Forscher suchen nach Zweit-Erde und Nachrichten von Außerirdischen

Sö könnten Außerirdische die Erde am besten sehen: Der Blaue Planet auf seiner Umlaufbahn direkt vor der Sonne. Diesen Bereich nennen die Astronomen Transit. Den Transit von anderen Sternen vor Sonnen nutzen sie zur Identifikation. Foto: Nasa/Repro: Kopietz

Göttingen. Die Entdeckung von außerirdischer Intelligenz im Weltall gleicht der Suche nach einer Nadel in einem riesigen Heu-Lager. Göttinger Forscher haben deshalb eine neue Idee.

Sie schlagen in einer Studie vor, die Suche auf einen kleinen Bereich am Himmel zu beschränken – auf ein Fenster durch das umgekehrt die Erde auch von Außen gesehen werden könnte.

Dabei handelt es sich um den Bereich, von dem ein externer Beobachter die Erde bei ihrem Umlauf um die Sonne sehen könnte, wenn sie sich vor der Sonne befindet. Das wird als „Transit“ bezeichnet.

Mit dieser Transit-Methode wurden auch von der Erde aus die meisten Exoplaneten entdeckt, also erdähnliche Planeten, von denen etwa 2000 bekannt sind. Forscher haben anhand eines lang genug dauernden Transits ermitteln können, wie die Planeten und deren Atmosphäre beschaffen ist – ob sie erdähnlich sind. Wenn Außerdirdische mit ähnlichen Methoden arbeiten sollten, dann könnten sie den Erde-Transit nutzen, um den Blauen Planeten und dessen Atmosphäre zu identifizieren.

Eine verwandte Methode, die Transit-Spektroskopie, wird Astronomen bald ermöglichen, die Atmosphären von Exoplaneten auf gasförmige Spuren von Leben zu testen.

„Die Wahrscheinlichkeit, dass sie uns bereits gezielte Signale zur Kontaktaufnahme senden, wäre in diesem Himmelsbereich daher höher“, sagen Forscher aus Kanada und Göttingen, so Dr. René Heller vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS). „Der Knackpunkt dieser Transit-Strategie liegt darin, dass sie den Suchbereich auf einen sehr kleinen Teil des Himmels eingrenzt. So könnten wir innerhalb der Zeitspanne eines Menschenlebens herausfinden, ob es außerirdische Astronomen gibt, die uns sehen können und die versuchen, uns zu kontaktieren.“

Die Forscher haben eine Liste von 82 Sternen erstellt, die sich im richtigen Himmelsbereich befinden und die aufgrund ihres langen Lebens gute Aussichten auf Erfolg bieten. Auf sie sollten sich die Astronomen nun konzentrieren – bei der Suche nach Leben auf möglichen Erden-Doubles.

Das Problem: Kleine und langlebige Sterne, die als Ersatz-Erden in Frage kämen, leuchten schwach und sind noch gar nicht bekannt. Um abzuschätzen, wie viele Sterne sich über die 82 bekannten hinaus in dem Himmelsfenster befinden, projizierten Heller und sein kanadischer Kollege Ralph Pudritz den Bereich auf ein Modell für die Sterndichte unserer Galaxie: 100.000 Sterne in Sonnennähe könnten Planeten mit Bewohnern beherbergen, die uns entdeckt haben und versuchen, Kontakt aufzunehmen.

Ein Teil der Planeten könnte sogar mit der für 2024 geplanten PLATO-Weltraummission entdeckt werden, an der auch René Heller mitwirkt. PLATO wird die Transit-Methode verwenden, auch, um erdähnliche Planeten zu finden.

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