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Göttinger Forscher: Islamistisches Gedankengut von Moscheeverband-Funktionären beobachtet

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Von: Michael Caspar

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Ein Mann hält ein Smartphone in die Kamera, auf dem Display sind abstoßende Abbildungen zu erkennen, die sich gegen Israelis wenden
Entdeckte auf den Facebookseiten von Funktionären des türkischen Moscheeverbands Ditib antisemitische Hetze: Politik- und Islamwissenschaftler Marvin Hild zeigt eine der abstoßenden Abbildungen. © Michael Caspar

Islamistisches und rechtsextremes Gedankengut ist in Deutschlands größtem Moscheeverband, der Ditib, „weit verbreitet“.

Göttingen – Davor warnt der Göttinger Politik- und Islamwissenschaftler Marvin Hild.

Die „verfluchten Israelis“ sollten „in der Hölle schmoren“, erklärte der Beisitzer des Ditib-Ortsverbands in Hannover, Yunus Yazici, 2014 während des Gaza-Kriegs auf seiner Facebookseite. Er bedauerte, dass Hitler die Juden „nicht ausgerottet“ habe.

Hild, der beim Göttinger Institut für Demokratieforschung arbeitet, dokumentiert das in seiner Studie „Zwischen Schein und Sein – Wie sich niedersächsische Ditib-Funktionäre in sozialen Medien äußern“.

Der Vorsitzende der Ditib-Gemeinde in Osnabrück, Ramazan Karacan, posierte vor dem Logo der rechtsextremen türkischen Partei MHP und teilte Beiträge dieser Gruppierung. Auf einem der Videos ist auf einer blutbefleckten Israelfahne ein Davidsstern aus Stacheldraht zu sehen. In dessen Mitte bleckt ein Vampir die Zähne.

Der Kassenwart der Hildesheimer Ditib-Gemeinde, Hakan Karaduman, verwendet das Symbol des islamistischen Flügels der rechtsextremen Ülkücü-Bewegung. Auf Karadumans Seite wird Sympathie für eine Gesellschaftsordnung geäußert, die auf dem islamischen Rechtssystem der Scharia beruht.

Karaduman verbreitete zudem Videos weiter, in denen Israel als „terroristscher Staat“ bezeichnet wird.

Hild hat mehr als 30 öffentlich zugängliche Facebookseiten von Vorstandsmitgliedern der Ditib-Gemeinden in Hannover, Hildesheim und Osnabrück ausgewertet. Sechs von ihnen enthielten bedenkliche Beiträge. „Seit Veröffentlichung meiner Studie sind sie nicht mehr zugänglich“, sagt der Wissenschafter.

Den Anstoß zur Untersuchung lieferte der Fall des Göttinger Ditib-Vorsitzenden Mustafa Keskin, der nach der Wahl des neuen amerikanischen Präsidenten ein Bild teilte, auf dem Donald Trump und Joe Biden als Marionetten des „Puppenspielers“ Jacob Rothschild dargestellt werden.

Er bezog sich zudem positiv auf die rechtsextreme türkische Ülkücü-Bewegung, hetzte gegen Kurden und Armenier und zeigte Sympathien für die islamistische Muslimbruderschaft.

„Eine feindselige Einstellung gegenüber Juden und den Staat Israel ist unter Türken weit verbreitet“, kommentiert Kamal Sido von der Gesellschaft für bedrohte Völker Hilds Befunde. Viele Deutschtürken äußerten solche Positionen heute offener als noch vor zehn Jahren.

Das habe mit Staatschef Recep Tayyip Erdogan zu tun, der unter ihnen beliebter sei als bei den Türken in der Heimat. Erdogan wittere hinter allen Problemen in der Türkei „fremde Mächte“ – Israel und die angeblich von Juden kontrollierten USA.

Außenpolitisch beanspruche Erdogans Türkei eine Vormachtstellung in der Region und schrecke auch vor Waffengewalt nicht zurück. Auch gegen die Kurden im eigenen Land gehe er brutal vor. Das gefalle der rechtsextremen MHP, mit der er zusammen regiere. Erdogan kooperiere zudem mit Islamisten wie der arabischen Muslimbruderschaft.

Der Ditib-Landesverband ließ eine Anfrage der HNA unbeantwortet. (Michael Caspar)

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