritannien, das dem bevölkerungsreichsten Land der Erde ein schlechtes Zeugnis ausstellt. China setze zu stark auf den Ausbau emissionsstarker Industrien. Der Einsatz effektiverer und umweltfreundlicher Energien werde falle nicht ins Gewicht: Unter dem Strich stehen sogar höhere Emissionen.

Bereits bekannt war, dass China seit 2009 das Land mit den größten CO2-Emissionen weltweit ist. Um ein weiteres Wirtschaftswachstum und eine Verringerung der Armut nicht zu gefährden, hat sich China bisher nicht bereit erklärt, die Reduzierung der CO2-Emissionen als Ziel zu festzuschreiben.

Gleichzeitig aber hatte sich das Land das Ziel gesetzt, von 2005 bis 2010 die Emissionsintensität der Wirtschaft – das heißt die Emissionen pro Dollar Wirtschaftskraft – um 40 bis 45 Prozent zu senken.

Die Forscher aber fanden nun heraus, dass die Emissionsintensität zwischen 2002 und 2009 sogar noch um drei Prozent zugenommen hat, anstatt wie geplant stetig abzunehmen.

Die Analysen hätten auch gezeigt, dass vor allem Sektoren gefördert wurden, die einen großen Anteil an der Wirtschaftskraft der Provinzen ausmachten. Leider waren das häufig die emissionsintensiven Sektoren.

„Durch diese auf quantitatives Wachstum orientierte Politik der Provinzen wurde das Ziel, die Emissionen pro Wirtschaftseinheit zu verringern, konterkariert. China wird so seine Klimaziele nicht erreichen“, sagt Stephan Klasen.

Die Wissenschaftler machen auch gleich Vorschläge, wie die Treibhausgas-Emissionen verringert werden können: Sie raten zu einer effizienteren Energienutzung, den Umstieg auf erneuerbare Energien oder die Förderung von Wirtschaftsbereichen, die wenig Emissionen verursachen, sagt Klasen. Der Staat sei gefordert und müsse Anreize setzen, damit in den Produktionsabläufen die Energie effizienter genutzt werde und somit weniger Emissionen entstünden. (tko)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.