Forscher arbeiten an Puzzle mit digitalen Leibniz-Notizen

Zerschnittene Notizen: Gottfried Wilhelm Leibniz brachte Gedanken spontan zu Papier und zerschnitt Blätter wieder, um sie erneut mit Notizen zu versehen. Mit neuer Software versuchen Forscher nun die Blattfragmente zu sortieren.   Foto: Wollenberg/n

Göttingen. Mit seiner Erfindung des binären Zahlensystems hat Gottfried WilhelmLeibniz (1646–1716) die Grundlage für die Computertechnik gelegt. Nun soll diese Technik helfen, ein Puzzle zusammenzulegen, das der Universalgelehrte der Nachwelt hinterlassen hat.

Bis heute bereitet der Nachlass des Philosophen und Mathematikers den Forschern erhebliche Schwierigkeiten. Zum einen handelt es sich bei den geschätzt 150 000 bis 200 000 beschriebenen Blättern um den wohl größten Gelehrten-Nachlass der Welt. Zum anderen hatte Leibniz die Angewohnheit, seine Gedanken zu ganz unterschiedlichen Wissensfeldern recht eigenwillig aufzubewahren.

Zerschnittene Blätter

Er brachte sie spontan zu Papier, zerschnitt diese Blätter dann wieder, um sie mit neuen Notizen zu versehen und legte sie an unterschiedlichen Stellen ab. Allein die chronologische Reihenfolge zu rekonstruieren, ist eine Herausforderung für die Experten. Die Puzzle-Masse des Konvolutes „Mathematica“ umfasst 7 200 digitalisierte Fragmente und ist für die Nachwelt von besonderer Bedeutung. Leibniz entwickelte in Konkurrenz zu Newton die Differential- und Integralrechnung und veränderte so die Grundlagen und Möglichkeiten der Mathematik.

Ohne ihn wäre auch die technische Entwicklung des 21. Jahrhunderts nicht denkbar gewesen, da er das binäre Zahlensystem erfand und damit die Grundlage der heutigen Informatik schuf. Um die digitale Rekonstruktion der mathematischen Notizen des Universalgenies zu unterstützen, hat die Klaus Tschira Stiftung (Heidelberg) jetzt einen mittleren sechsstelligen Betrag bewilligt.

Damit unterstützt die Stiftung Forscher der „Leibniz-Edition“ der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften bei der Aufgabe, die schier unzähligen mathematischen Notizen auf Blattfragmenten wieder zusammenzufügen. Das im Oktober begonnene Projekt soll im März 2017 abgeschlossen sein.

Neue Software

Die neue interaktive Software wird die Leibniz-Edition in Zusammenarbeit mit der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, der MusterFabrik Berlin und dem Fraunhofer Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik, Berlin, entwickeln. (nh) Archivfoto: nh

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